Wann haben Sie das letzte Mal nachgesehen, ob Ihre Ellenbogen auch schön weich sind? Und wie sieht es mit Ihren Fersen aus? Rosa und glatt oder rissig und verhornt? Es gibt Körperteile, die werden schlicht vernachlässigt. Damit sie endlich die Pflege bekommen, die sie verdienen, richten Kosmetikfirmen unsere Aufmerksamkeit immer wieder auf oftmals unbeachtete Körperstellen.

Solch ein neu entdecktes Sorgenkind ist die Kopfhaut. Und zwar nicht nur die schuppende oder die fettige, sondern auch die sensible. Es geht um die empfindliche Haut unter den Haaren, die leicht spannt, gerötet ist, brennt und juckt, sodass man sich ständig am Kopf kratzen muss. Nicht gerade ein attraktiver Anblick.


Guhl hat diese leicht reizbare Körperzone zur Chefsache erklärt und zum Jahresbeginn ein Shampoo sowie eine Beruhigungslotion namens "Kopfhaut sensitiv" auf den Markt gebracht. Ihre modischen Wirkstoffe: weißer Tee und Wasserminze. Redken nennt eine Serie "Scalp relief", und der Düsseldorfer Biofriseur Marc Booten entwickelte kürzlich mit Ärzten und Heilpraktikern ein Elixier, das anhand eines Fragebogens und in einer edlen schwarzen Flasche individuell für jeden Kopf zusammengemischt wird. "Rosmarin bringt Sauerstoff an die Kopfhaut, Lavendel wirkt ausgleichend und Enzian durchblutungsfördernd", sagt Booten.

Haarwasser gegen Juckreiz

Auf Anti-Aging über den Haaransatz hinaus hat sich Schwarzkopf Professional spezialisiert und einen Balsam mit dem Enzym-Wirkstoff Q10 entwickelt. Und natürlich gibt es auch immer noch die Klassiker der Kopfhautpflege: Haarwässer wie das gute alte Alpecin oder Birkin mit Birkenextrakt.

Juckt den Menschen heute der Kopf mehr als früher? "Tatsächlich nehmen die Fälle entzündeter Kopfhaut zu", sagt Frank-Matthias Schaart, Facharzt für Dermatologie in Hamburg. Mögliche Ursachen hierfür seien immer häufiger Allergien auf Duft- und Farbstoffe, aber auch übertriebenes Haarewaschen und Styling mit aggressiven Produkten. Zudem mag die Kopfhaut den Winter nicht: Der permanente Wechsel zwischen trockener Heizungsluft und der Kälte draußen stresst sie, unter dicken Wollmützen beginnt sie zu jucken.

Sanfte Shampoos helfen der Kopfhaut

"Deshalb sollte man schonendes Shampoo benutzen, welches die Haare und somit die Kopfhaut nicht zu stark entfettet", rät Schaart. Für Weichspülungen eignen sich PH-neutrale Shampoos und lauwarmes Wasser. Mit Conditioner sollte nur sparsam umgegangen, zu heiße Föhnluft generell vermieden werden.

Aber auch im Sommer, wenn es der Kopfhaut tendenziell besser geht, sollte man sein Haupt nicht vernachlässigen. Vor allem Männer mit kurz geschorenen Haaren müssen sich vor der Sonne in Acht nehmen. Wer nicht ständig mit einer Kappe herumlaufen möchte, kauft sich Spray, Shampoo oder Conditioner mit UV-Filter.

In Deutschland steht den Herren mit rasiertem Schädel à la Bruce Willis dafür bisher kaum spezielle Pflege zur Verfügung, sie müssen sich bei den Damen bedienen, bei denen Produkte mit Sonnenschutzfaktor eigentlich dazu dienen, Haare vorm Ausbleichen zu bewahren. Ganz anders sieht es in Amerika aus: Firmen wie "Bald Guyz" (kahle Kerle) und "Duke" mit der Reihe Bald & Bold (kahl und verwegen) bieten Glatzköpfen passende Shampoos, Spülungen und fettfreie Skalp-Seren an, die nicht von der glatten Oberfläche in die Augen laufen. Es gibt sogar speziell entwickelte Rasierer und Wischtücher. Sicher nur eine Frage der Zeit, bis es die auch bei uns gibt. Denn ein kluger Kopf verdient auch gute Pflege.