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Disney+ startet früher: Das ist der Netflix-Konkurrent

Mit voller Kraft attackiert Disney Streaming-Platzhirsch Netflix. Kampfpreis und große Namen sollen Disney+ Marktanteile bringen.

Disney+ startet am 24. März. Filmfans mit Hang zu Disney, Star Wars und Marvel kommen zu Beginn besonders auf ihre Kosten.

Disney+ startet am 24. März. Filmfans mit Hang zu Disney, Star Wars und Marvel kommen zu Beginn besonders auf ihre Kosten.

Foto: imago / Hollandse Hoogte

Berlin. Der Streaming-Markt ist seit dem Erfolg von Netflix zunehmend härter umkämpft. Neben Angeboten von Amazon und Sky gibt es immer neue Konkurrenz auf dem Markt. Gerade startete Apple ein Angebot. Und demnächst startet DisneyPlus, selbst als Disney+ tituliert.

Der Megakonzern aus den USA hat seinen Service unter anderem im Heimatland und in den Niederlanden bereits gestartet. Aber Disney wäre nicht Disney, wenn man sich nur mit einem kleinen Stück vom Kuchen begnügen würde. Die Welt ist gerade so genug, die Expansion beschlossene Sache.

Auch ein Termin für Deutschland stand entsprechend bereits fest, der 31. März sollte es sein. Nun teilte der Konzern mit, dass es bereits eine Woche früher losgehen wird.

Wir beantworten alle Fragen zu Disney+.

Wann startet Disney+ in Deutschland?

Disney+ soll in Deutschland am 24. März den Betrieb aufnehmen und möglichst direkt zum Start auf Internet-tauglichen Fernsehgeräten, Smartphones und Tablets per App sowie Spielkonsolen laufen – auch hier sicher über ein herunterladbares Zusatzprogramm.

Am gleichen Tag sollen auch Österreich, die Schweiz, Frankreich, Großbritannien, Spanien und Irland online gehen.

Was kostet Disney+?

Disney ist sich der Situation am Markt offensichtlich bewusst: Das Geld der Zuschauer ist endlich, wer schon ein, zwei Dienste abonniert hat, braucht für weitere Abos gute Argumente. Neben Inhalt setzt Disney deshalb auf den Preis – der durchaus als Kampfansage verstanden werden darf.

Mit 6,99 Euro im Monat oder 69,99 Euro für ein ganzes Jahr (weniger als 5,85 Euro im Monat) ist das Angebot unterhalb der Konkurrenz angesiedelt. Netflix kostet im günstigsten Tarif mit 7,99 Euro im Monat zwar nur einen Euro mehr – dafür ist das Angebot auch nur mit einem Gerät nutzbar und ist nur in SD (Standard Definition) zu sehen. Bei Disney gibt es zum Standard-Preis ausgewählte Filme sogar in der höchsten Auflösung 4K.

Gerade die Möglichkeit, Abo-Kosten zu teilen, ist für viele Streaming-Fans ein Kaufargument – lesen Sie hier, wie es funktioniert.

Auf wie vielen Geräten kann ich Disney+ nutzen – und auf wie vielen gleichzeitig?

Wer Disney+ bucht, kann auf vier verschiedenen Geräten vier verschiedene Dinge gucken – gleichzeitig. Heißt: Mama schaut „Star Wars“, Papa „Cinderella“, die Oma „Simpsons“ und der Nachbar „Avengers“. Wenn dann aber auch noch der Kollege aus der Firma als fünftes gleichzeitig mit dem einen Abo sehen will, bekommt er eine Fehlermeldung. Er müsste warten, bis ein anderer aufhört zu gucken.

Innerhalb eines Accounts können bis zu sieben Profile angemeldet werden.

Kann ich Disney+ unterwegs nutzen?

Mit einer entsprechenden Datenflatrate ist das natürlich möglich. Wer sein Datenvolumen schonen will, sollte in der Lage sein, sich die Inhalte auch herunterzuladen und so auch die Lieblingsserie weiterschauen können, wenn er gar nicht am Netz ist. Downloads sind auf bis zu zehn Geräten möglich.

Was sind exklusive Inhalte bei Disney+?

Disney hat ein riesiges Archiv aus den „Meisterwerken“, das sind die großen Zeichentrick- Animationsfilme des Studios wie etwa „Bambi“, „Dumbo“ und vielen vielen mehr. Dazu hat der Konzern mit den Jahren ein gutes Potpourri an Marken erworben. „Star Wars“ gehört Disney, Pixar („Findet Nemo“, „Cars“) auch, der Superheldenkosmos von Marvel ebenfalls. Vor wenigen Monaten war dann noch ein Deal perfekt: Disney übernahm Fox – von den „Simpsons“ bis zu vielen, vielen Filmklassikern gehört nun noch mehr zum Portfolio.

Weil das nun aber am Ende doch irgendwie alles olle Kamellen sind, lässt der Sender auch viel neuen und exklusiven Inhalt produzieren.

  • Ein früher Höhepunkt ist die „Star-Wars“-Serie „The Mandalorian“, die von der Kritik gefeiert wird. Auch in Sachen Mem-Kultur hat Disney damit einen ersten Erfolg gelandet – ein Baby-Yoda, gemeinhin nur „Das Kind“ genannt, ist bereits Kult
  • Auch ganz exklusiv wird eine neue „Star-Wars“-Serie mit Ewan McGregor, der wieder Obi-Wan Kenobi mimt
  • neue „star wars“-serie- ewan mcgregor spielt obi-wan kenobiEs wird auch Spielfilme geben, die nur auf Disney+ laufen. Den Auftakt machte eine Realverfilmung des Klassikers „Susi und Strolch
  • Jahrelang war es das Teenie-Phänomen schlechthin, nun soll „High School Musical“ wiederbelebt werden – mit einer Serie zum Musical
  • Jeff Goldblum ist durchaus einer der beliebteren Schauspieler – „National Geographic“ (Teil des Disney+-Angebots) hat eine Doku-Serie über ihn produziert
  • Der Konzern schaut aber auch nach innen. Die Serie „Ein Tag bei Disney“ zeigt genau das – aus ganz unterschiedlichen Perspektiven ganz unterschiedlicher Mitarbeiter
  • Auch im „Marvel“-Universum ist noch Platz für ein paar neue Serien und Filme

Bis Disney zur übereifrigen Konkurrenz in Sachen eigenem, exklusiven Content aufschließen wird, dürfte es aber noch dauern. 25 Serien, 10 Filme und dazu Specials sollen pro Jahr entstehen.

Disney+: Was kann ich dort alles sehen?

Wer es ganz genau wissen will, kann sich ein YouTube-Video anschauen, in dem Ausschnitte aus allen Serien und Filmen zu sehen sind, die Disney (zumindest in den USA) zum Start bereitstellen wird. Das dauert aber etwas: Der Zusammenschnitt dauert drei Stunden. Die meisten gezeigten Titel dürften es auch nach Deutschland schaffen.

YT Disney+ Angebot

Filme:

Von „Aladdin“ bis „Arielle“, von „Cars“ bis zur „Eiskönigin“, von „Findet Nemo“ bis „Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft“, von „Ratatouille“ bis zur gesamten „Star-Wars“-Welt, von „Wall-E“ bis „Zootopia“. Disney hat das eigene Archiv sehr weit geöffnet.

Serien:

Die „Simpsons“, „Clone Wars“, „Duck Tales“, „Die Zauberer von Waverly Place“ – was Disney in Serie brachte (oder aufkaufte), soll bei Disney+ laufen. Oft sind Serien und Filme noch an andere Dienste lizenziert – es wird noch eine Weile dauern, bis alle Disney-Inhalte exklusiv bei Disney+ laufen.

Dann könnte es auch sein, dass Shows wie „Lost“ und „Desperate Houswives“ dort ankommen. Sie wurden von ABC produziert – auch der Sender ist Teil des Disney-Imperiums. Bestätigt ist dies aber noch nicht.

Für Konkurrent Netflix ist das alles ein Umbruch – auch dort liefen Disney-Filme mit Erfolg. Das ist früher oder später vorbei.

Dokumentationen:

Disney+ bietet Inhalte von „National Geographic

Ist Disney+ besser als Netflix?

Für Disney-Ultras und Zeichentrick-Fans wohl ja. Im Großen und Ganzen ist es ein neuer Service, dessen Bibliothek bei weitem nicht mit Netflix und Prime mithalten kann. Da gleichzuziehen ist ein Langzeitplan – den Disney aber mit voller Kraft verfolgen wird.

Gibt es Werbung bei Disney+?

Nein.

Wer braucht Disney+?

Gute Frage. Wer Disney liebt – oder eine der Marken, die Disney aufgekauft hat – sollte auf jeden Fall eine Menge Stoff finden. Und das sind – die Rekordeinnahmen an den Kinokassen in diesem und letztem Jahr mit Filmen wie Toy Story, Frozen, Star Wars und Marvel in den Kinos weltweit belegen dies – einige.

Eltern sind definitiv eine große Zielgruppe – ein paar BluRays kosten kaum mehr als das Jahresabo – und wer selbst mit den Disney-Klassikern groß geworden ist, wird sie sicher auch seinen Kindern zeigen wollen.

Verlockend ist der Service definitiv für Simpsons-Fans: Zumindest in Deutschland gibt es bisher keine Möglichkeit, sämtliche Folgen unkompliziert und am Stück zu sehen, ohne Geld in die Hand zu nehmen. Bei 30 Staffeln „Simpsons“ zahlen Fans bei Bezahlangeboten wie YouTube und iTunes, wo man mehrere Staffeln kaufen kann, schnell ein vielfaches dessen, was sie ein paar Jahre Disney+ kosten.

Neben dem Nostalgiefaktor dürfte Disney aber auch vermehrt auf die Produktion eigener Inhalte für ältere Zielgruppen setzen – auch, wenn es keine Inhalte mit einer Altersfreigabe über 12 Jahren geben soll.

Wer schaut, wie viele Marvel-Exklusivinhalte geplant sind, kann sich ausrechnen, dass Disney den enormen Erfolg der Kinofilme zeitnah auf Disney+ ummünzen will. Und, das steht auch außer Frage: Das Marketing-Budget ist vorhanden, um viele Menschen glauben zu lassen, dass sie Disney+ brauchen.

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Ob Disney in seinen Eigenproduktion ähnlich progressiv wie Netflix sein wird, ist fraglich. Zuletzt hatte Netflix Ärger mit einer Sendung, in der ein schwuler Jesus gezeigt wurde. Stiftung Warentest hatte vor wenigen Wochen Streaming-Dienste auf den Prüfstand gestellt – mit enttäuschenden Ergebnissen. Die Nutzer von Netflix müssen aufpassen – Betrüger versuchen, sie mit gefälschten Mails zu täuschen. (ses)