Obwohl einer aktuellen Umfrage aus Großbritannien zufolge die meisten Männer lange, üppige Locken an Frauen am attraktivsten finden, schneiden sich immer mehr Frauen – und immer mehr Stars – die Haare ab. Sängerin Rihanna, Schauspielerin Drew Barrymore und Model Heidi Klum – alle zeigen sich mit der praktischen halben Länge. Jüngst verzichtete auch die schöne Schauspielerin Jessica Alba auf ihre lange, dunkle Haarpracht – und zeigt sich nun halblang mit Pony.

Katie Holmes hat sich den Bob schon vor Längerem von ihrer Freundin Victoria Beckham abgeschaut (die selbst inzwischen allerdings raspelkurz trägt). Selbstredend, dass Töchterchen und Mini-Modevorbild Suri Cruise ebenfalls Bob trägt. Und dem Haarschnitt inzwischen nicht nur bei Kindern wieder zu großer Beliebtheit verhilft. Oscar-Preisträgerin Helen Mirren, ebenfalls überzeugte Bob-Trägerin, macht ihn derzeit wieder für ältere Frauen attraktiv.

"Männer finden Frauen mit langen, vollen, lockigen Haaren sexy, weil sie für Weiblichkeit stehen", sagt Karen Moore vom Elektrogerätehersteller Philips. "Aber nicht alle Frauen sind von der Natur mit solchen Haaren gesegnet. Um Frisuren zu tragen, die Männern besonders gefallen, müssen die meisten Frauen eine Menge Styling-Aufwand betreiben."

Diese Tatsäche mag mit ein Grund dafür sein, warum der Bob, erfunden vom berühmten französischen Figaro Antoine de Paris, seit hundert Jahren nicht totzukriegen ist. "Der Bob ist der vielseitigste Damenhaarschnitt überhaupt", sagt Sacha Mascolo-Tarbuck, Kreativdirektor der Friseurkette Tony&Guy. "Er hat sich im Lauf der Zeit als Haarschnitt bewährt, der sich in punkto Länge, Schnittechnik und Volumen immer wieder verändern ließ. Dadurch hat er immer wieder einen anderen, neuen Look bekommen." Auch in seiner Fähigkeit, sich den unterschiedlichsten Gesichtsformen anzupassen, sei der Bob einzigartig, so Mascolo-Tarbuck: "Der Bob lässt sich auf jeden Stil zuschneiden."

Eine revolutionäre Frisur also – auch, was die Reaktion der Männerwelt betraf, als der Bob zu Beginn des 20. Jahrhunderts Einzug in die Damenmode hielt: Die Männer waren schlicht schockiert. Schließlich waren sie an Frauen gewöhnt, die mit langer, komplizierter Lockenpracht (und ebensolcher Garderobe) ein klassisches Frauenbild vertraten. Der Abschied von schwer zu bändigenden Frisuren und die Hinwendung zur praktischen Kurzhaarfrisur war der Beginn einer neuen Ära, in der sich das Frauenbild so radikal wandeln sollte wie die Mode und die Frisuren.

Die Konsequenzen der neuen Bob-Mode waren dann auch dramatisch: Ein Friseurbesuch der Ehefrau mit Kurzhaar-Folge war damals für nicht wenige Männer ein Scheidungsgrund; in den USA löste der Haarschnitt einen Sturm der Entrüstung aus, in dessen Folge amerikanische Priester erklärten, Frauen mit Bob-Haarschnitt seien "ehrlose Frauen". Mit der Folge, dass manche Damen aus ihren abgeschnittenen Locken sicherheitshalber Perücken anfertigen ließen, unter denen sich im Notfall der "ehrlose" Kurzhaarschnitt verbergen ließ.

Viele klassische Damenfriseure weigerten sich noch in den 1920er-Jahren, Bobs zu schneiden. Kurzhaar-wilige Frauen gingen deshalb zum Barbier, bis die Damenfriseure schließlich nachgaben, weil sie ihre Profite dahinschwinden sahen. Schließlich trugen auch immer mehr weibliche Hollywoodstars der damaligen Zeit die neue Mode am Kopf, und wie Louise Brooks, Clara Bow oder auch Modedesignerin Coco Chanel wollten schließlich auch viele andere Frauen aussehen.

Über die Jahre hat sich der Bob zwar immer wieder gewandelt – zunächst glatt und eng am Kopf anliegend, wurde er mal lockig, mal wasserstoffblond, mal gestuft oder asymmetrisch getragen –, aber Hollywood liebt ihn bis heute. Anfang der 90er-Jahre löste Uma Thurman mit ihrem schwarzen Bob aus "Pulp Fiction" eine neue Halblang-Welle aus, und seitdem haben sich Stars wie Natalie Portman, Reese Witherspoon, Christina Ricci oder auch Kate Moss dauerhaft von ihrer langen Haarpracht verabschiedet. Ein Abschied ohne Reue, wie es scheint: Um bewundernde Männerblicke müssen sich diese Frauen auch mit kurzen Haaren nicht sorgen.

lha