ARD-Talk

Maischberger: Palmer spricht von „geopferten Kindern“

Anti-Corona-Demos, Präsidentschaftswahl und die Sorge um eine zweite Welle der Pandemie: Maischberger ist aus der Sommerpause zurück.

Diskussion um Corona-Großdemo in Berlin hält an - Forderung nach Strafen

Nach der Corona-Großdemonstration in Berlin mit Verstößen gegen die Hygiene-Auflagen wird weiter über die Konsequenzen diskutiert. Dabei wurden nach Forderungen nach Geldstrafen gegen Regelbrecher laut. Erneute Corona-Großdemos wurden in Frage gestellt.

Beschreibung anzeigen

Berlin. Mehr Corona-Infizierte, US-Präsidentschafts-Wahlkampf in der Pandemie und die Suche nach Kanzlerkandidaten in Deutschland – die Temperaturen steigen, die Sommerpause der Polit-Talkshows geht langsam zu Ende: Mittwochabend hatte Sandra Maischberger zum ersten Mal wieder Gäste eingeladen.

Und widmete sich unzweifelhaft brennenden Fragen: Gibt es eine zweite Welle der Corona-Pandemie? Und wenn ja: Wie geht man damit um? Außerdem: Kann Demokrat Joe Biden gegen Donald Trump gewinnen?

Corona-Pandemie bei „Maischberger“: Palmer hält Lauterbach für „demoralisierend“

Zwei Politiker, die sonst wohl kaum zusammenkämen und die eine Garantie für ein Wortgefecht sind, hatte die „Maischberger“-Redaktion eingeladen: SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach und Grünen-Politiker Boris Palmer.

„Apodiktisch und apokalyptisch“ sei Lauterbachs Einschätzung, dass sich Deutschland bereits in einer zweiten Welle der Corona-Pandemie befinde, polterte Tübingens Oberbürgermeister Palmer gleich zu Beginn der Diskussion – Lauterbachs Auftritte seien demoralisierend.

Epidemiologe Lauterbach forderte Argumente für diese Einschätzung. Er wolle nicht nach der „Methode Lauterbach“ leben, erklärte Palmer – und fragte, wo die vom Mediziner für Mai prognostizierte zweite Welle sei.

Das habe er so nicht prognostiziert, antwortete Lauterbach – und ergänzte, dass nun allerdings alle Eigenschaften einer zweiten Welle erfüllt seinen.

Lauterbach: „Frivol, über Bundesligaspiele mit 25.000 Besuchern zu diskutieren.“

Lauterbach ist keiner, der die Stimme erhebt, um seinen Überzeugungen Nachdruck zu verleihen. Vielmehr stöhnte er bei Maischberger genervt über die Aussagen Palmers – und ließ sich auch von Maischberger in seinen Ausführungen nicht unterbrechen.

„Wir müssen uns wahrscheinlich mit Festen und Restaurantbesuchen etwas einschränken, um den Kindern Platz zu machen“, meinte Lauterbach zum Thema Pandemie-Eindämmung. Es sei „frivol“, dass man darüber diskutiere, Bundesligaspiele mit 25.000 Zuschauern zuzulassen, während der R-Wert über 1 liege.

Palmer bei Maischberger: Kinder werden in der Pandemie „geopfert“

„Wir opfern die Kinder“ will sich Palmer anschließen. Wie schon im Juli bei Maybrit Illner glänzt er nicht unbedingt mit sprachlichem Geschick und holt sich gleich eine Korrektur ganz in Lehrer-Manier von Lauterbach ab.

Das könne man so nicht sagen, betonte der Arzt. Genau wie man älteren Menschen, die nur noch ein halbes Jahr zu leben hätten, nicht ihr Recht auf Leben absprechen könne – so wurde Palmer im Juli zitiert. Lesen Sie hier: Boris Palmer: Grüne legen Tübinger OB Parteiaustritt nahe

Lauterbach straft Palmer bei Maischberger mit Schweigen

„Es kann nicht versucht werden, die älteren Menschen von der Gesellschaft auszuschließen“, argumentierte Lauterbach gegen die Isolation der statistisch stärker gefährdeten älteren Generation. Schon deshalb nicht, weil, weil das Virus uns mindestens noch rund eineinhalb Jahre begleiten werde.

„Dann werden wir noch eineinhalb Jahre kostenlose Taxen für die älteren Damen und Herren anbieten“, kontert der Tübinger Oberbürgermeister von Tübingen. Das Argument versandete: Lauterbach ignorierte Palmer einfach.

Schüler müssen nach den Sommerferien wieder in die Schule dürfen

Einigkeit zeigen die beiden Politiker beim Thema Schule und Urlaub: „Diejenigen, die zu Hause geblieben sind, haben uns alle einen Gefallen getan“, meint Palmer. Statt Maskenpflicht für die Oberstufenschüler wie in NRW hielte er es für angemessen, wenn in diesen Stufen die Schüleranzahl limitiert werde, ein Teil des Unterrichts online stattfinde und Pausen reguliert würden.

Eine entsprechende Vorbereitung der Schulen sei jedoch nicht passiert, meint Lauterbach. Dennoch steht für ihn fest: Schüler müssen nach den Sommerferien wieder in die Schule dürfen.

Corona und Schule – Mehr zum Thema

US-Wahl 2020: Warum ein Experte Biden keine Chance gegen Trump einräumt

Weil Sandra Maischberger sich in ihrer Talkshow nicht mehr nur einem Thema widmet, ging es in „Maischberger. Die Woche“ auch um ein außenpolitisches Thema, das die Welt bewegt: die Präsidentschaftswahl in den USA im November. Politikwissenschaftler und USA-Experte Christian Hacke teilte seine Einschätzung zu Amtsinhaber Donald Trump und der deutschen Politik.

Obwohl „sogar eine Vogelscheuche“ gegen den amtierenden Präsidenten gewinnen müsste, halte er die Kandidatur von Joe Biden für wenig erfolgversprechend, erklärte Hacke: Zu alt sei der Kandidat, dazu könnte eine links-demokratische schwarze Vize-Kandidatin Stimmen kosten. Lesen Sie hier: Joe Biden – mit einer dieser Frauen will er siegen

„Amerikaner sehen aus wie du und ich, aber sie ticken anders“, erklärte Hacke der Moderatorin. Dieser „lächelnde Rassismus“ gehöre eben zum „American Way Of Life“. In Deutschland sähen die Republikaner vor allen Dingen eine „Zivilmacht ohne Zivilcourage“.

Corona-Pandemie – Mehr zum Thema