Es ist eine Verteidigung nach vorn: Der Haarverlust gehört zum Lebensweg eines jeden Mannes wie Eheschließung, Herzinfarkt oder Führerschein. Andy Warhol griff rechtzeitig zur Perücke. Die Schauspieler Brando, Brynner, Savalas und Lorre rasierten sich die Reste ab. Der präventive Kahlschlag dient der Rettung der Mannesehre, beinahe jeder sieht dann besser aus als mit einem Beamtenkranz aus Haaren um den Schädel herum – schließlich will man Mars sein oder Jupiter, bloß nicht Saturn!
Haare kämmen? Schwamm drüber!
Verändert hat sich seit diesen Tagen, dass heute auch Intellektuelle, dass auch Denker und Sänger auf ihre Haare verzichten können, ohne dass man sie deswegen für verroht oder schlicht unattraktiv halten müsste. Ein Architekt wie Jean Nouvel wird sich eher an Philipp Johnson orientiert haben als an Marlon Brando; REM-Sänger Michael Stipe gleicht durch die markige Frisur seine etwas wehleidige Stimme aus. Nur eines kann die Glatze nicht: Den Verdacht männlicher Eitelkeit zerstreuen. Denn wer rasiert, beschäftigt sich intensiver mit seiner angeblichen Nichtfrisur als ein Mann, der seine Haare ungezügelt wachsen lässt.
JB




