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„Hustlers“: Akrobatik an der Strange mit Jennifer Lopez

Eine Mischung aus Buddykomödie und Sozialdrama: Lorene Scafarias Film „Hustlers“ verhebt sich an zu vielen Ansprüchen.

Vollbad im Geld der Männer: Jennifer Lopez als Ramona Vega. foto: dpa

Vollbad im Geld der Männer: Jennifer Lopez als Ramona Vega. foto: dpa

Die Methode ist ebenso simpel wie wirkungsvoll: Eine Frau trifft einen Mann in einer Bar und macht ihm schöne Augen. Nach den ersten zwei oder drei Drinks erzählt sie ihm, es seien zufällig noch einige Freundinnen von ihr in der Gegend, ob die wohl auch dazu kommen können?

Und schon ist der bereits angetrunkene Mann von vier schönen Frauen umstellt, die ihn allesamt glauben lassen, in dieser Nacht sei wirklich alles möglich. Er bekommt gar nicht mit, wie ihm eine von ihnen etwas in seinen Drink schüttet. Der Abend endet in einem Stripclub, die Kreditkarte des Mannes wird leergeräumt, man setzt ihn in ein Taxi und schickt ihn nach Hause. Der Nächste, bitte.

Mehr zum Thema: Jennifer Lopez: „Strippen ist ganz schön hart“

Das alles ist wirklich passiert, die Journalistin Jessica Pressler hat die Geschichte für das „New York Magazine“ 2015 recherchiert und aufgeschrieben. Aus ihrem Text hat die Regisseurin Lorene Scafaria einen Film gemacht, der im vergangenen Sommer zum Überraschungshit in den US-amerikanischen Kinos wurde und bei nur 20 Millionen Dollar Produktionskosten bislang fast 150 Millionen Dollar eingespielt hat.

Strippen gegen die Bankenkrise

Und das liegt an einer Frau, die zum Produzententeam dieses Films gehört und eine der tragenden Rollen übernommen hat. Die inzwischen 50-jährige Jennifer Lopez hat – nach guten Anfängen mit „Selena“ (1997) und „Out of Sight“ (1998) – schon seit einiger Zeit nicht mehr in Filmen mitgespielt, die länger als einen Abend im Gedächtnis bleiben würden. Nebenbei mehrte sie ihr Vermögen mit Merchandising, Fernsehauftritten und einer Las-Vegas-Show.

Hier ist sie nun als Stripperin und Gang-Leaderin Ramona Vega zu sehen – und wer glaubte, so eine Rolle könne sie in ihrem Alter nicht mehr glaubwürdig verkörpern, wird schnell eines Besseren belehrt.

Ramona Vega zeigt in den Anfangsszenen ihrer jungen Kollegin Destiny (Constance Wu), wie man effektvoll an einer Stange tanzt. Aus Destinys Sicht erfahren wir, wie es zu der Idee kam, Männer systematisch unter Drogen zu setzen und hemmungslos auszunehmen: Mit der Bankenkrise von 2008 versiegten die Einnahmen der Stripperinnen, die sich, wollten sie ihren Lebensstandard beibehalten, etwas ausdenken mussten.

Es funktionierte so lange, wie sie auf Männer trafen, für die ein paar tausend Dollar weniger auf dem Konto kein Problem waren. Doch irgendwann gerieten sie an den falschen Mann, nämlich einen, der den Mut aufbrachte, mit der Sache zur Polizei zu gehen. Alles flog auf.

Eine Grätsche, die zum Bänderriss führt

Der Film bemüht sich um eine Grätsche zwischen verschiedenen Genres, was ihm nicht immer so gut gelingt wie Jennifer Lopez ihre Akrobatik an der Stange. Er möchte die Kraft der weiblichen Solidargemeinschaft in der Krise feiern und gleichzeitig von den psychologischen Kosten der Arbeit im Rotlichtmilieu erzählen, außerdem will er eine Art Sozialgeschichte der Bankenkrise sein.

Sowas klappt nur, wenn man all diese Ebenen gleichermaßen ernst nimmt, aber dazu schwelgt der Film zu gern im Luxus: Es fliegen die Dollars, es rauscht das Shoppingglück, es glänzt der Lipgloss. Und in kalter Winternacht schließt Ramona Vega die zitternde Destiny in ihren mütterlichen Pelzmantel, als wäre sie die Pietà.

Hustlers - Der Trailer

„Hustlers“ - erste Bilder: der Trailer zum Film

Drama USA 2019, 106 min., von Lorene Scafaria, mit Constance Wu, Jennifer Lopez, Julia Stiles