Ganz in einen durchsichtigen schwarzen Schleier gehüllt und mit weniger als Unterwäsche am Leib, schreitet das erste Model bei Kaviar Gauche den in blutrotes Licht getauchten Catwalk ab. In der Hand trägt es ein goldenes Weihrauchfass aus dem der schwere Duft von Myrrhe und Weihrauch emporzusteigen scheint.
Wie eine Hohepriesterin im Tempel der Mode, die zunächst die Stätte der neuen Kollektion weihen (oder entweihen?) muss.
Eins ist sicher, bereits mit diesem Auftritt hat das Berliner Designer-Team von Kaviar Gauche, bestehend aus Alexandra Fischer-Roehler und Johanna Kühl, den üblichen Rahmen der Fashion Week in Berlin gesprengt.
Mühen sich die meisten Designer redlich, ihre Kollektion dem Label gerecht zu präsentieren, schaffen es Kaviar Gauche aus ihrer Schau immer auch ein Statement zu machen. Und das ohne die Präsentation der Kleider, um die es ja eigentlich geht, zu schmälern.
Tolle Show
Im Gegensatz zu den vielen anderen Modemachern der Fashion Week sind damit nicht nur die entworfenen Modelle über dem sonst gezeigten Standart, sondern auch die Art der Präsentation.
Nach dem Priester-Model taucht ein ganz in Weiß gekleidetes Model auf dem Runway auf. Grazil und langsam, fast engelsgleich, schwebt es in einem langen weißen Kleid am Publikum vorbei. Kurz danach taucht ein Model ganz in Schwarz gekleidet auf. Mit dynamischem Schritt zieht sie an dem Engel vorbei, lässt ihn hinter sich. Eine Metapher dafür, dass die Zeit meist schneller vergeht, wenn man Dinge tut, die eigentlich verboten sind, aber mehr Spaß machen?
Das ist vielleicht das Besondere an den Entwürfen der beiden Frauen. Man kann in ihnen so klar und rein wirken, wie man es von der Ikone Grace Kelly kennt, oder so wild und unberechenbar wie Bianca Jagger in ihren besten Zeiten.
Bräute, wie wir sie sehen wollen
In ihrer Kollektion bleiben Kaviar Gauche ihrem bisherigen Stil damit weitgehend treu. Immer noch sind sie die erste Adresse für Bräute mit einer Rock-Attitüde, die sich auch vor dem Traualtar nicht wie ein verkleidetes Sahne-Baiser fühlen wollen. Neben schwarz und weiß, lange Plissee-Röcke, hoch in der Taille getragen und mit schwingender Eleganz werden in der kommenden Saison Schultern und Dekolleté betont.
Applikationen, die aussehen, als wenn sie aus weißen Kaurischnecken bestehen würden, schmücken diese Teile des weiblichen Körpers wie filigrane Mosaike. Besonders auffällig auch der Schmuck: Groß, golden und mit Strass, ohne überladen zu wirken.
Eine Braut, ganz nach dem Geschmack von Kaviar Gauche trägt übrigens folgendes: Einen Hauch von weißem Lack an den richtigen Stellen, einen Ganzkörper-Schleier, zwei goldenen Spangen im Haar. Los, nun traut Euch!













