ARD-Krimi

"Tatort": Spur der Bremer Ermittler führt nach Berlin

Die Ermittlerin Inga Lürsen ermittelt im Bremer Clan-Milieu. Dabei gerät sie auch in Konflikt mit ihrem Kollegen Nils Stedefreund.

Die Bremer Ermittler Inga Lürsen (Sabine Postel) und Stedefreund (Oliver Mommsen) ermitteln das letzt Mal zusammen im „Tatort“.

Die Bremer Ermittler Inga Lürsen (Sabine Postel) und Stedefreund (Oliver Mommsen) ermitteln das letzt Mal zusammen im „Tatort“.

Foto: Radio Bremen/ARD Degeto/Christin Schröder

Berlin.  In der Folge „Die Liebe der Schlachter“ hing einer tot am Fleischhaken. Das bescherte dem Bremer „Tatort“ im Jahr 2003 die Titelseite der „Bild“. Ein Jahr später stellte ebenjener Bremer „Tatort“ einen neuen Leichenrekord auf („Abschaum“, 14 Tote). Seitdem ist das mit der Leichenzählerei eine noch umfangreichere Sache geworden; was immer das über den Zeitgeist auch aussagen mag. Unangefochten an der Spitze liegt derzeit die Wiesbadener Folge „Im Schmerz geboren“ (2014, 51 Leichen). Die Bremer rangieren da aber auch noch auf einem guten dritten Platz („Der hundertste Affe“, 2016, 21 Leichen).

Dass der Bremer „Tatort“ oft auffiel, dass er Action nicht scheute, öfter als manch andere Wagnisse einging und nur sehr selten altbacken war, kommt einem unweigerlich in den Sinn, wenn man sich nun „Wo ist nur mein Schatz geblieben?“ anschaut. Warum diese Folge eine besondere ist? Es ist der 33. und letzte Fall für Lürsen und Stedefreund, jenes in den den vergangenen 18 Jahren und 33 Filmen liebgewonnene Duo. Sabine Postel hat als Hauptkommissarin Lürsen noch sechs Folgen mehr auf dem Buckel als Oliver Mommsen als Stedefreund, den in beinah zwei Jahrzehnten an der Seite der mütterlichsten aller „Tatort“-Kommissarinnen prima gereiften Jüngling.

18 Jahre, das lässt einen in der Tat an Volljährigkeit denken. Dabei bleibt sich die „Tatort“-Abteilung Bremen beim Abgang trotzdem mehr als treu: Es geht ziemlich heftig und ungestüm zur Sache. Das „Tatort“-Team aus Bremen ermittelt an Ostern zum letzten Mal gemeinsam.

Einen gut ausbalancierten, stillen Krimi zu machen, war nicht der Plan von Stammautor und -regisseur Florian Baxmeyer. „Wo ist nur mein Schatz geblieben?“ ist ein knalliger Thriller geworden, bei dem nur die erste Idee halbwegs konventionell ist.

„Tatort – Wo ist nur mein Schatz geblieben“ erinnert an US-Serien

Die Leiche einer noch gut erhaltenen jungen Frau wurde in den neu gegossenen Asphalt einer Straße versenkt. Als die Arbeitgeber der Toten, ein Paar mit Kleinkind, das eine Immobilienfirma betreibt, verhört wird, kommen erstmals zwei Gestalten ins Bild, die in ihrer Absurdität auch einer US-Serie wie „Fargo“ entsprungen sein könnten.

Die BKA-Ermittler Maller (Robert Hunger-Bühler) und Kempf (Philipp Hochmair) sind es dann auch, die den oft so spröden Bremer Ermittlern erklären, was eigentlich gespielt wird. Die gerade befragte Vera Berlov (Violetta Schurawlow) ist die Schwester des Kopfes der Tschetschenen-Mafia, die für ihren Bruder in Bremen das auf dem Berliner Drogenmarkt verdiente Geld wäscht.

Spoiler: So gehen Lürsen (Sabine Postel) und Stedefreund (Oliver Mommsen) getrennte Wege

Der Clan soll nach jahrelangen Ermittlungen samt verdecktem Ermittler endlich hochgenommen werden. Lürsen übt sich aber keineswegs in Zurückhaltung, sie trampelt im Gegenteil forsch durch das von Loyalitätskonflikten und Eigeninteressen verminte Gelände. Stedefreund dagegen offenbart schnell eine eigenartige Nähe zu den rigoros auf durchgeknallt gedrehten BKAlern: Kempf ist ein Junkie, Maller ein herrlich auf „Alles erlebt, alles gesehen“ gewendeter Haudegen, der längst seine eigenen Gesetze macht.

Natürlich gibt es eine unheilvolle Verwicklung, die in Stedefreunds Vergangenheit begründet ist. Natürlich gibt es einige Knalleffekte und viel Drama: Dieser unterhaltsame Bremer „Tatort“ ist noch einmal voll auf der Borderline unterwegs. Wie gesagt, leise geht anders. Lürsen und Stedefreund bekommen aber allemal, Fallschirmsprung inklusive, das aufsehenerregende Ende, das sie verdienen. Auch wenn man ihnen klammheimlich doch eher ein behagliches Aus-dem-Dienst-Scheiden mit Abschiedsumtrunk im Revier gegönnt hätte. Während der Abschied im Film spektakulär abläuft, war er im wahren Leben eher sentimental. So sagte Sabine Posten zum „Tatort“-Aus: „Am Ende haben alle geheult“.

Das Erste, Montag, 22. April, 20.15 Uhr

Hier gibt des den aktuellen „Tatort“ in der ARD-Mediathek.

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Nachdreh: „Tatort“: Wie lebt es sich mit einem dunklen Geheimnis?

(Thomas Andre)