Talkshow

Markus Lanz: Messner-Bruder muss mit Tränen kämpfen

Kurz vor Weihnachten bestimmten ernsthafte Themen den Talk von „Markus Lanz“. Die Brüder Messner sprachen über die Corona-Pandemie.

Von Karina Krawczyk
Skandale und Gäste-Rankings: Diese fünf Dinge muss man über Polit-Talkshows wissen

Skandale und Gäste-Rankings- Diese fünf Dinge muss man über Polit-Talkshows wissen

Ob "Anne Will", "Hart aber Fair", “Maybrit Illner“ oder “Maischberger“: Polit-Talkshows prägen unsere politischen Debatten. Fünf Dinge, die man über dieseTalkshows wissen muss.

Beschreibung anzeigen
Berlin. 
  • Bei Markus Lanz ging es wieder einmal um die Corona-Pandemie
  • Die Sendung vom Dienstagabend gehörte eher zu den schwer verdaulichen
  • In der Sendung schilderte ein Arzt, wie schwer es ist, Entscheidungen über Leben und Tod zu treffen

„Sterben ist immer noch das Leben“: Für den Intensiv-Mediziner Hubert Messner ist es sogar eine sehr intensive, wichtige Phase des Lebens, die einer verantwortungsvollen Begleitung bedarf. Doch Corona habe auf dramatische Weise gezeigt, dass „wir als Gesellschaft verlernt haben, mit dem Sterben umzugehen“, stellte der Bruder von Reinhold Messner bei „Markus Lanz“ bedauernd fest.

Viele Covid-Patienten sterben nicht zu Hause, Ärzte und Krankenpfleger würden während ihrer Ausbildung aber nicht darauf vorbereitet: „Auf einer Intensivstation darf man auch sterben“, erinnerte er ernst an die Möglichkeit, eine schwere Erkrankung nicht zu überleben – und meinte damit nicht nur Covid-19.

„Markus Lanz“ – Das waren die Gäste

  • Reinhold Messner, Bergsteiger: Er spricht über die Folgen von Corona für die Demokratie und den Alpen-Tourismus.
  • Hubert Messner, Kinderarzt: „Man lernt, dass das Sterben kein Versagen ist“, berichtet er über seine Tätigkeit auf der Neugeborenen-Intensivstation.
  • Margot Käßmann, Theologin: „Dies ist ein seelischer Ausnahmezustand“, sagt die Pfarrerin im Ruhestand über die Corona-Krise.
  • Christopher Clark, Historiker: Der in Cambridge lebende Autor setzt die aktuelle Pandemie in Relation zu Krisen vergangener Jahrhunderte.

„Lanz“ – Kinderarzt Hubert Messner ist den Tränen nahe

Von Markus Lanz nach seinem Alltag befragt, berichtete der Arzt, der seit vielen Jahren auf der Intensivstation für Neugeborene in Bozen arbeitet, wie ethisch schwierig für ihn immer wieder Entscheidungen sein: Ob ein Frühchen, das in der 22. Schwangerschaftswoche geboren wurde, weiterleben sollte, obwohl es nicht selbstständig atmen könnte, dessen Gehirn unvollständig entwickelt ist. Da ginge es nicht alleine um die Lebenschance, es ginge auch um Lebensqualität. Lesen Sie auch:Markus Lanz – So war die letzte Ausgabe im Jahr 2020

„Es ist die Verantwortung des Arztes, nicht nur für das Leben zu kämpfen, sondern auch für das Nichtleben“, sagte er und offenbarte den Tränen nahe, wie schwer eine solche Gewissensentscheidung auf der Seele lasten konnte.

Reinhold Messner bei „Lanz“: Selbstbestimmtes Leben ist ihm heilig

Schwierig war auch der Rest des Talkabends. Etwas kreuz und quer, aber so ernst wie selten, streifte die „Lanz“-Sendung am Dienstag die großen Moralfragen des Corona-Jahres: Es ging um die Würde des Menschen zum Beispiel, die nicht nur eine Frage nach Leben und Tod sei. Um eine „gemeinsame Verantwortung“ und, ob eine Triage bei über 80-Jährigen, wie Schweden sie stillschweigend anwende, ethisch zulässig sei.

Reinhold Messner erzählte von zwei, ihm persönlich bekannten Bergsteigern, die beim gemeinsamen Abstieg eine ähnlich drastische Wahl treffen sollten: Weil der eine sich ein Bein brach und der andere ihn am Seil nicht mehr halten konnte, ohne sein eigenes Leben zu gefährden, schnitt er das Seil durch.

„Das war keine rationale Entscheidung“, verteidigte der erfahrene Alpinist das Vorgehen seiner Kollegen, „in einer solchen Situation gibt es kein Recht oder Unrecht, nur das Überleben“. Glücklicherweise gab es in diesem Fall aber auch ein Wunder: Obwohl der verletzte Bergsteiger in eine Gletscherspalte gestürzt war, konnte er selbstständig wieder herauskraxeln und sich in die Basis retten.

Lesen Sie dazu:Bergsteiger-Ikone Reinhold Messer ist noch immer voller Ideen

Für den Abenteurer Reinhold Messner selbst war das Corona-Jahr sehr ruhig verlaufen. Obwohl ihm das „selbstbestimmte Leben sonst heilig“ sei, habe er sich schon mal als „Pensionist“ geübt. Selbstverständlich habe er sich an alle Regeln gehalten, sobald er sein Haus auf dem Berg in 1000 Meter Höhe verließ, obwohl er dort höchstens ein bis zwei Mal die Woche jemand traf: „In der Natur gilt die einfache Regel: Je mehr Freiheit ich will, desto mehr Verantwortung muss ich übernehmen.“

Pandemie: Historiker wagt Vergleich mit Cholera und Gelbfieber

Als Historiker kam Christopher Clark nicht umhin, Vergleiche zu früheren Pandemien zu ziehen: „Covid-19 wirkt auf die Menschen nicht so furchteinflößend wie Cholera oder Gelbfieber“, analysierte er, aber in ihrem Ausmaß sei diese Pandemie einzigartig: „Die gesamte Weltwirtschaft wurde eingefroren“, staunte er, wohl auch weil man sich das leisten konnte.

Auch interessant:Corona-Pandemie – Dauert der Lockdown bis Ostern?

Ebenso erstaunlich fand er, dass heute auf dieselben Maßnahmen zurückgriffen werde: „Quarantäne, Schließung der öffentlichen Plätze – das alles hat es schon im 16. Jahrhundert in Florenz gegeben“, erklärte er. Und erzählte dann, wie die Inspektoren damals eine wilde Pest-Party beendeten: „Sie holte die Leiche einer jungen Frau vom Friedhof, warfen sie auf die Tanzfläche und behaupteten, sie wollte auch tanzen.“

Corona: „Eine Krise ist immer auch ein Charakter-Test“

„Eine Krise ist immer auch ein Charakter-Test“, befand Margot Käßmann und lobte die große Hilfsbereitschaft und Solidarität der meisten Menschen. Mit Blick auf das Weihnachtsfest empfahl die Pfarrerin im Ruhestand, vorher genau zu überlegen, wie man feiert.

Lesen Sie auch:Corona-Impfstoff zu Weihnachten – Darum dauert es so lange

Nach diesem ganzen Jahr, das „für viele Familien sehr belastend gewesen ist“ und dem „Kontakt-Fasten“ der letzten Wochen, sei die Erwartung bei vielen Menschen hoch, dass das Fest besonders harmonisch verlaufen sollte. Aber: „Es wir krachen und zehn Tage später werden die Zahlen hochgehen“, befürchtete sie. Dann schlug sie vor: „Man kann auch anders Weihnachten feiern: Kerze anzünden, im Evangelium lesen und ,Stille Nacht‘ singen“.

„Markus Lanz“ – So waren die letzten Folgen: