Hosen runter. Bitte. Und was sehen wir?

Okay, okay, ich verrate nichts. Aber eigentlich gibt es seit 25 Jahren dafür keine Ausrede mehr.

Denn 1982 brachte der Amerikaner Calvin Klein die erste Designer-Unterwäsche auf den Markt und machte einen eher zweckmäßigen denn glamourösen Artikel zum Kultobjekt. Zerrte das vernachlässigte Feinripp aus dem Dunkel der Lende ans Tageslicht, gab ihm Komfort, und einen, nämlich seinen Namen. Zudem verlieh er der Wäsche einen ungeahnten Sexappeal durch Schnitt und vor allem Werbung. Mit Provokation kannte der 40-Jährige gebürtige New Yorker sich schließlich aus.

Schon als Junge hatte der Sohn eines ungarischen Einwanderers Kleider gezeichnet, lernte von der Großmutter Nähen, begann 1962 als Designer- Assistent in einer Mantelfabrik, schaffte 1968 mit geliehenem Geld den Sprung in die Selbstständigkeit, gründete sein Modeunternehmen Calvin Klein Ldt.. Firmensitz war viele Jahre eine kleine Hotelsuite. Ende der Siebziger hatte er sich mit seinem puristischen und doch bequemen Stil einen Namen gemacht. "Ein Anzug von mir soll aussehen wie ein Anzug, aber er soll sich tragen wie ein Pullover", sagte er gern. Weniger ist wohlfühlen, war die Devise des Mannes, der damit offenbar auch die Enge der kleinen vollgestopften Wohnung seiner Kinderzeit kompensieren wollte.

Doch wenn es um Sex ging, da durfte es gern mehr sein. Keine Rüschen, nein, aber Strahlkraft.

Skandal um minderjährige Models

Provozierend viel mehr. Ende der Siebziger lächelte plötzlich die erst 15-jährige aber durchaus attraktive Brooke Shields in Calvin Klein Jeans von riesigen Werbepostern. Darunter stand der Slogan: "Zwischen mich und meine Calvins lasse ich nichts kommen." Ein Skandal. Und ein Mordsgeschäft. Der eigentlich gesättigte Jeansmarkt hatte einen neuen Star. Und Calvin Klein, selbst kein Mann von Zurückhaltung, hatte noch 15 Jahre später das FBI im Haus, weil er weiterhin Minderjährige für seine Klamotten posieren ließ und deswegen der Kinderpornografie verdächtigt wurde.

Doch "Sex sells" war nun mal das Credo der großen Karriere. Und wer scharfe Jeans trägt, braucht auch die richtige Wäsche dafür: Eine, bei der der Gummibund herausblitzt und man das Markenlogo darauf lesen kann - falls man den Blick vom Adoniskörper lösen kann. Denn natürlich trugen nur mega-attraktive Menschen CK. Egal, wie sie im wirklichen Leben aussahen. Eine Unterhose, ein BH von Calvin Klein gab ungeahnte Stilsicherheit. Es war keine Reizwäsche im herkömmlichen, ordinären oder verzweifelten Sinn, sondern das Drunter-und-drüber der Trainierten, der Coolen, der Hedonisten. Und dabei sportlich und bequem.

Die Kleinschen Werbekampagnen waren genial, frech und erotisierend. Eine Mischung aus lasziv und sportlich und vor allem unisex, auch so eine Klein-Erfindung. Die besten Fotografen arbeiteten mit den attraktivsten Models. Bruce Weber, Peter Lindbergh, Mario Testino, Steven Klein, Herb Ritts, Terry Richardson hinter der Kamera. Karen Mulder, Cindy Crawford, Christy Turlington, Natalia Vodianova oder Marcus Schenkenberg und immer wieder Mark "Waschbrettbauch" Wahlberg. Für die aktuelle Herbstkampagne stand der Oscar-nominierte Schauspieler Djimon Hounson für Peter Lindbergh Model, die neue Linie heißt "steel" und genauso wie es klingt, sind auch die Bilder. Stahlklingenscharf.

Die Geburt der Designer-Unterwäsche

Das Konzept hat funktioniert. Calvin Klein Underwear gehört zu den weltweit meistverkauften Designer-Unterwäsche-Marken. Natürlich haben die Kollegen längst nachgezogen, die Marke Calvin Klein gehört mittlerweile der Philips-Van-Heusen Corporation und bedient einen kompletten Lifestyle-Kosmos. Donnerstagabend wurde der 25. Geburtstag mit einer großen Party in New Yorker Hauptquartier mit vielen Berühmtheiten der Mode- und Filmszene gefeiert. Guttrainierte, eisblau angestrahlte Models standen dekorativ auf hohen Podesten. Heldenverehrung für erfolgreiche Hosen.


1985 spielte Michael J. Fox in dem Blockbuster "Zurück in die Zukunft" einen Wissenschaftler, der sich 30 Jahre zurück katapultierte und im Jahr 1955 seine Mutter trifft, die damals noch ein Teenager ist. In einer Szene sieht sie Fox in seiner Unterhose mit dem Calvin Klein Logo. Und weil es 1955 ist, denkt sie natürlich das wäre sein Name, nur merkwürdig groß vermerkt statt auf dem sonst üblichen kleinen Wäscheschildchen. Sie spricht ihn schüchtern an: Calvin Klein? Eine Riesenwerbung. Ein Riesengag. In Amerika funktionierte er. In Italien allerdings griff die Synchronisation damals sicherheitshalber auf "Levis" zurück, in Frankreich auf "Pierre Cardin".

Das wäre heute wohl nicht mehr nötig.