ProSieben-Show

ProSieben: Protest gegen neue TV-Spielshow in Bochum

ProSieben will am Samstag eine neue Show zeigen. In Bochum regt sich aber Protest gegen die Dreharbeiten. Auch eine Genehmigung fehlt.

Steven Gätjen (li,.) und Matthias Opdenhövel nehmen mit ihrer neuen ProSieben-Spielshow Kurs auf Bochum-Weitmar. Dort regt sich Protest.

Steven Gätjen (li,.) und Matthias Opdenhövel nehmen mit ihrer neuen ProSieben-Spielshow Kurs auf Bochum-Weitmar. Dort regt sich Protest.

Foto: PRO7

Bochum. Im Bochumer Stadtteil Weitmar kommt es zu Protesten gegen eine ProSieben-Spielshow. „Wie kann die Stadt eine solche Produktion genehmigen, die massive Einschränkungen für mehr als 100 Haushalte zur Folge hat?“, kritisieren Anwohner scharf.

Derweil hat die Stadtverwaltung die Veranstaltung noch nicht genehmigt. Zunächst müsse ProSieben noch einige Auflagen erfüllen, teilt das Rathaus mit.

„Die Live-Show bei dir zu Hause“, wird am Samstag (12. Oktober) um 20.15 Uhr erstmals ausgestrahlt. Bei dem neuen TV-Format treten zwei Familien gegeneinander an: nicht im Fernsehstudio, sondern im eigenen Wohnzimmer und auf der Straße.

Zum Auftakt geht’s nach Bochum. Dort treten zwei Familien bei Sport- und Geschicklichkeitsspielen um bis zu 85.000 Euro Preisgeld gegeneinander an.

Für die aufwendigen technischen Vorbereitungen und den Aufbau einer Tribüne für 340 Zuschauer wird eine Wohnstraße für fünf Tage gesperrt. Es gilt ein Durchfahrtsverbot. „Das Parken von Fahrzeugen jeglicher Art (auch Fahrräder und Motorräder) ist nicht möglich“, heißt es auf Flugblättern, die im Viertel verteilt wurden.

ProSieben bietet Zugangskarten, Ersatzparkplätze und Gratis-Tickets an

Um den Unmut zu lindern, bietet ProSieben Zugangskarten für den Bereich sowie kostenlose Tickets für die Show am Samstagabend und Ersatzparkplätze an. Die Anwohner bleiben jedoch hart. „Der Ärger bei vielen Nachbarn ist groß“, schildert ein betroffenes Ehepaar.

Dabei richte sich die Kritik ausdrücklich nicht gegen die Kandidaten-Familien: „Das sind sehr nette und hilfsbereite Leute. Das Preisgeld sei ihnen von Herzen gegönnt.“ Auch ProSieben stehe nicht im Fokus, „wobei diese Art der TV-Unterhaltung Geschmackssache ist“.

Fragwürdig sei allein das Gebaren der Stadtverwaltung, die es voraussichtlich erlaube, eine vergleichsweise schmale Straße in eine „ProSieben-Arena“ zu verwandeln. Die tagelangen Sperrungen und Einschränkungen bedeuteten einen „massiven Eingriff in die Persönlichkeitsrechte“.

Die Interessen eines Fernsehsenders hätten im Rathaus „ein höheres Gewicht als die berechtigten Belange von über 100 Haushalten“, heißt es in einem Protestschreiben von Bochumern an die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“.

Stadt sieht Produktionsfirma in der Pflicht

Stadtsprecher Peter van Dyk weist die Kritik zurück. Am Montag lag noch keine Genehmigung für die Sondernutzung der Straße vor. Derzeit werde noch geprüft, ob die Produktionsfirma den dafür erforderlichen Auflagen nachkomme.

Diese solle „dafür sorgen, dass die Beeinträchtigungen für die Anwohner so gering wie möglich sind“, so van Dyk. Nur dann könne die Veranstaltung stattfinden.

Zu den geforderten Maßnahmen zählen Ausweichparkplätzen „mittels eines Shuttle-Services in der Nähe“ (von dem im Info-Flyer keine Rede ist) sowie direkte Zufahrten für Rettungsfahrzeuge und Bürger mit Beeinträchtigungen.

Die Polizei werde am Samstag ebenso vor Ort sein wie eine Brandsicherheitswache, kündigt die Stadt an. Der Auf- bzw. Abbau für die Sendung werde zeitlich so begrenzt, dass die Nachtruhe gewahrt ist. Und: Auftritte von Bands finden in den jeweiligen Wohnungen ohne Publikum statt – und nicht auf der Straße.

Anwohner sorgen sich um ihr Haus

Die Anwohner der Straße, auf der die Dreharbeiten stattfinden sollen, hatten zunächst überlegt, dem Trubel aus dem Weg zu gehen und für einige Tage zu verreisen. „Aber wir bleiben hier“, sagen sie. „Wir haben Sorge, dass unser Haus in Mitleidenschaft gezogen wird.“

• Dieser Text ist zuerst auf waz.de erschienen.