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Warum den Bezahlsender Sky so viele seiner Manager verlassen

Mehrere Manager verlassen den Pay-TV-Sender Sky. Das Münchner Unternehmen bestreitet allerdings einen Sparkurs. Das steckt dahinter.

Die Pay-TV-Plattform Sky steht unter Druck.

Die Pay-TV-Plattform Sky steht unter Druck.

Foto: © Toby Melville / Reuters / Reuters

Berin. Sky Deutschland ist nicht irgendein Unternehmen. Die Firma aus Unterföhring bei München hat etwa 2000 Mitarbeiter, ist die mit Abstand größte deutsche Pay-TV-Plattform und war mal im MDAX notiert. Und dennoch wird Sky ab 1. Juli keine Kommunikationsabteilung und keinen Kommunikationschef mehr haben. Für ein Unternehmen dieser Größenordnung, das zudem noch sein Geld mit Kommunikation verdient, ist das höchst ungewöhnlich.

Die bisherige Sky-Kommunikationsabteilung wird auf die Personal- und die Marketingabteilung aufgeteilt. Der Kommunikationschef verlässt das Unternehmen. Sein Posten wird nicht neu besetzt. Auch die Position des Sportchefs – kein ganz unwichtiger Posten für eine Plattform, die ihr Geld in nicht geringem Maße mit Fußball-Live-Übertragungen verdient – wird gestrichen.

Sky spricht von „schlankeren Strukturen“

Nicht bestätigen mag ein Sky-Sprecher, dass die Verantwortlichen für Sky-Abos von Hotels und Bars sowie für Logistik das Unternehmen ebenfalls verlassen. Er räumt jedoch ein, dass die Zahl der Angehörigen des gehobenen und mittleren Managements, von denen sich die Firma gerade trennt, im unteren zweistelligen Bereich liegt.

Warum nur? Es gehe um „schlankere und effizientere Strukturen“, sagt der Sprecher. „Sparen ist nicht das Ziel.“

Wirklich nicht? Sky steht unter Druck. Die Zahl der Abonnenten stagniert bei 5,1 Millionen. Der Markteintritt von Streaming-Diensten wie Netflix und Amazon Video, die für den Verbraucher weitaus günstiger sind als die Pay-TV-Plattform, macht Sky schwer zu schaffen.

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Sky Deutschland soll zehn Millionen Abonnenten bekommen

Und dann sind da ja noch die immens teuren Übertragungsrechte an der Fußball-Bundesliga, die das Unternehmen fast eine Milliarde Euro kosten. Innerhalb kurzer Zeit hat sich der Preis für die Rechte nahezu verdoppelt, wobei Sky die Freitagsspiele der Liga gar nicht mehr übertragen darf. Sie laufen in der aktuellen Vergabeperiode beim Wettbewerber Eurosport – was der Kundenzufriedenheit der Sky-Abonnenten nicht gerade zuträglich sein dürfte.

In diesem schwierigen Umfeld hält die Konzernzentrale in London an ehrgeizigen Zielen fest. Ihr wurde Sky Deutschland 2015 unterstellt, das damals die Börse verließ. Zehn Millionen Abonnenten soll die deutsche Pay-TV-Plattform in fünf Jahren haben. Der Sky-Sprecher sagt, dies sei ein mittelfristiges Ziel, für dessen Erreichen es kein genaues Datum gebe.

Muss die Unternehmensführung mit Sparkurs nachhelfen?

So oder so: Wie die ambitionierte Marke von zehn Millionen Abonnenten in halbwegs absehbarer Zeit erreicht werden soll, ist unklar. Da man in der Londoner Zentrale offenbar dennoch von der deutschen Tochter Margen erwartet, die denen eines Wachstumsmarktes entsprechen, könnte man schon auf die Idee kommen, dass die hiesige Unternehmensführung beim Ergebnis mit einem Sparkurs nachhelfen muss. Aber einen Sparkurs gibt es offiziell ja nicht.

Übrigens wird die Nummer zwei der in London ansässigen Zwischenholding Sky Continental Europe, Devesh Raj, demnächst ihr Quartier bei Sky Deutschland aufschlagen. Raj kommt vom US-Hauptgesellschafter Comcast, der die internationale Pay-TV-Plattform 2018 übernahm. Dass er den Standort Unterföhring gewählt haben könnte, um den Deutschen auf die Finger zu schauen, dementiert der Sky-Sprecher.