In Berlin leben immer mehr Menschen, die Stadt ist aber weiterhin eine der friedlichsten Metropolen der Welt. Das ist die erfreuliche Erkenntnis, die sich aus den aktuellen Kriminalitätszahlen ziehen lässt. Auch bei der Jugendkriminalität zeigt sich Positives: Die Zahl der jugendlichen Serientäter ist so gering wie seit Jahren nicht mehr. Damit bestätigt sich der Trend, dass seit der Einführung der Schwellen- und Intensivtäter-Datei die Zahl der jungen Serientäter zurückgeht.

Es hat sich bewährt, das Übel möglichst an der Wurzel zu packen. Jugendliche, die durch mehrfache Straftaten in kurzer Zeit auffallen, werden in Manndeckung genommen, um ein Abrutschen in die Intensivkriminalität möglichst zu vermeiden. Jugendliche Täter, die sich mehreren Dutzend Strafverfahren gleichzeitig ausgesetzt sehen, gibt es praktisch nicht mehr in der Stadt. Das ist zweifelsohne ein Erfolg.

Aber es geht noch besser. Noch immer fehlt es an der Zusammenarbeit entscheidender Stellen. Nicht jeder Schulabbrecher wird zum Serientäter, aber alle Serientäter haben die Schule geschmissen. Es wäre daher wünschenswert, wenn die Schulen frühzeitig in das Präventionskonzept der Polizei eingebunden würden. Vor vielen Jahren wurde vom Berliner Abgeordnetenhaus zwar die Einführung einer Schülerdatei beschlossen, bis heute fehlt es aber an der Umsetzung.

Auch die wünschenswerte zügige strafrechtliche Auseinandersetzung des Täters mit seiner Straftat kann noch verbessert werden. Noch immer dauert es viel zu lange, bis ein Täter seinen Arrest antreten muss. Dabei wissen alle Kriminalisten seit langer Zeit: Je unmittelbarer die Strafe auf die Tat erfolgt, desto wirksamer ist sie. Je länger die Tat zurückliegt, desto weniger Bezug hat die Strafe für den Täter.

Auch die Einführung spezieller Jugendkommissariate bei der Polizei ist ein sinnvoller Schritt. Nur so kann die erwünschte Vernetzung von Polizei, Bildungseinrichtungen und Jugendhilfe nachhaltig erreicht werden. Alle Beteiligten brauchen feste Ansprechpartner. Deshalb ist auch das Wohnortprinzip, bei dem sich die Zuständigkeit eines Kommissariats nach dem Wohnort des Täters richtet und nicht nach dem Tatort, eine sinnvolle Forderung.

Alle diese Maßnahmen bewirken jedoch kaum etwas, solange sich in den Köpfen nichts ändert. Wer nicht vom Sinn des gemeinsamen Handelns überzeugt ist, wird sich schwer damit tun, das gemeinsame Ziel zu erreichen. Dazu gehört auch, eigene ausgetretene Pfade zu verlassen und über das Pflegen des eigenen Kompetenz-Vorgartens hinaus zu denken. Wie schwer das ist, hat der tragische Fall der Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig gezeigt, die an der Umsetzung des Neuköllner Modells, das genau diese Forderungen beinhaltete, mit zerbrochen ist.

Eine Verbesserung der Prävention darf dabei nicht an den Kosten scheitern. Innere Sicherheit kostet immer und bringt nichts Sichtbares ein. Denn nicht begangene Taten lassen sich schwer messen. Aber jeder Euro, der in die Prävention investiert wird, spart später 1000 Euro im Strafvollzug. Eine bessere Rendite für das friedliche Zusammenleben in einer Gesellschaft gibt es nicht.

Wenn also im Abgeordnetenhaus am Montag über die Kriminalstatistik des vergangenen Jahres gesprochen wird, dann sollten die Innenexperten der Fraktionen auch darüber diskutieren, wie sich das gemeinsame Ziel der Kriminalitätsvermeidung in Berlin besser erreichen lässt. Einen günstigeren Moment dafür gibt es nicht. Gerade laufen die Haushaltsberatungen für die kommenden beiden Jahre. Statt, wie üblich, bei der Prävention zu sparen, könnten die Fraktionen mit einem beherzten Bekenntnis den Druck auf Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) erhöhen, sich bei Mehrausgaben zur Verbesserung der inneren Sicherheit nicht zu sperren. Doch die Erfahrung lehrt, dass Wetten darauf lieber nicht abgeschlossen werden sollten.