Selbstfindung

ZDFneo-Serie „Nix Festes“ ist eine Parodie aufs hippe Leben

„Nix Festes“ mit Josefine Preuß ist neu bei ZDFneo. Die Sitcom über scheiternde Endzwanziger funktioniert dank amüsanter Selbstparodie.

Von Sabine Fischer
Kreativ – aber nicht erfolgreich: Wiebke Busch (Josefine Preuß, l.), Jonas Renner (Sebastian Fraesdorf) und Jenny Reimann (Marie Rathscheck).

Kreativ – aber nicht erfolgreich: Wiebke Busch (Josefine Preuß, l.), Jonas Renner (Sebastian Fraesdorf) und Jenny Reimann (Marie Rathscheck).

Foto: Christoph Assmann / ZDF und Christoph Assmann

Essen.  „Gott, ich will nicht nach Brandenburg“, stöhnt Möchtegernautor Jonas (Sebastian Fräsdorf) und schlägt verzweifelt die Hände vors Gesicht, während seine eigenwillige Schreibpartnerin Wiebke (Josefine Preuß) in ihren Latte Macchiato pustet. Gemeinsam mussten die beiden gerade das endgültige Aus ihres neuen Serienprojekts einstecken – schon wieder. Obwohl das Duo mit seinen originellen Skripten eigentlich mal die deutsche Fernsehlandschaft aus ihrem konservativen Sumpf ziehen wollte, versinken sie langsam im Existenzchaos. Denn von den Produktionsfirmen hagelt es nichts als Absagen.

Mit diesem Selbstverwirklichungsdilemma parodiert die neue ZDFneo-Sitcom „Nix Festes“ nicht nur gekonnt das Lebensgefühl einer ganzen Generation, sondern nimmt dabei auch gleich deren hippen Hauptstadtmythos auseinander. Das Berlin, in dem Jonas und Wiebke leben, ist in Wahrheit nämlich alles andere als die Wiege der Kreativität, von der viele Künstler träumen: Zwischen Start-up-Fantasien, Projektstau und Selbstfindungstendenzen steht hier das Scheitern ständig im Türrahmen. Frei nach dem Motto: Wer träumt, der kann schnell böse erwachen.

Josefine Preuß knüpft an alte Erfolge aus „Türkisch für Anfänger“ an

Zugegeben, eine Serie über scheiternde Endzwanziger könnte auf den ersten Blick langweilig wirken. Zu viele Sendungen kauen das Thema bereits durch – von „Friends“ über „New Girl“ bis hin zur deutschen Comedy „Berlin, Berlin“. Warum also sollte man alles noch mal neu erzählen? Doch „Nix Festes“ funktioniert vor allem dank seiner amüsanten Selbstparodie: Jonas zum Beispiel ist es wichtiger, einer alten Flamme „Ich bin Autor“ hinhauchen zu können, als sich Gedanken über die Miete zu machen.

Schön übrigens, dass Regisseur Christoph Schnee und die Autoren Markus Barth und Lars Albaum diese Frau dann ein wenig später zu jener Mitarbeiterin des Arbeitsamts machen, vor der Jonas und Wiebke letztlich kleinlaut zugeben müssen, mit dem Schreiben bisher kaum einen Cent verdient zu haben. Josefine Preuß kann in ihrer Rolle als widerborstige Wiebke zwar an ihre alten Erfolge aus „Türkisch für Anfänger“-Tagen anknüpfen, doch neben ihr können die anderen Schauspieler nur mit Mühe bestehen.

Shop für vegane Hundeleckerlis

Sebastian Fräsdorf gibt seinem schwächelnden Jonas wenig Profil, die beiden anderen – der Quotenschwule Basti (Tim Kalkof) und die naive Dauerstudentin Jenny (Marie Rathscheck) – geraten dann endgültig zu überzogenen Stereotypen: Mit einem Shop für vegane Hundeleckerlis wollen sie sich selbstständig machen und stolpern dabei gleich zu Beginn in haarsträubende Situationen. Denn auch wenn die Idee für das Start-up sicher nicht ganz so weit hergeholt ist, wie sie auf den ersten Blick vielleicht klingt: Für dieses Ensemble an Berliner Träumern ist das dann doch ein bisschen viel.

Fazit: Witzige Dialoge, sympathische Protagonisten und gekonnt verflochtene Handlungsstränge: „Nix Festes“ schießt zwar in Sachen Originalität nicht gerade den Vogel ab, lohnt aber dennoch das Einschalten.

Sendetermin: Dienstag, 27. Februar, 22.45 Uhr, ZDFneo