Bei Dreilinden passiert es spätestens. Auf dem Weg zu den Pferden. Sonja Frühsammer zückt ihren Block – und plant drauf los. "Schatzi, sollten wir nicht ein Hoffest machen im Sommer?" "Ja, sollten wir", sagt Peter Frühsammer, den Blick auf der Straße, die Gedanken schon bei der Organisation.

"Und was meinst Du, lieber Hecht oder Kabeljau später?", fragt Sonja Frühsammer gleich darauf. "Hecht", sagt er, "den bekommen wir jetzt frisch von den Berners." "Gut", sie notiert, "dann sollten wir uns noch Gedanken zum Lamm im Menü machen. Oder, Peter?" "Ja, Schatzi", sagt Peter Frühsammer.

Bis Sonja und Peter Frühsammer angekommen sind, haben sie die Lösung für das Morgenpost-Menü im März gefunden. "Solche Dinge klären wir weder zu Hause noch im Restaurant vor den Mitarbeitern", sagt Peter Frühsammer. Seine Frau, die plane eigentlich immer, sei ein Workaholiker. Bis auf die kurze "Bewusstlosigkeitsphase" wenn sie schlafe, da schöpfe sie Energie für ihre zwei Kinder, das Restaurant, die Pferde, Schäferhund Donna.

Seit rund sechs Jahren sind Sonja und Peter Frühsammer verheiratet, sie leben in Wilmersdorf. Ihr gemeinsames Frühsammers Restaurant in der Villa des Grunewalder Tennisclubs, seit diesem Jahr erstmals mit 17 von 20 Gault Millau-Punkten ausgezeichnet, führen sie seit acht Jahren. Kennengelernt haben sie sich, als die gelernte Köchin nach der Geburt von Tochter Sophia im Jahr 1996 wieder eine Stelle suchte.

"Gespart wird nicht, das ist Standard bei uns"

Und nicht in den langen Arbeitsalltag eines Gourmetrestaurants, dem Alt Luxemburg von Karl Wannemacher, zurückkehren wollte. Sie bewarb sich bei "Servino", dem Cateringunternehmen von Peter Frühsammer, das dieser nach seiner Zeit als jüngster Sternekoch Berlins in seinem Restaurant Rehwiese aufgebaut hatte. "Ich fand sie gleich toll", sagt Peter Frühsammer.

Er steht in der Küche des Restaurants und schaut seiner Frau bei der Zubereitung zu. Als Amuse Gueule das Dreierlei Süppchen – ein Geschenk des Hauses, "gespart wird nicht, das ist Standard bei uns" – und als ersten Gang Pulpo, Quinoa, Cashewkerne, gelbe Paprika, Wildkräutersalat. Fast lautlos, mit einem leichten Lächeln, legt Sonja Frühsammer einen Ring aus glutenfreiem Quinoa-Getreide auf den Teller.

Sofort geht es weiter, obenauf drapiert sie Tintenfisch. "Sie ist der Star, ich der Handwerker", sagt Peter Frühsammer leise. Es wird warm in der Küche. Ihre Augen leuchten kurz. "Schatzi, go?", fragt Sonja Frühsammer ihren Mann, ebenfalls leise, aber bestimmt. Und Peter Frühsammer startet in den Gastraum, um einen 2011er Weißburgunder vom Weingut Klostermühle aus Odernheim, sanft, mit nur leichter Säure, dazu zu servieren.

2011er Riesling - Ein Wein für warme Bäuche

Zum zweiten Gang, Gurke, Senf, Hecht, von Nick Berner aus Werder fangfrisch ins Haus gebracht, serviert er einen 2011er Riesling Alte Reben Reichsgraf von Kesselstatt von der Mosel. Der untypisch ohne Hefezugabe gereifte Wein riecht nach Natur, schmeckt nach Schiefer. "Ein Wein, der einen warmen Bauch macht, wie meine Frau meint", sagt Peter Frühsammer.

Und während er den 2011er Silvaner, Frühsammers Fass vom Winzerhof Thörle aus Rheinhessen, den 2005er La Truffière Domaine Saint-Antoine und den 2009er Sherry Pedro Ximénez Equipo Navazos aus Andalusien für den dritten, den Haupt- und Dessertgang vorbereitet, arbeitet sie in der Küche an diesen.

Vorsichtig hebt sie ein Eigelb für Makkaroni, Spinat und Parmesanespuma in einen Topf zum Pochieren, stößt sanft die gelbe Kugel mit einem Löffel im heißen Wasser hin und her. Für Kichererbse, Joghurt, Aubergine, Passe Pierre und Tomate prüft sie nebenbei bereits die Temperatur im Ofen für Schulter- und Rückenstück des Lamms, probiert Nougat und Feige für das Dessert. "Ich habe lange genug mit meiner Frau zusammen gekocht, um zu wissen, dass sie besser ist", sagt Peter Frühsammer. Er ist wieder in die Küche zurückgekehrt.

Ausgezeichnet, aber nicht überdreht koche sie

Sonja Frühsammer hat ihre Ausbildung bei Siemens Kraftwerkunion in Moabit gemacht. Genug vom Tütenprodukt wechselte sie zum damaligen Sternekoch Karl Wannemacher, bevor sie sich für die Geburt der Kinder eine Auszeit nahm. Mit Servino und dem Frühsammers Restaurant zurückgekehrt, wurde sie 2008 von Berlin Partner zur "Aufsteigerin des Jahres" gekürt. Ausgezeichnet, aber nicht überdreht koche sie, heißt es. Ein Michelin-Stern ist der 43-Jährigen bislang versagt geblieben.

Obwohl auch die männlichen Kollegen aus der Sternegastronomie sie neidlos für ihre Küche anerkennen, privat bei ihr essen gehen. "Sie ist eine Frau mit außergewöhnlichem Geruchs- und Geschmacksempfinden. Die nicht auf dem Jahrmarkt der selbstdarstellerischen Eitelkeiten tanzt – ohne dabei auf eine sexy persönliche Handschrift zu verzichten", sagt etwa Zwei-Sternekoch Christian Lohse über sie. Und Ex-Chef Karl Wannemacher: "Ich freue mich, dass sie heute in Berlin die beste Köchin ist."

Hört Sonja Frühsammer solche Worte, lächelt sie leicht, bescheiden, fast peinlich berührt. "Peter ist meine Instanz, mein Joker", sagt sie. Immer wieder fragt sie ihn, wie er dieses Gewürz, jene Sauce finde. Ganz selten würden sie streiten, sagen beide. Und wenn, dann niemals im Restaurant oder zu Hause. Bei Dreilinden passiere es frühestens. Und immer: Kommen sie schon mit einer Lösung dafür an.

Und so können Sie das Morgenpost-Menü reservieren

Preis: Das Fünf-Gänge-Menü mit Weinbegleitung kostet 59,50 Euro pro Person. Es wird vom 1. bis 31. März 2013 in Frühsammers Restaurant am Flinsberger Platz 8, Do. und Fr. ab 12 Uhr (inklusive Karfreitag, fleischlos, und Ostersonntag), Di., Mi., Sbd. ab 18 Uhr angeboten. Reservierung unter Tel. 89 73 86 28. So lange die Plätze reichen. Vorweg gibt es ein Dreierlei Süppchen sowie Bio-Brot mit Kräuterdip und selbst gemachte Grissini – auf Kosten des Hauses.

Verlosung: Wir verlosen fünf mal zwei Menüs bei Abo-Exklusiv am 3. & 10. März.