Late-Night-Show

Faisal Kawusi: „Ich habe keine Angst vor den Quoten“

Comedian Faisal Kawusi probiert sich an einer Late-Night-Show aus. Angst zu scheitern, hat der Hesse mit afghanischen Wurzeln nicht.

Faisal Kawusi, geboren in Groß-Gerau bei Frankfurt. Der 1,90-Meter-Mann nimmt sich gern selbst auf die Schippe.

Faisal Kawusi, geboren in Groß-Gerau bei Frankfurt. Der 1,90-Meter-Mann nimmt sich gern selbst auf die Schippe.

Foto: Willi Weber / Sat.1

Essen.  Faisal Kawusi provoziert gern. „Ich habe hier überall Sprengsätze verteilt, ich komm in die Al-Kaida-Hall-of-Fame“ – so leitet der 26-Jährige gern mal sein Programm ein. Faisal wer? Kawusi ist so etwas wie der große, schwere Unbekannte der Comedy-Szene.

Am Freitag startet auf Sat.1 seine erste eigene Show – eben die „Faisal Kawusi Show“. Der Hesse mit afghanischen Wurzeln beweist darin, dass er auch in Sachen Selbstironie keine Grenzen kennt. „Meine Mutter gibt mir Abnehmtipps“, witzelt er schmerzfrei. Das geht sogar so weit, dass der 1,90 Meter große Pfundskerl in der Show bei den adonischen Strippern der Chippendales auf der Bühne steht.

An Selbstbewusstsein mangelt es Kawusi nicht

An Selbstbewusstsein mangelt es Kawusi nicht. Beim Treffen mit dieser Zeitung kurz vor der Premiere gibt er sich betont entspannt: „Ich habe keine Angst vor Quoten, sondern will einfach Vollgas geben.“ Dabei dürfte schon etwas Druck auf ihm lasten, glaubt seine Sendergruppe doch an eine Renaissance des Late-Night-Formats.

Erst im März ging Klaas Heufer-Umlauf für ProSieben mit „Late Night Berlin“ an den Start. Kawusi interessiert sich indes nicht für Genres: „Late Night oder Comedy, am Ende ist meine Sendung eine Comedy-Show, die spätabends läuft. Ich sitze da, aber nicht im Anzug, denn ich vertrete die neue Generation.“

Er nahm 2017 bei der RTL-Show „Let’s Dance“

Bei allem jugendlichen Anstrich greift er aber doch auf Altbewährtes zurück: Spots mit versteckter Kamera und prominente Gäste sind fest eingeplant. In der ersten, bereits vorab aufgezeichneten Folge ist die Schlagersängerin Vanessa Mai zu Gast. Wie Kawusi im Gespräch verrät, wird Mai nach dem Pflichtgeplauder über ihr neues Album mit ihm Tattoo-Raten spielen und um die Wette tanzen, „mit erschwerten Bedingungen“.

Mai und Kawusi kennen sich aus der zehnten Staffel der RTL-Tanz-Show „Let’s Dance“ von 2017, wo sich der Comedian einem Millionenpublikum präsentieren konnte. „Ich habe bei ‚Let’s Dance‘ im Spaß gesagt, dass ich gerne meine eigene Show hätte, und Vanessa hat versprochen, dann vorbeizukommen“, erzählt Kawusi. „Ich habe ihr gesagt: ‚Das wird super, mach dir keine Sorgen. Wir Afghanen sind sehr gastfreundlich.‘“

Mit Selbstironie und Witz über seinen Migrationshintergrund

Vor „Let’s Dance“ hat er in der Sat.1-Show „Luke, die Woche und ich“ als regelmäßiger Gast TV-Erfahrung gesammelt. Immer im Gepäck: selbstironische Witze über seine Statur und seinen Migrationshintergrund. „Ich war in der Schule schon früh der Klassenclown. Die Selbstironie kam aber erst später dazu. Ich finde, der beste Weg, sich selbst zu akzeptieren, ist der, über sich selbst zu lachen“, sagt Kawusi.

Dabei hält er mit seinen Witzen auch gern der Gesellschaft einen Spiegel vor: wenn er etwa erzählt, dass er oft für einen Türken gehalten wird oder seinen Bauch mit einem Sprengstoffgürtel vergleicht. Sicher wird es auch in seiner neuen Show solche Ethno-Gags geben. „Dank meines familiären Hintergrundes darf ich das. Dazu gehören auch Späße über Burkas und Terrorismus. Das finden vielleicht nicht alle witzig, aber ich muss nicht jedem gefallen.“

Dass Kaya Yanar ein Held seiner Jugend war, verwundert da nicht. Schließlich hat der Anfang des Jahrtausends als einer der ersten Comedians mit solchen Klischees gespielt. „Ich habe jeden Freitag meine Familie gezwungen, mit mir ‚Was guckst du‘ anzuschauen“, erzählt Kawusi. Nun hat er beim selben Sender seine eigene Show. Das macht ihn schon jetzt ziemlich stolz.

• Freitag, 13. April, 22.35 Uhr, Sat.1: „Die Faisal Kawusi Show“