Reportage

„Hartes Deutschland“ zeigt ein Frankfurt voller Elend

„Hartes Deutschland“ zeigt eine Parallelwelt in Frankfurt voller Sex und Drogen. Es ist der Stoff für eine starke Reportage auf RTL2.

Die andere Seite der Finanz-Metropole: Um den Frankfurter Bahnhof herum herrscht das blanke Elend. Das Viertel ist wegen der Drogenkriminalität bundesweit bekannt.

Die andere Seite der Finanz-Metropole: Um den Frankfurter Bahnhof herum herrscht das blanke Elend. Das Viertel ist wegen der Drogenkriminalität bundesweit bekannt.

Foto: RTL II/SPIEGEL TV GmbH / RTL II / SPIEGEL TV GmbH

Essen.  In den Palästen der Großbanken regiert das Geld, im Schatten der Frankfurter Skyline ist das Elend zu Hause. Gerade 52 Hektar groß ist der Bereich zwischen Hauptbahnhof und Finanzzen­trum, der traurige Berühmtheit erlangt hat. Auch dieses überschaubare Areal hat dazu beitragen, dass die Mainmetropole seit Jahren als Deutschlands „Verbrecherhauptstadt Nr. 1“ gilt.

Allein im Bahnhofsviertel, das in der Reportage „Hartes Deutschland“ die zweifelhafte Hauptrolle spielt, wurden im vergangenen Jahr 10.000 Delikte verzeichnet. Um das weitere Ansteigen der Kriminalität im Kiez zu verhindern, wurde eigens eine 150 Polizeibeamte starke Spezialeinheit gegründet, die Regionale Einsatz- und Ermittlungsgruppe (REE). Deren Aufklärungsquote liegt seither bei bemerkenswerten 70 Prozent.

Frankfurter Drogenpolitik rückt in den Hintergrund

Ein Filmteam von Spiegel TV ist über Monate immer wieder in diese Parallelwelt aus Sex und Drogen eingetaucht, hat die Sondereinheit aus Landes-, Bundes- und Bereitschaftspolizei bei ihrer nachdenklich stimmenden Alltagsarbeit begleitet, hat mit obdachlosen Drogenabhängigen und Sozialhelfern gesprochen und beobachtet, wie leidtragende Bürger oder alteingesessene Geschäftsleute an einer Situation verzweifeln, die offenbar nicht mehr in den Griff zu bekommen ist.

Ein naheliegendes Thema tritt dabei in den Hintergrund: die Frankfurter Drogenpolitik, die lange das liberale Vorbild für andere Städte nicht nur in Deutschland war. Das vor 20 Jahren ins Leben gerufene Frankfurter Modell mit seinen „Druckräumen“ und Fixerstuben, in denen Abhängige ihrer Sucht unter kontrollierten und hygienischen Bedingungen nachkommen können, die Konzentration auf die Dealer, weniger auf die Konsumenten im öffentlichen Raum – das war bereits Thema u. a. bei ZDF und SAT1.

Leben und Verhalten von Junkies, Helfern, Anwohnern

Die RTL-2-Reportage nimmt keine politisch Verantwortlichen ins Verhör, urteilt nicht. Wie will man auch argumentieren, wenn bei zugegeben steigender Kriminalitätsrate die Zahl der Drogentoten von 147 im Jahr 1992 auf 17 (2017) ­zurückgegangen ist? Im Zweifel sind die Bilder zudem verpixelt, es gibt keine wohlfeile Täter-Statistik nach Ethnie und Herkunft. Nur einmal, bei einer groß angelegten Polizeiaktion im sogenannten Grasland nördlich des Hauptbahnhofs, ist kurz von Jamaikanern, Nord- und Schwarzafrikanern die Rede. Doch die dominieren nun einmal dort das Marihuana-Geschäft.

Das Reportage-Team lässt die Alltagsarbeit der engagierten und irgendwie doch hilflosen Beamten, lässt Leben und Verhalten von Junkies, Helfern, Anwohnern für sich sprechen. Zu sehen, wie dieses vom Rotlicht beschienene Bahnhofsviertel-Milieu seine eigenen Sozialregeln entwickelt hat, mit Bordellchefin und „Wirtschafter“ als integren Leitfiguren, das liegt außerhalb normaler Vorstellungskraft und ist doch irgendwie kennzeichnend für dieses „harte Deutschland“.

Fazit: Eine eindringliche Reportage über eine reale Parallelwelt, in der es nur Opfer gibt.

• Donnerstag, 7. Juni, RTL 2, 20.15 Uhr: „Hartes Deutschland“