Fashion Week

Bei diesen Jacken darf es auch regnen

Bei der Fashion Week gibt es auch Schauen mit nachhaltiger Mode. Mit dabei: Designerin Caroline Raffauf aus Lichterfelde.

Caroline Raffauf, Modesignerin, produziert Outdoorkleidung und stellt diese auf der Ethical Fashion Show in Berlin aus

Caroline Raffauf, Modesignerin, produziert Outdoorkleidung und stellt diese auf der Ethical Fashion Show in Berlin aus

Foto: Anikka Bauer

Es ist nur ein Hauch von einem Tuch. So leicht scheint das Gewebe, dass man meinen könnte, man habe nichts an. Dabei kleiden die Mäntel, Jacken und Umhänge der Berliner Modedesignerin Caroline Raffauf nicht nur mit schlichter Eleganz, sie versprechen auch, Wind und Wetter standzuhalten. Denn: Was heute als seidenzarter Faden im feinen Stoff daherkommt, war einmal eine PET-Flasche.

Als Caroline Raffauf vor 25 Jahren begann, ökologisch korrekte Mode zu entwerfen, war sie noch Trendsetter. 1993 – eine Enquete-Kommission des Bundestages befasste sich mit dem Schutz von Mensch und Umwelt in der Industriegesellschaft – holten die Abgeordneten sie als Expertin für nachhaltige Textilfertigung dazu.

Heute gibt es längst keine Berlin Fashion Week mehr ohne Raum für das grüne Gewissen. Im Berliner Funkhaus an der Nalepastraße (Oberschöneweide) versammelt vom 4. bis zum 6. Juli ein für ein Fachpublikum reserviertes Messe-Duo, der Greenshowroom für exklusive Ökoausstattung sowie die ­Ethical Fashion Show mit nachhaltiger urbaner Alltagsmode, zusammen 180 Aussteller.

In der Outdoorjacke nicht gleich sportlich aussehen

Raffauf ist eine von in diesem Jahr zehn Berliner Designern und Herstellern im Funkhaus. Laut der Begründerin des Greenshowroom und Kreativdirektorin der Ethical Fashion Show, Magdalena Schaffrin, hat sich die Hauptstadt in der internationalen Modewelt einen festen Platz beim Thema Nachhaltigkeit erarbeitet. Stellten im Januar 2012 bei der ersten Ethical Fashion Show in Berlin noch 36 Labels aus, sind es heute 140.

Die gebürtige Hagenerin Caroline Raff­auf, die ihr Label "Raffauf – Urban Outdoor Apparel" in Köln gegründet hatte, lockte der zugleich metropolitane und grüne Charme der Stadt nach Berlin. Durch die Fenster ihres Showrooms am Ostpreußendamm in Lichterfelde mit seinen hohen weißen Wänden und den Eichendielen schaut man ins Blattgewirr des Gartens.

An Kleiderstangen hängt ihre aktuelle Kollektion: zeitlos, aber einfallsreich geschnitten mit ausladenden Revers, Schalkragen oder Kapuzen, mal mit schrägen Reißverschlüssen, mal elegant tailliert, immer aber bequem und vielseitig. "Outdoor-Mode", sagt Caroline Raffauf, "sieht oft sehr sportlich aus. Das will aber nicht jeder."

Eine Zeit lang gab es unter ihrem Label Parkas aus Bananenfasern

Bewusst nutzte sie die Nische einer stadttauglichen und schicken Designlinie – und war erneut der Zeit ein Stück voraus. Sogenannte "Athleisure", sagt Rebecca Espenschied, Pressesprecherin für die beiden Messen, steige derzeit zum wichtigen Schlagwort auf: "Sportliche Themen werden zunehmend modisch interpretiert", so die Mitarbeiterin der Agentur Kern Kommunikation. Understatement durch minimalistisches Design paare sich bei den aktuellen Kollektionen mit hohem Anspruch an die Materialien.

Auf Innovationen bei den Rohstoffen setzt auch Caroline Raff­auf. Schon zu Beginn ihrer Karriere arbeitete die heute 54-Jährige mit Bienenwachs oder Naturkautschuk, um Baumwolle wasserabweisend zu machen. Eine Zeit lang gab es unter ihrem Label Parkas aus Bananenfasern.

Aus Norditalien bezieht sie heute die Kunststoffgewebe, die teils zu 100 Prozent aus eingeschmolzenem PET-Flaschen-Polyester bestehen, teilweise mit 44 Prozent Biobaumwolle gemischt werden. Reine Baumwollstoffe aus fairer Bioproduktion in der Türkei seien dagegen so dicht gewebt, dass auch sie einem Schauer widerstehen, so Raffauf. Ihr Werbespruch lautet "All you need is rain" (Alles, was du brauchst, ist Regen).

Gewerbe der Schneider hat in der Familie Tradition

Anerkannte Ökostandards, der Verzicht auf Fluorcarbon und PVC beim Imprägnieren sowie auf Schwermetalle beim Färben der Stoffe sind selbstverständlich. Gleich im doppelten Sinne kann Raffauf sich auf Familientradition berufen. 200 Jahre lang, bis zu den Großeltern, residierten ihre Vorfahren als Tuchmacher und Maßschneider in Koblenz. Die Gründungsurkunde hängt jetzt im Steglitzer Showroom.

Caroline Raffauf dagegen wollte eigentlich in die Fußstapfen ihrer Eltern treten und Medizin studieren, ehe sie auf Mode umschwenkte. "Wenn man sich in der Branche auch um das Wohl der Menschen kümmert, ist das von der Medizin ja aber gar nicht so weit weg", sagt sie nur halb im Scherz.

Raffaufs Outdoor-Kreationen werden bei Einzel- und Versandhändlern in Europa, Japan und sogar in den USA verkauft. In Berlin selbst allerdings bietet derzeit kein Laden ihre Funktionskleidung an. Das unterscheidet die Designerin von anderen Berliner Ausstellern auf der Ethical Fashion Show. Zu ihnen zählt der Berliner Hamid Mohammadi, der mit seiner Modefirma "Chapati Design" sechs Ladenfilialen in Friedrichshain-Kreuzberg, Prenzlauer Berg und Mitte unterhält. Weitere Messeteilnehmer aus der Hauptstadt sind zum Beispiel die Labels "Nix" oder "Umiwi", "Philomena Zanetti" oder "de Colores".

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