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Kampfzone Klassenraum: „Maischberger“ ungewöhnlich anders

Sandra Maischberger widmete sich der Kampfzone Klassenzimmer – auf mutige Art und Weise. Doch überzeugen konnte die Show am Ende nicht.

Von Paul Ritter
Sandra Maischberger sprach mit Schülern und Lehrern.

Sandra Maischberger sprach mit Schülern und Lehrern.

Foto: Max Kohr / WDR

Berlin.  Eine Umfrage hat zuletzt wieder die Schulen in den Fokus gerückt. Demnach wurden in jeder vierten Einrichtung schon einmal Lehrkräfte von ihren Schützlingen attackiert. Doch das ist nur ein Aspekt unter vielen: Unterschiede beim Abitur, Pisa, Einmischung von Eltern, Qualität der Lehrer – Schule polarisiert, schließlich wird hier die Zukunft geschmiedet.

Am Donnerstagabend widmete sich auch Sandra Maischberger dem Thema. Besonders war dabei, dass keine normale Runde diskutierte – sondern eine Publikumsdebatte stattfand, bei der Schüler, Lehrer und Eltern miteinander in den Dialog kommen sollten.

Autorität gegen Beziehung auf Augenhöhe

Das klappte teilweise richtig gut. So wurde etwa deutlich, was sich Lehrer und Schüler von einem Miteinander wünschen. Viele Lehrkräfte in der Runde bestätigten beispielsweise, dass körperliche Gewalt durch Schüler ein Thema ist – und zugleich Ausdruck von mangelndem Respekt. „Wir müssen eine klare rote Linie ziehen und die Autorität der Lehrer stärken“, forderte etwa der Lehrer Johannes Höger.

Die Schüler sahen das überwiegend anders. Ihnen war wichtig, dass ihnen die Lehrer auf Augenhöhe begegnen. „Der Kumpeltyp als Lehrer ist doch nicht schlecht, das bedeutet nicht, dass man keinen Respekt hat“, sagte einer. Ein anderer forderte, dass Lehrer stärker ihren Charakter zeigen sollten, um so eine Beziehung zu ihren Schülern aufbauen zu können.

Gibt es zu viele Abiturienten?

Einige Lehrer wiederum kritisierten die unzureichende Qualität bei vielen Schülern. Diese würden auf leichtere Aufgaben treffen, was wiederum zu höheren – teils unberechtigten – Bildungsabschlüssen führen würde. „Unsere Azubis können ganz selten Kopfrechnen“, bestätigte auch ein Tischlermeister. „Der Stress wird oft gefühlt“, ergänzte ein Lehrer. Das liege auch daran, dass die Jugendlichen mehr in ihrer Freizeit zu tun hätten.

Doch wenn die Anforderungen gesunken sind, woher kommt dann der Druck? Hier machten alle gleichermaßen die Eltern als Problem aus. „Wir erlauben den Kindern nicht mehr, eine 3 oder 4 zu schreiben“, sagte die Mutter Andrea Schneider selbstkritisch. Ein Vater rechtfertigte dies mit Zukunftssorgen: „Es gibt einen großen Niedriglohnsektor, davor will man das Kind schützen.“

Streit um Noten

Ein größere Debatte entstand zwischen mehreren Lehrern, als es um die Noten ging. „Diese Selektion ist das Grundproblem in der Schule“, sagte einer. Stattdessen sollten die Schüler lieber ohne eine solche Bewertung und fach- sowie jahrgangsübergreifend zusammenarbeiten.

Ein anderer widersprach: Noten seien für den weiteren beruflichen Weg entscheidend. Auch müsse man doch feststellen, wer zusammen lernen könne.

Schüler mit Migrationshintergrund

Als weiteres Problem wurde identifiziert, dass an manchen Schulen bis zu 90 oder gar 100 Prozent der Schüler einen Migrationshintergrund haben. „Es gibt teilweise gravierende sprachliche Mängel“, berichtete ein Lehrer. Ein anderer wies darauf hin, dass vor allem Gesamtschulen betroffen seien. „Die Gymnasien lehnen sich da oft zurück.“

Ein Vater wiederum berichtete, dass er seine Tochter aus der staatlichen Grundschule nehmen und zu einer privaten Schule schicken musste. „Ihgitt, du isst Schweinefleisch“, sei ihr etwa an den Kopf geworfen worden.

Das Fazit

Es war mutig, was Sandra Maischberger da versuchte. Und teilweise brachte das ungewöhnliche Setting auch durchaus interessante Dialoge hervor.

Insgesamt aber krankte der Ansatz daran, dass zu viele Teilthemen von zu vielen Betroffenen bewertet wurden. Dadurch verlor sich die Diskussion häufiger in Allgemeinplätzen: Große neue Erkenntnisse lieferte diese Ausgabe von „Maischberger“ bei aller Innovation nicht.

Zur Ausgabe von „Maischberger“ in der ARD-Mediathek.