Zunächst hielten es die Sportfunktionäre für den Fall eines einzelnen, irregeleiteten Finanzbeamten – doch bei näherer Ansicht entpuppte sich die Angelegenheit als ernsthaftes Problem: Sportvereinen, die Flüchtlingen die Teilnahme am Training ermöglichen, um sie wenigstens ein paar Stunden aus dem grauen Alltag ihrer Flüchtlingsunterkunft herauszuholen, droht der Entzug der Gemeinnützigkeit.

Das als „bürokratisches Schelmenstück“ zu bezeichnen, wie es Berlins Präsident des Landessportbundes Klaus Böger tat, ist da schon fast beschönigend. Das muss man sich wirklich auf der Zunge zergehen lassen: Sportvereine, die ohnehin fast ausschließlich von ehrenamtlicher Arbeit leben, riskieren ihren Status, wenn sie sich auch noch zusätzlich ehrenamtlich für Flüchtlinge engagieren. So will es das Vereinsrecht. Das ist schwer zu glauben und befeuert sämtliche Vorurteile, die gegen die bräsige Verwaltung vorhanden sind. Und es torpediert die überall zu spürende Bereitschaft derjenigen, die sich für die Geflüchteten engagieren, sei es auch nur, ein paar Jugendliche vorübergehend im Fußballverein mitkicken zu lassen, damit sie auf andere Gedanken kommen.

Unabhängig davon, ob es in den kommenden Wochen zu einer vernünftigen Lösung des Behördenproblems kommt, zeigt das Beispiel, wie überfordert immer noch alle öffentlichen Ebenen mit dem Flüchtlingsansturm sind. Sie sind immer noch viel zu selten in der Lage, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen oder mal innezuhalten, um sich zu vergewissern, was da gerade möglicherweise angeschoben wird.

Dass sich so viele Helfer davon nicht abhalten lassen, in ihrer Freizeit weiter an der Verbesserung der Situation zu arbeiten, gehört zu den überaus positiven Erfahrungen rund um die Bewältigung des aktuellen Flüchtlingsansturms. Es zeigt aber auch, dass weite Teile der Gesellschaft sehr viel pragmatischer und zupackender sind als der große Teil der Regierenden – und das sollte den handelnden Politikern, ob im Bund oder in den Ländern, wirklich mehr als nur zu denken geben.