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Altersarmut und ein Mord in Mafia-Manier bei „Wilsberg“

Der neue Fall für Detektiv „Wilsberg“ läuft Samstag im ZDF. Er ist ungewohnt brutal. Auch das Thema ist ernst. Es geht um Altersarmut.

Foto: Thomas Kost/ZDF / ZDF und Thomas Kost

Essen.  Ein kaltblütiger Mafia-Mord im beschaulichen Münster? Das Anfangsszenario des neuen „Wilsberg“-Krimis weckt Erinnerungen an Filmklassiker wie „Der Pate“. Zwei düstere Gestalten treffen sich nachts unter einer Brücke und unterhalten sich.

Plötzlich fällt aus dem Hinterhalt ein Schuss. Und einer der Männer sackt zusammen. Getötet per Kopfschuss – wie bei einer Hinrichtung.

Als Ermittler Overbeck (Roland Jankowsky) am Tatort erfährt, dass es sich bei dem Opfer um den Filialleiter einer Bank handelt, ist für ihn klar: Ein Killer der Finanz-Mafia hat in Münster zugeschlagen.

Der 61. Fall startet so gar nicht seicht

Die beliebte ZDF-Reihe ist eigentlich als seichte Mischung aus Krimi und Komödie bekannt. Der 61. Fall für das Team um Privatdetektiv Georg Wilsberg (Leonard Lansink) startet jedoch ungewohnt brutal und hat einen ernsten Aufhänger: das Thema Altersarmut. Dieses zieht sich wie ein roter Faden durch den neuen Film „Mörderische Rendite“.

Passend zum Titel wird nicht mit Gesellschaftskritik gespart. Im Zentrum der Kritik: Vermögensberater, die ihre Kunden mit miesen Maschen betrügen und so um ihr Erspartes bringen.

Die Gaststars glänzen in ihren Rollen

Wilsbergs Nachbar Paul Dietze (Michael Kausch) ist eines dieser Opfer. Sein für den Ruhestand angespartes Geld ist dank riskanter Geldanlagen weg. Nun steht er zu Beginn seiner Rente ohne Finanzreserven da. Seine Frau Effie (Klara Höfels) bietet privat einen Waschservice für Nachbarn an, damit das Paar etwas dazuverdient und über die Runden kommt.

Wilsberg will seinem Nachbarn helfen und den Berater zur Rede stellen. So schlittert der kauzige und ewig klamme Buchhändler immer weiter in den Mordfall hinein, in dem es viele Verdächtige gibt. So auch Chefkommissarin Anna Springer (Rita Russek), die als Kundin des Mordopfers viel Geld verloren hat.

Neben dem altbekannten „Wilsberg“-Stammpersonal glänzen vor allem die Gaststars in ihren Rollen. Der Österreicher Simon Schwarz spielt den schmierigen Finanzberater Uli Pape derart überzeugend, dass die Zuschauer mit den betrogenen Kunden förmlich mitleiden. Zumal sich deren prekäre Situation immer mehr zuspitzt.

Talkötter als Tollpatsch

Drehbuchautor Georg Ludy und Regisseur Martin Enlen gelingt es, die Spannung über 90 Minuten aufrechtzuerhalten. Doch gibt es Situationen, die unglaubwürdig wirken. Etwa wenn der ansonsten so gerissene Finanzberater Pape ausgerechnet den Finanzbeamten Ekkehardt Talkötter (Oliver Korittke) als Junior-Berater in sein Team holt.

„Ekki“ fungiert für seinen Freund Wilsberg als verdeckter Ermittler – und stellt sich gewohnt tollpatschig an. Auch die Szene, in der der gierige Pape vor einem Verhör einen Polizeibeamten finanziell berät, wirkt arg überspitzt.

Trotz des ernsten Themas gibt es lustige Dialoge und Frotzeleien, die „Wilsberg“-Fans gewohnt sind. Overbeck ermittelt wieder einmal auf eigene Faust und tritt dabei in das eine oder andere Fettnäpfchen, während sich Detektiv Wilsberg und Kommissarin Springer privat näherkommen.

Fazit: In überraschend ernster „Wilsberg“-Fall, der die Spannung bis zum Schluss hält.

„Wilsberg“ läuft am Samstagabend um 20.15 Uhr im ZDF. Er ist vorab in der ZDF-Mediathek zu sehen.