"StyleNite"

Michael Michalsky kann eben nicht kleiner

Der Designer Michael Michalsky wird für seine großen Auftritte und Shows oft angefeindet – Trotzdem wollen alle hin.

Foto: Amin Akhtar

Geärgert hat er sich. Designer Michael Michalsky hatte sie alle zur Fashion Week im Berliner Winter in den Friedrichstadtpalast geladen. Insgesamt 1700 Leute. Es gab freie Drinks, Häppchen und eine After-Show-Party mit Spandau Ballett, wie es so üblich ist. Und dann hieß es: „Michalsky stolpert über den eigenen Größenwahn“. Um die Kollektionen, die gezeigt wurden, ging es dabei nicht. Aber Michalsky ist nicht nur für die saubere Verbindung von Mode, Party und Marketing bekannt. Sondern auch für sein Ego. Sein Büro in der Wallstraße liegt im obersten Stockwerk. Es ist heiß und der Designer läuft in Mickey-Mouse-T-Shirt durch den Raum.

Dieses Mal hat er das Tempodrom gemietet. Michalsky kann eben nicht klein. Bei der Show wird die Gruppe OMD für ihn spielen, er hat sich das so gewünscht. Und er lädt wieder ein. Michalsky ist nämlich auch der große Gastgeber.

Und ja, alle wollen wieder hin. Aber dieses Mal kommen nicht alle rein. Die Zahl der Gäste wurde von 1700 auf 800 verkleinert.

Es melden sich die gleichen Leute, die beim letzen Mal im Friedrichstadt-Palast gestanden haben und sich über die Drinks (zu warm!) und das Catering (nur Wurstsalat!) beschwerten. Und dann auch noch diese „langweiligen Shows mit der Mode“. Das, was mit Michael Michalsky passiert, ist irgendwie typisch für Berlin. Da wagt einer den großen Auftritt, wird weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Aber mit dem Erfolg kommt in Berlin eben auch immer das Naserümpfen: Nicht abgerockt genug, nicht ausgefallen genug. 2006 machte er sich selbstständig: Mit einer Marke, die seinen Namen trägt. In Berlin wollte er „Real Clothes for real People“ machen.

In diese Zeit fällt auch seine Zusammenarbeit mit der Kaffeemarke „Tchibo“, für die er unter dem Label „Mitch und Co.“ Basics entworfen hat. Eine Arbeit, die ihm immer wieder vorgehalten wird. Ein echter Modedesigner, der sich in die Niederungen der Fußgängerzonen begibt? „Dieser falsche Elitismus in der Mode geht mir auf die Nerven.“ sagt er dazu. Den sozialen Trend, dass Mode nicht nur die Reichen, sondern alle interessiert, hat er für sich als stimmig erkannt. „Schauen Sie sich um, in meinem Laden arbeiten Frauen, die vor dem Büro noch schnell das Kind in die Kita bringen und mit beiden Beinen im Leben stehen, aber abends auch mal sexy aussehen wollen. Für die mach ich meine Mode.“

Das alles entspricht seiner Persönlichkeit, hat aber auch einen anderen angenehmen Nebeneffekt. Es bringt Geld in die Kasse. „Sagen wir es doch, wie es ist: Ich arbeite ein halbes Jahr und dann habe ich eine halbe Stunde Zeit, um meine Vision von der Mode und meinen Namen bekannt zu machen." Und dafür nimmt er auch in Kauf, dass über ihn gelästert wird.