ARD-Krimi

Organisation Gehlen: Das war der Geheimbund aus dem „Tatort“

Der „Tatort – Meta“ führt die Kommissare auf die Spur eines angeblichen Geheimbundes. Wir erklären, was hinter dieser Gruppe steht.

Berlin.  Im „Tatort – Meta“ jagen die Ermittler Nina Rubin (Meret Becker) und Robert Karow (Mark Waschke) in Berlin einen Täter, der seine Morde als Grundlage für ein Film-Drehbuch versteht. Doch der Krimi dreht sich vor allem um einen vermeintlichen Geheimbund: die Organisation Gehlen.

Gab es diese Organisation wirklich? Und woher stammen Verschwörungstheorien, nach denen sie immer noch im Untergrund agiert? Wir klären die wichtigsten Fakten zum ersten Berliner „Tatort“, der während der Berlinale gedreht wurde und dessen Handlung auch eine Filmpremiere enthält:

Was war die Organisation Gehlen?

Die Organisation Gehlen war der Vorläufer des Bundesnachrichtendienstes und damit des deutschen Auslandsgeheimdienstes. Seinen Namen erhielt der Dienst durch seinen Chef, Reinhard Gehlen. Gehlen war im Zweiten Weltkrieg Leiter der Einheit Fremde Heere Ost der Wehrmacht und kannte sich deshalb mit der Auswertung von Informationen fremder Mächte aus.

Ab 1946 leitete Gehlen unter Aufsicht der US-Armee und ab 1949 unter der CIA die Organisation Gehlen. Die USA waren vor allem mit Beginn des Kalten Krieges daran interessiert, Informationen über die Aktivitäten der Sowjetunion zu sammeln. Die Organisation und die Person Gehlen schienen dazu geeignete Instrumente gewesen zu sein.

Gibt es die Organisation Gehlen heute noch?

Nein. Durch einen Kabinettsbeschluss der Bundesregierung unter Konrad Adenauer wurde 1956 der Bundesnachrichtendienst gegründet. In dem Kabinettsbeschluss heißt es laut Chronik des BND: „Die ‘Organisation Gehlen’ wird nach näherer Weisung des Bundeskanzlers in den ‘Bundesnachrichtendienst’ überführt.“ Gehlen wurde erster Präsident des BND. Mit der Gründung des BND endet der Fortbestand der Organisation Gehlen.

Woher kommt die Theorie, dass die Organisation im Untergrund fortgeführt wurde?

Sinn und Zweck eines Geheimdienstes, ist es geheim zu agieren. Dadurch ergibt sich viel Spielraum für Spekulationen. Im Fall der Organisation Gehlen bietet der Kontakt von Reinhard Gehlen zu dem ehemaligen Wehrmachtsoberst Albert Schnez Anlass zu Spekulationen. Der Historiker Agilolf Keßelring hat nachgewiesen, dass Schnez in den Nachkriegsjahren versucht hat, eine Geheimarmee zusammenzustellen.

Ehemalige Soldaten und SS-Mitglieder sollten im Ernstfall einen sowjetischen Angriff abwehren können. Keßelring hat für seine Arbeit Akten der Organisation Gehlen ausgewertet. Diese zeigen eindeutig, dass der Vorläufer des BND und ihr Chef Gehlen von den Geheimaktivitäten wussten. Verschwörungstheoretiker argumentieren, dass diese Geheimarmee nie aufgelöst und von der Organisation Gehlen unterstützt wurde.

Ist der angebliche Fortbestand der Organisation Gehlen also eine Verschwörungstheorie?

Ja. Dafür gibt es gleich mehrere stichhaltige Argumente. Die Theorie, dass Gehlen eine Geheimarmee gefördert habe, lässt sich einfach relativieren: Die Summen und Mittel, die Gehlen dem Ex-Oberst Schnez zur Verfügung gestellt hatte, waren eher gering und damit wohl keine allzu große Hilfe. Zudem wurde Schnez nach Gründung der Bundeswehr selbst einer der führenden Köpfe der neuen Truppe. Warum also eine Geheimarmee führen, wenn man eine echte Armee führen kann?

Ähnlich verhält es sich auch mit der Organisation Gehlen und dem späteren BND. Beide Geheimdienste hatten relativ große Freiräume in ihrer Arbeit. Zwar war der BND dem Kanzleramt angegliedert, doch erst 1978 kam mit dem Kontrollgremium des Bundestages eine von der Regierung unabhängige Kontrollinstanz hinzu. Das Gesetz über den Bundesnachrichtendienst, dass Aufgaben und Grenzen der BND-Arbeit festlegt, wurde sogar erst 1990 verabschiedet. Kurz gesagt: Die Organisation Gehlen und der Nachfolger BND hatten so viele Freiheiten, dass eine Arbeit im Untergrund wohl auch nicht geheimer gewesen wäre.

Auch eine der zentralen Figuren während der Gründung der Organisation Gehlen dürfte wenig von der These einer Fortführung von Gehlens Abteilung im Untergrund halten. Der US-Amerikaner James Critchfield beobachtete im Nachkriegsdeutschland die Organisation Gehlen aus nächster Nähe. Sein Urteil in einem 2003 erschienenen Aufsatz: Weder US-Amerikaner noch die Mitglieder der Organisation Gehlen hätten große Pläne geschmiedet. Vieles sei aus Zufall geschehen und Gehlen habe hauptsächlich darauf geachtet, selbst Karriere zu machen. Dieser Umstand lässt keinen Spielraum für groß angelegte Umsturzpläne.