ARD-Sendung

"Hart aber fair": Wie Menschen unter dem Lockdown leiden

Eine Psychologin, eine Friseurin, ein Schriftsteller: „Hart aber fair“ zeigte exemplarisch, wie es Menschen im Corona-Lockdown geht.

Von Paul Ritter
Das ist "hart aber fair"

Das ist "hart aber fair"

Die polarisierende Politik-Sendung im Ersten mit Moderator Frank Plasberg gibt es nun seit stolzen 20 Jahren. Jeden Montag finden sich diverse Gäste in einer hitzigen Diskussionsrunde wieder.

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Berlin. „Hart aber fair“ versuchte am Montagabend in die deutsche Lockdown-Realität zu blicken. „Wie geht es Ihnen in der Krise?“, lautete das Thema des Talks. Homeoffice mit Kindern, Ärzte am Limit, Selbstständige am finanziellen Abgrund – alles sollte zur Sprache kommen.

"Hart aber fair"- Das waren die Gäste:

  • Hubertus Heil (SPD, Bundesminister für Arbeit und Soziales)
  • Jan Weiler (Schriftsteller und Kolumnist)
  • Kirstin Vietze (Inhaberin eines Friseursalons in Berlin)
  • Dr. Carola Holzner (Fachärztin für Anästhesie, Intensivmedizin und Notfallmedizin am Klinikum Essen; betreibt den Blog „Doc Caro - Medizin für Alle“)
  • Prof. Monika Sieverding (Gesundheitspsychologin; Leiterin der Arbeitseinheit Genderforschung und Gesundheitspsychologie des Instituts für Psychologie der Universität Heidelberg)

"Hart aber fair" zur Corona-Krise: Das sagt die Psychologin

Monika Sieverding versuchte sich an einer Einordnung der Gefühlslage. Viele seien enttäuscht, weil der Lockdown weitergehe, erklärte die Gesundheitspsychologin von der Uni Heidelberg. Auch gebe es den Eindruck, keine Kontrolle zu haben. „Diese Hilflosigkeit kann zu Wut führen, führte Sieverding aus.

Doch was tun? Sieverding empfahl, weniger negativ zu denken. Der Impfstart etwa sei vielleicht nicht ideal angelaufen – doch sei es doch ein Wunder, dass es überhaupt schon Impfstoffe gebe. „Wenn man immer hadert, ist das sicher nicht gut für die Psyche.“

Lockdown seit Wochen: Das sagt die Friseurin

Kirstin Vietze machte deutlich, warum es für manche in der Gesellschaft nicht einfach ist, positiv zu denken. Seit vier Monaten ist ihr Friseursalon geschlossen. „Ein Schuldenberg ist am wachsen“, berichtete Vietze, deren Unternehmen von ihrer Familie seit über 100 Jahren betrieben wird.

Von der Politik zeigte sich Vietze enttäuscht. Für Finanzhilfen komme sie nicht infrage, berichtete sie. Leider blieb unklar, warum das so ist. Klar aber ist: Die Auszahlung der neuen Hilfen ist schleppend angelaufen. Der Fall blieb somit exemplarisch für all jene, deren wirtschaftliche Existenz bedroht ist.

Corona-Pandemie: Das sagt die Medizinerin

Was die Pandemie für das Gesundheitswesen bedeutet, berichtete die Notfallmedizinerin Carola Holzner. Der Umgang mit Sterbenden sei für Ärzte Alltag. Im Fall von Covid aber habe man kein Heilmittel zur Hand. „Wir können immer nur reagieren“, sagte Holzner. Entscheidend sei daher, dass sich die Gesellschaft an die Maßnahmen halte.

Kultur in der Krise: Das sagt der Schriftsteller

„Fast die Hälfte meines Einkommens ist weg“, berichtete auch Jan Weiler. Der Schriftsteller hatte im September ein neues Buch fertig. Von 60 Terminen einer geplanten Lesereise fanden am Ende nur zwei statt.

Weiler zeigte Verständnis für Forderungen, alles einmal komplett runterzufahren, um danach wieder öffnen zu können. Es könne aber nicht sein, dass man etwa fliegen dürfe, der Operbesuch aber verboten sei.

Lockdown und Krise: Das sagt der Minister

Das brachte Hubertus Heil auf den Plan. Einfach betrachtet könnte man sagen: Am Ende ist die Politik an den bedrohten Existenzen schuld, schließlich hat sie die Maßnahmen erlassen. Doch so einfach ist es natürlich nicht. Man müsse die Gesundheit schützen – und die davon Betroffenen unterstützen, machte der SPD-Arbeitsminister das Spannungsfeld deutlich, in dem sich Politik bewegt.

Gut war, das Heil diesen theoretischen Punkt anhand der Forderung, alles herunterzufahren, deutlich machte. „Wenn Sie auch die Kitas schließen, bricht morgen das Gesundheitswesen zusammen“, warnte er. Und schob nach, dass die Dinge nie so einfach seien, wie sie auf den ersten Blick erscheinen.

Das Fazit

Man könnte monieren, dass diese Ausgabe von „Hart aber fair“ darstellte, was gemeinhin bekannt ist: Die Maßnahmen treffen nicht wenige Menschen essentiell.

Doch auch wenn die Schilderungen nicht überraschten, war es doch wichtig, ihnen Raum zu geben. Die besagte Abwägung von Gesundheitsschutz und den daraus resultierenden Kosten wird uns noch lange beschäftigen. Lesen Sie hier: Schulen und Kitas: Was gilt in welchem Bundesland?

Zur Ausgabe von „Hart aber fair“ in der ARD-Mediathek

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