Särge & Sex-Spielzeug

Wie Rocker heute ihr Geld verdienen

Not macht auch Musiker erfinderisch: Nachdem mit CDs nicht mehr viel Geld zu verdienen ist, setzen Künstler jeglichen Alters heutzutage auf ganz neue Geschäftsfelder: Ob Mode, Särge oder Weihnachtsschmuck – vor "Band-Branding" ist nichts mehr sicher. Sogar bei Sexspielzeug zeigen Rocker Einsatz.

Einen Top-Ten-Hit wird Sir Cliff Richard in diesem Jahr wohl nicht mehr schaffen. Präsent war er in der Vorweihnachtszeit in englischen Haushalten dagegen durchaus – mit einem Richard-Tannenbaumkugel-Set.

Er ist nicht der einzige alternde Musiker, der mit ganz modernen Methoden Geld verdienen will. So liegen die Heavy Metal Rocker Kiss beim Produkt-Verkauf ganz vorne: insbesondere mit ihrer Limited Edition „Kiss Kasket“, einem Sarg, der bis zum Tod seines Besitzers übergangsweise als Gefriertruhe für den überlebenswichtigen Bier-Vorrat einsetzbar ist. „Ich liebe das Leben, mit dem Kasket sieht die Alternative aber auch ganz gut aus“, meint Kiss-Sänger Gene Simons. Auch sonst weiß die Band das Leben ihrer Fans mit nützlichen Produkten zu erleichtern, etwa mit Marken-Armwärmern für Radfahrer, Kochschürzen, Lip gloss, einem Kiss-opoly Brettspiel und einem Cocktail Tisch.

Die kreative Branche tobt sich heute auch beim Merchandising aus – typgerecht versteht sich. So will Celine Dion ihre Anhänger mit Parfüm, Sammlerlöffeln und Briefbeschwerern betören. Innovativ zeigt sich ebenso Barbra Streisand, mit ihrer Thermal-Kapuzenjacke für Hunde; nostalgisch dafür die Beatles mit ihrer Yellow Submarine Lava Lampe im 70er-Stil.

BHs von Mick Jagger

Die Verkaufskönige unter den Altrockern bleiben aber nach wie vor die Rolling Stones, die von Schnürsenkeln über BHs bis zu Babyklamotten alles vertreiben. Laut Forbes verdienten sie zwischen Juni 2006 und Juni 2007 88 Millionen Dollar, vor allem durch ihre Bigger-Bang-Tour. „Niemand schafft es, das große Geld so gut reinzuholen wie eine ältere, etablierte Musikgruppe“, so das Magazin. Nicht nur die hohen Ticketpreise, sondern vor allem die Macht ihres Marken-Namens hätte zum Reichtum der Band beigetragen.

Angetrieben von großen Sportstadienshows und einem Boom im Musikfestival-Bereich, setzte die Live-Musikindustrie laut Phonoverband im vergangenen Jahr weltweit 17 Milliarden Dollar um – 16 Prozent mehr als im Vorjahr. Plattenverkäufe summierten sich dagegen vergangenes Jahr gerade einmal auf knapp 20 Milliarden Dollar, im Jahr 1999 waren es immerhin noch knapp 26 Milliarden Dollar.

Die Prognose: In Zukunft werde das meiste Geld mit dem Verkauf von T-Shirts und anderen Merchandising-Produkten verdient, sagt der Branchenberater Ger Leonhard. Nur noch 30 Prozent würden die Bands mit ihren Musikaufnahmen verdienen.

Der Soundtrack zur Unterwäsche

Etliche Musiker haben bereits jegliche Bedenken gegen die Kommerzialisierung ihres Lieder-Katalogs hinter sich gelassen. So vertreibt Paul McCartney seine Musik via iTunes und die Kaffeekette Starbucks. Duff McKagan, Ex-Bassist bei der selbst ernannten „gefährlichsten Band der Welt“ Guns n’ Roses, spielt mit seiner neuen Band Velvet Revolver den Soundtrack zu den Werbefilmen der Unterwäschefirma Victoria’s Secrets.

Manche Stars wiederum weigern sich noch, ihren Namen für den greifbaren Reichtum eines bandeigenen Babylätzchens herzugeben, darunter Altrocker Bruce Springsteen. Ebenso sind die Fans mit der Produktwahl ihrer Idole nicht immer einverstanden: Die Band Wilco etwa steuerte die Musik zu einer Volkswagen-Werbung bei; ihre Fans nahmen sie danach auf den Message Boards von Wilcos Webseite regelrecht auseinander.

Der Wein von Sir Cliff Richards eigenem Weingut würde, so die "Times", „einen wie mit Teeröl versetzten Abgang“ haben; selbst sein größter Fan, Sir Cliff selbst, meinte in einer Blindverkostung, dass der Wein „furchtbar“ schmecke.

Der Lieferant der Stars

Wie wichtig das Merchandising-Geschäft heute ist, zeigt die einst vor 25 Jahren in England gegründete Firma Bravado. Sie produziert inzwischen 4000 verschiedene Musik-Produktlinien und verkauft über zwei Millionen Kleidungsstücke im Jahr. Nebst den üblichen T-Shirts hat das Unternehmen auch etliche andere Fangegenstände im Sortiment, etwa Ferngläser und Handytaschen. Zu den Klienten zählen so unterschiedliche Künstler wie 50 Cent und Sex Pistols. Die erfolgreichste Lizenz-Band ist Iron Maiden, auch deshalb, weil zuletzt David Beckham mit einem Vintage Iron Maiden T-Shirt gesichtet wurde und Bravado daraufhin eine neue Shirt-Auflage herausgebrachte.

Kaum ein Künstler hat bislang so viel Körpereinsatz gezeigt wie Duran-Duran-Gitarrist Warren Cuccurullo: Er produzierte schon vor ein paar Jahren ein Sex-Spielzeug namens the Rock Rod – und behauptete ganz uneitel, die Nachbildung sei soar "besser als echt".