Ein Verein gegen Krebs

Schweitzer und Tufts sammeln Spenden bei der Alba-Gala

Gayle Tufts und Eric Schweitzers Vision ist es, dass kein Kind mehr an Krebs erkranken soll. Auf der Alba-Gala sammeln sie Spenden.

Eric Schweitzer mit Gayle Tufts in der Kinder Onkologie, Virchow Klinik

Eric Schweitzer mit Gayle Tufts in der Kinder Onkologie, Virchow Klinik

Foto: Amin Akhtar

Die Sonne scheint durch die Fenster des Spielzimmers und lässt seine bunten Farben leuchten. In einer Ecke ist eine Miniküche aus Holz aufgebaut, in der anderen ein Kaufmannsladen. In einem großen Regal sind Burgen für Miniritter und Parkhäuser für kleine Autos verstaut. Der Raum gehört zur Abteilung der Kinderonkologie im Virchow-Klinikum der Charité, in der sich pro Jahr rund 150 neu-diagnostizierte Patienten melden.

Entertainerin Gayle Tufts und Unternehmer Eric Schweitzer setzen sich an einen kleinen Tisch auf gelbe Kinderstühle. Sie sind schon oft hier gewesen. In der Abteilung, in der krebskranke Kinder stationär behandelt werden, ebenso wie in der nur wenige Schritte entfernten Tagesklinik, in der kleine Patienten ambulant behandelt werden.

Jeden Tag erkranken fünf bis sechs Kinder an Krebs

„Die Besuche hier erden mich jedes Mal unglaublich“, sagt Schweitzer. Der 50-jährige Chef der Alba Group und Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages spricht auf einmal etwas leiser. Nicht, dass er glaube, unbedingt geerdet werden zu müssen. Aber: „Wenn ich in die Gesichter hier schaue, sehe ich, mit welch positiver Energie solch ein Schicksalsschlag angenommen wird. Dann merke ich, dass alle Herausforderungen und Probleme im Alltag in Relation zu einem solchen Schicksal sehr klein sind.“

Der Unternehmer hat die Zahlen im Kopf: „Jeden Tag erkranken fünf bis sechs Kinder in Deutschland an Krebs. Es ist die zweithäufigste Todesursache nach Unfällen. Inzwischen können 80 Prozent der Kinder geheilt werden. Als wir anfingen, waren es noch 60 Prozent.“ Gayle Tufts nickt zustimmend. Schweitzer fährt fort: „Das heißt: Es sterben immer noch 20 Prozent. Unser Ziel muss sein, dass kein Kind mehr stirbt.“

Ein Platz zum Zusammensein

Eric Schweitzers Vater hat 1998 zusammen mit der Unternehmerin Ellen von Hartz-Geitel den Verein „Kinderleben – Verein zu Förderung der Tagesklinik für krebskranke Kinder e.V.“ gegründet. „Mein Vater war 1997 selbst einmal im Virchow-Klinikum wegen einer Schulter-Behandlung“, erzählt Schweitzer. „Er sah durch Zufall, wie Kinder, die eine ambulante Chemotherapie bekamen, mit ihren Müttern im Flur auf Fensterbänken saßen, weil kein Platz für sie war. Das wollte er ändern.“

In einem alten Gebäude auf dem Klinikgelände entstand, auch mit Mitteln aus der José-Carreras-Stiftung, die Tagesklinik mit Spielzimmern und Behandlungsräumen. Dort wird auch Grundlagenforschung betrieben. „Die Patienten, die abends wieder nach Hause dürfen, können dort mit ihren Familien sein“, erklärt Eric Schweitzer. Mit seinem Bruder Axel beschloss er, diese ehrenamtliche Arbeit nach dem Tod des Vaters fortzuführen. „Geburtstage, Firmenfeiern, egal bei was – bei uns wurde von da an für Kinderleben gesammelt“, so Schweitzer. Demnächst soll die Station der Kinderonkologie mit Mitteln des Vereins renoviert werden.

Die Alba Gala, fast ein Familientreffen

„Kinderleben“ finanziert sich ausschließlich aus Spenden. Unter anderem stammen sie seit 2001 von der jährlichen Alba-Gala, die am heutigen Freitag im Hotel „Grand Hyatt“ am Potsdamer Platz mit rund 250 Gästen stattfindet und die Gayle Tufts zum zwölften Mal moderiert. In 15 Jahren kamen so rund 2,7 Millionen Euro zusammen. „Wir wollen auch andere dazu bewegen, etwas zu tun“, sagt Schweitzer. „Und zeigen, dass man an dieses ernste Thema auch positiv herangehen kann.“

Es treten Musiker und Comedians auf. Sämtliche Künstler verzichten auf ihre Gage, alle Gäste zahlen eine freiwillige Spende von mindestens 333,33 Euro. „Oder mehr“, sagt Gayle Tufts. „Alle Summen, die darüber liegen, sind natürlich willkommen.“ Sie freue sich aber nicht nur deshalb auf den großen Abend, weil Geld gesammelt werde. „Viele Leute, die zu der Gala kommen, kennen sich, es ist fast wie ein Familientreffen. Ich gehe von Tisch zu Tisch, freue mich, die Gäste vom letzten Jahr wiederzusehen.“

„Es gibt auch positive Geschichten“

Für Tufts ist es ein Pflichttermin im besten Sinne des Wortes, wie sie sagt. „Ich würde es wirklich vermissen. Obwohl es eigentlich um ein schwieriges Thema geht. Nicht nur die Kinder, sondern ihre ganzen Familien sind in Not bei solch einer Erkrankung.“ Das gebe ihr noch mehr Motivation. „Klar können wir uns alle zusammensetzen und heulen. Aber ich versuche, mit ganz viel Herz zu moderieren und beim Gala-Abend auch einige der positiven Geschichten zu erzählen. Denn die gibt es sehr wohl.“

Gayle Tufts hat vor ihrer Showkarriere in New York City als Kindergärtnerin gearbeitet. „Schon damals habe ich mich gefragt, wie unfair ist dieses Universum, dass ein kleines Kind an Krebs erkrankt“, erzählt sie. Ihr Blick fällt durch die offene Tür in den Flur. An einer großen Fensterfläche sitzen zwei Mütter mit ihren Kindern, die durch Schläuche jeweils mit einem „Chemo-Baum“ verbunden sind. So wird auf der Station das Gerät auf Rollen genannt, an dem die Beutel mit den Flüssigkeiten für die Chemotherapie hängen.

„Wir haben die Vision: Kein Kind soll mehr an Krebs erkranken“, sagt Eric Schweitzer. Es wird nicht möglich sein, das komplett umzusetzen. Aber wenn es nicht solche Visionen gäbe, dann würden viele Dinge in der Welt nicht zum Positiven geändert. Und das Wichtigste im Leben sind gesunde Kinder.“