Fernsehen

Neue Moderatorin: Jana Pareigis bei ZDF-„heute“ gestartet

Jana Pareigis (40) hat am Dienstag ihr „heute“-Debüt gegeben. Wie Vorgängerin Petra Gerster legt sie Wert auf das Gendersternchen.

Von Martin Weber
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Berlin. Sie ist die Neue bei „heute“: Jana Pareigis. Am Dienstag um Punkt 19 Uhr hat die 40-Jährige zum ersten Mal die wichtigste Nachrichtensendung des ZDF moderiert. Die Nachfolgerin der langjährigen „heute“-Moderatorin Petra Gerster wurde 1981 als Tochter eines Simbabwers und einer Deutschen in Hamburg geboren und wuchs bei Adoptiveltern auf. Jana Pareigis ist Mutter eines Sohnes und lebt in Berlin und Mainz. Wir haben Sie vor ihrem Nachrichtenstart zum Gespräch getroffen.

Frau Pareigis, Sie moderieren jetzt zum ersten Mal die Hauptausgabe der „heute“-Nachrichten. Schon aufgeregt?

Jana Pareigis: Nein, aufgeregt bin ich nicht, ich freue mich einfach sehr. Ich hab richtig Lust auf den neuen Job. Aufregung verschleiert einem nur das Gehirn, da kann man den Moment gar nicht mehr richtig genießen (lacht).

Was haben Sie sich für den neuen Job vorgenommen?

Ich möchte mich einfach jeden Tag mit den Themen auseinandersetzen, die als Nachrichten relevant sind. Das ist meine journalistische Aufgabe – ansonsten habe ich keine Agenda für den neuen Job.

Sie treten die Nachfolge von Petra Gerster an. Möchten Sie irgendwas anders machen als Ihre Vorgängerin?

Petra Gerster ist eine tolle Journalistin und hat sehr lange moderiert, was im deutschen Nachrichtengeschäft bisher eher ungewöhnlich war – gerade als Frau. Ich begreife es als Staffellauf, und sie hat den Stab jetzt an mich übergeben. Ich bin ein anderer Typ als sie, aber das sind meine „heute“-Kolleg*innen Christian Sievers und Barbara Hahlweg auch. Es geht nicht um Vergleiche, ich bin schlichtweg jetzt die neue Moderatorin und gehe das mit meiner Art an.

Petra Gerster hat gendergerechte Sprache benutzt. Wollen sie das auch?

Das möchte ich auch, weil ich es für wichtig halte, Nachrichten für alle Menschen zu machen. Ich spreche das Gendersternchen, weil das momentan die einzige Form ist, die wir haben, wenn wir alle Menschen ansprechen wollen. Ich glaube, dass das sehr wichtig ist – und Petra Gerster ist diesen Schritt ja auch ganz bewusst gegangen.

Ihre neuen Kollegen Hahlweg und Sievers verwenden es ja nicht…

Das finde ich auch legitim. Jeder muss das so machen, wie er oder sie es möchte. Das muss jeder und jede für sich entscheiden.

Gibt es vor Ihrer ersten Sendung noch einen Probedurchlauf oder werden Sie direkt ins kalte Wasser geschmissen?

Ich werde den Ablauf vor der Sendung auf jeden Fall noch einmal genau durchgehen – wo stehe ich wann und schaue in welche Kamera. Außerdem werde ich vorher die Kolleg*innen durch ihren Arbeitstag begleiten, damit ich weiß, wann welche Konferenz ist, wie die Planung abläuft und so weiter. Das „heute“-Studio im ZDF-Sendezentrum auf dem Lerchenberg habe ich mir schon angesehen, mich auf dem Weg dahin aber prompt verlaufen (lacht).

Sie haben wie etwa Pinar Atalay oder Linda Zervakis einen Migrationshintergrund. Sind Journalistinnen aus Einwandererfamilien auf dem Vormarsch bei den Fernsehnachrichten?

Was die Medienlandschaft insgesamt betrifft, sind Menschen aus Einwandererfamilien immer noch unterrepräsentiert. Bei Moderator*innen hat sich in den vergangenen Jahren tatsächlich ein bisschen was getan, aber insgesamt ist immer noch viel Luft nach oben. Ich finde es wichtig, dass sich der Anteil von Migrant*innen in der Gesamtbevölkerung auch im Fernsehen widerspiegelt. Ich bin 1981 geboren und kann mich nicht daran erinnern, dass es früher Moderator*innen aus Einwandererfamilien gegeben hätte. Das ist mittlerweile anders – und das finde ich wichtig.

Haben Sie selber schon Rassismus erlebt?

Seit ich denken kann, in verschiedenen Formen. Das ging schon als Kind los, dass einen Leute einfach so in die Haare gegriffen haben und man ständig gefragt wurde, wo man herkommt. Das hat mich immer irritiert, weil ich ja eine waschechte Hamburgerin bin und man das auch hört, glaube ich (lacht).

Auf was freuen Sie sich beim neuen Job denn am meisten?

Auf die Aufgabe, den Kern von Nachrichten in wenigen Sätzen so zusammenzufassen, dass es für die Zuschauer*innen verständlich ist und sie auch Lust haben, weiterzuschauen. Beim „ZDF-Morgenmagazin“ und dem „Mittagsmagazin“, wo ich bislang tätig war, sind die Anmoderationen ja viel länger. Bei „heute“ hat man im Schnitt 20, maximal 30 Sekunden, und das wird auf jeden Fall eine Herausforderung, auf die ich mich sehr freue. Mir macht das Schreiben von Moderationstexten wahnsinnig Spaß.

Und wie wollen Sie mit dem gestiegenen Bekanntheitsgrad umgehen, den Sie als „heute“-Moderatorin haben werden?

Das wird mehr werden, völlig klar. Aber das lasse ich einfach mal ganz entspannt auf mich zukommen.

Das Gendersternchen wurde auf Wunsch der Interviewten, Jana Pareigis, verwendet.