Als Gott den Dezember schuf, stellte er uns Menschen auf die Probe. Wie lange würden unsere Seelen das Kampfshoppen ertragen, unsere Magenschleimhäute das rote Gebräu, die Ohren Wham und Unschuldige das Helene-Fischer-Parfüm? Immer wieder vergebliches Hoffen, mehr Geschenke würden mehr Glück schaffen. Wie kann es nur sein, dass fast jedes zweite Kleidungsstück ungetragen dem Mottentod entgegengammelt? 40 Prozent aller Präsente floppen, also zwei von fünf Socken, Büchern und all den Steh-im-Wegs.
Riskierten wir ein Milligramm Freude, wenn wir uns von den 17 Milliarden im Weihnachtsgeschäft bewegten Euro die Hälfte sparten? Psychologen wissen: Zu viele, zu teure Geschenke lösen eher Irritationen aus. Verwechseln wir etwa Geldausgeben mit Liebe? Ach wo.
Die meisten von uns wünschen sich angeblich mehr Zeit. Sonst immer gern, aber gerade jetzt eher nicht, weil wir einen weiteren Doppelzentner diabetesfördernder Leckereien besorgen müssen und dann ab in die Grummelschlange bei der Post, weil Liefern ja so praktisch ist. Die neue Lichtshow will auch noch angeflanscht werden, würde man die Anleitung aus dem Internet geladen bekommen.
Am liebsten zoffen wir uns zum Fest übrigens wegen der vielen Besuchstermine, zu Dekorfragen, etwa Lamettamengen, und über das Essen. Mag halt nicht jeder roten Heringssalat. Gut, dass man zwischen den Jahren beim Umtausch Dampf ablassen kann. Völlig entkräftet geloben wir schließlich Silvester, dass 2016 kohlehydratärmer werden wird, bewegter, einfach entspannter.
Kann es sein, dass seit Jahrhunderten ein Fehler in der Reihenfolge vorliegt? Nikolaus von Tolentino, einer der Namenspatronen des 6. Dezember, soll aus Mitgefühl ein gebratenes Hühnchen zum Leben erweckt haben. Er predigte Bescheidenheit, eine Tugend, über die pralle Lebenshilfewerke verschenkt werden. War Nikolaus vielleicht einst der wahre Silvester, der Tag der guten Vorsätze? Nur einmal angenommen, ab dem 6. Dezember würden wir fortan bedachter essen, besser trinken, weniger hetzen, womöglich gar Mitmenschen wiederentdecken. Und dann noch Zeit fürs Unsinn-Kaufen halbieren, Spaziergänge verdoppeln, Streiten streichen, Zärtlichkeiten wagen. Hinsetzen. Kerzen gucken. Rumsinnen. Die Stiefel können wir auch noch am 1. Januar rausstellen.


