ARD-Serie

„Lindenstraße“: Rundfunkrats-Chef kritisiert geplantes Aus

Der Rundfunkrats-Chef von Radio Bremen, Klaus Sondergeld, hält das Ende der „Lindenstraße“ für verkehrt – und hat weitere Kritikpunkte.

Lindenstraßen-Aus

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Bremen. Kritik am geplanten Aus der „Lindenstraße“: Der Vorsitzende des Rundfunkrats von Radio Bremen, Klaus Sondergeld, hält das Ende der „Lindenstraße“ im Ersten für falsch. „Die ‘Lindenstraße’ hat wahrscheinlich viel mehr zur Liberalisierung unserer Gesellschaft beigetragen als ‘Panorama’“, sagte Sondergeld in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). „Das aufzugeben halte ich für ganz verkehrt.“

Der Rundfunkratsvorsitzende wandte sich damit auch gegen Pläne von Medienpolitikern, den Auftrag von ARD und ZDF auf Information, Bildung und Kultur zu verengen. Wenn der öffentlich-rechtliche Rundfunk die gewohnte Mischung, zu der auch Unterhaltung gehört, nicht mehr bieten könne, beginne „das Totenglöcklein zu läuten“, warnte Sondergeld.

Es wäre seiner Ansicht nach dumm, sich unterhaltsame Möglichkeiten der Informationsvermittlung zu verbauen. Wissen könne auch in Shows und Talkshows vermittelt werden. Auch wenn die Verantwortlichen die Volksmusiksendungen mit Florian Silbereisen aus dem Programm nähmen, würde sich das Publikum von der ARD abwenden.

Kritik an „Framing-Manual“

Sondergeld, der dem Rundfunkrat von Radio Bremen seit 2016 vorsitzt, kritisierte zudem das „Framing-Manual“, das die Linguistin Elisabeth Wehling im Auftrag der ARD angefertigt hat. In dem Handbuch empfiehlt sie unter anderem, dass die ARD Begriffe wie „Beitrag“ in der öffentlichen Diskussion vermeiden sollte.

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Das halte er für „Blödsinn“, sagte Sondergeld: „Da zahlt jemand Geld und kriegt was dafür. Wir sind in einem Leistungs-Gegenleistungs-Verhältnis, da beißt die Maus keinen Faden ab.“ Auch der von Wehling kritisierte Begriff „öffentlich-rechtlich“ sei wichtig: „Die Rechtsform ist die Bastion, auf der wir stehen.“ Wehling hatte das 89-seitige Dokument mit dem Titel „Framing-Manual“ vor zwei Jahren im Auftrag des MDR erstellt, der damals den ARD-Vorsitz innehatte. Die ARD bezahlte die Studie, um Rundfunkbeitrag neues Image zu geben.

• Hintergrund: ARD-Chef Wilhelm verteidigt umstrittenes „Framing Manual“

Im Februar wurde das Manual von „Netzpolitik.org“ veröffentlicht, nachdem einige Medien darüber berichtet und damit eine öffentliche Debatte ausgelöst hatten. Der ARD wird vorgeworfen, sich mit der darin beschriebenen Framing-Methode einer manipulativen Strategie zu bedienen. Grundsätzlich sei es richtig, bei der Wortwahl sorgfältig nachzudenken, sagte Sondergeld. Doch wenn die ARD für sich werben wolle, empfehle er diese Strategie: „Das wichtigste Argument für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk ist gutes Programm.“ (epd/les)