Schauspieler

Babylon Berlin - Was Volker Bruch über Staffel 3 verrät

An diesem Freitag startet die dritte Staffel von „Babylon Berlin“. Ein Spaziergang mit Darsteller Volker Bruch entlang der Drehorte.

Volker Bruch ist ab diesem Freitag wieder als Gereon Rath in „Babylon Berlin“ zu sehen.

Volker Bruch ist ab diesem Freitag wieder als Gereon Rath in „Babylon Berlin“ zu sehen.

Foto: Reto Klar / FUNKE Foto Services

Berlin. Nanu, wo bleibt er denn? Unser Spaziergang mit Volker Bruch beginnt mit einem Missverständnis. Man hat uns eine falsche Hausnummer genannt. Wir warten um die Ecke vom Brandenburger Tor in Berlin, an der Mauerstraße Nummer 26. Aber der Schauspieler kommt nicht. Bis wir einen Block weiter, vor Hausnummer 29, einen Mann in dickem Parka eingemummt stehen sehen.

Und wirklich, er ist es. Irgendwie steht er da auch wie ein Kommissar auf Beobachterposten. Ist aber auch eine billige Assoziation. Spielt Volker Bruch in der Serie „Babylon Berlin“ doch den Kommissar Gereon Rath, der im Berlin der späten 20er-Jahre ermittelt.

„Babylon Berlin“: Staffel 3 startet auf Sky

Eine Serie der Superlative. Die teuerste Produktion, die bislang in Deutschland gedreht wurde. Wofür, auch das gab es noch nie, die öffentlich-rechtliche ARD einen Deal mit dem Pay-TV-Sender Sky einging. Und ihm sogar die Erstausstrahlungsrechte überließ. Staffel drei läuft ab diesem Freitag auf Sky. Und deshalb wollen wir mit Volker Bruch entlang der Drehorte spazieren gehen.

Die Mauerstraße war für mehr als ein halbes Jahr sein Arbeitsplatz, wie der 39-Jährige grinsend meint. Das Herz der Produktion war ein Gebäude, in dem früher das Innenministerium der DDR untergebracht war. Hier wurden die Settings für Innenräume eingerichtet, etwa die Büros vom Polizeipräsidium, hier befanden sich die Masken- und Garderobenräume und Etagen voller teurer 20er-Jahre-Kostüme und Schupo-Uniformen.

Nun steht der 39-Jährige vor dem Gebäude und ist fassungslos. Weil die halbe Mauerstraße eingerüstet ist und die Französische Straße dazwischen wegen der Bauarbeiten gesperrt ist. Die Häuserzeilen werden komplett saniert. Und standen, eine Katastrophe, für die dritte Staffel nicht mehr zur Verfügung.

Deshalb laufen wir nun die Glinkastraße entlang einen guten Kilometer weiter bis zum Robert-Koch-Forum in der Dorotheenstraße 96. Der neue Arbeitsplatz, das Herz von Staffel drei. Aber, welch Ironie, auch dieses neue Zentrum ist schon wieder Geschichte. Das Koch-Forum wird bereits anderweitig genutzt. Wenn voraussichtlich 2021 die vierte Staffel gedreht wird, muss man wieder neu auf Suche gehen.

Für Liv Lisa Fries war „Babylon Berlin“ der Durchbruch

Eine große Frage ist natürlich, wie es mit ihm und der grandios von Liv Lisa Fries verkörperten Kriminalassistentin Charlotte Ritter weitergeht. Vieles wird in der Serie nämlich ganz anders erzählt als in den Büchern. Dort sind sie von Anfang an ein Paar, in der Serie nicht.

„In der neuen Staffel, da verrate ich sicher nicht zu viel, gibt es sehr schöne Momente zwischen ihnen, wo es auch richtig knistert“, so viel lässt Volker Bruch schon mal durchsickern. „Eine konventionelle Beziehung werden sie allerdings nicht führen. Es bleibt auf jeden Fall spannend zwischen den beiden.“

Für Liv Lisa Fries war die Serie der Durchbruch. Volker Bruch kannte man da längst, aber auch für ihn war die Serie eine Zäsur. Und sowas wie die letzte Krönung. Bruch wurde 1980 in München geboren, als Sohn eines Deutschen und einer Österreicherin. Früh wollte er zum Film, wurde am Max-Reinhardt-Seminar in Wien ausgebildet. Erste Rollen spielte er ab 2003.

Fünf Jahre später war er gleich in drei großen Filmen zu sehen: „Der rote Baron“ neben Matthias Schweighöfer und Til Schweiger, „Der Baader Meinhof Komplex“, bei dem das halbe deutsche Kino mitspielte, und die internationale Produktion „Der Vorleser“ mit Kate Winslet.

2010 lernte Bruch bei den Dreharbeiten zu „Goethe!“ seine Lebensgefährtin Miriam Stein (31) kennen. Mit ihr zusammen spielte er 2013 auch in dem Fernseh-Dreiteiler, der sein endgültiger Durchbruch wurde: „Unsere Mütter, unsere Väter“. Den Gereon Rath in der Ausnahmeserie „Babylon Berlin“ spielen zu dürfen, war sozusagen der letzte Adelsschlag.

Wir haben jetzt über die Luisenstraße die Spree überquert und laufen am Schiffbauerdamm entlang. Unter der S-Bahn-Brücke bleibt er stehen, vor der unscheinbaren Metalltür, hinter der sich die Bar 1000 verbirgt. Hier wurden für die Serie die lasterhaften Tanz- und Kneipenszenen gedreht. Hier fanden auch die Feten nach dem Ende der Dreharbeiten statt. Volker Bruch schildert gerade, wie die ganze Crew nach dem monatelangen Drehstress kollektiv abstürzte, als ein junger Mann neugierig an uns vorbeiläuft und auf Englisch fragt, was wir hier wollen.

Volker Bruch setzt auf Provinzromantik statt Großstadthektik

Wie sich herausstellt, arbeitet er in der Bar. Und als Bruch in makellosem Englisch erklärt, dass er hier „Babylon Berlin“ gedreht habe, ist das wie ein Sesam-öffne-dich. Wir dürfen eintreten – auch wenn es gerade erst Mittag ist. Und „noch ein bisschen früh für den ersten Gin Tonic“, wie der Barkeeper lachend meint. Solche Geschichten erlebt Volker Bruch jetzt häufiger. Plötzlich hat er ganz viele Bezüge zu dieser Stadt, auch zu Ecken, an denen er nie zuvor gewesen ist.

Seit jüngstem wohnt er aber nicht mehr in der Hauptstadt. Im Mai ist er mit Miriam Stein aufs Land, ins Brandenburgische, gezogen. Provinzromantik statt Großstadthektik. Und Bruch hat sich sogar bewusst verkleinert: Das Paar lebt jetzt in einem Tiny House, einem Minihaus. „Auf dem Land ist viel Platz, überall. Deshalb haben wir gedacht, dass man sich da vielleicht ein bisschen reduzieren kann.“

Die "Babylon Berlin"-Stars über die neue 3. Staffel
Die Babylon Berlin -Stars über die neue 3. Staffel

Bruch hat aber auch noch einen Schlüssel in Berlin: für die Wohnung eines Freundes, wenn es mal später wird. „Berlin liegt also vor der Haustür und ist mir dadurch seltsamerweise wieder näher gerückt.“ Weil er die Stadt jetzt wieder wie ein Gast und ganz bewusst erlebt. Die Luft auf dem Land sei aber trotzdem besser.

Wie wir nun zum Berliner Ensemble laufen – in dem Schlüsselszenen für die zweite Staffel gedreht wurden und die „Babylon Berlin“-Premiere gefeiert wurde – müssen wir noch eine Schicksalsfrage stellen: Wie lange will Volker Bruch den Kommissar Rath denn spielen? „Open End!“, platzt es aus ihm heraus. „Also, ich bin bereit.“

Volker Bruch: „Ich muss nicht mehr alles drehen“

Dabei wollte er einen Fernseh-Kommissar eigentlich nie spielen. Das wäre für ihn „wie eine schauspielerische Verbeamtung“. Außerdem seien die Gastrollen da immer spannender als die Ermittler. Bei „Babylon Berlin“ sei das anders. Da wird schließlich ein ganzes Zeitalter erzählt.

Das Schöne sei, „dass ich jetzt freier auswählen kann. Ich muss nicht mehr alles drehen, weil die Miete gezahlt werden muss.“ Das mit der Miete hat sich mittlerweile durch das Tiny House erledigt. Das Problem ist jetzt eher ein anderes: „Neue Projekte müssen sich mit ,Babylon Berlin’ messen. Und da gibt es einfach nicht viel.“

Die letzte Klappe für die dritte Staffel fiel bereits im Mai 2019. Seitdem hat Bruch nicht mehr gearbeitet. Aber das, sagt er, sei einer der größten Vorteile: „Man kann sich Auszeiten nehmen und in Ruhe abwarten.“