ARD-Krimi

Tollwut im "Tatort" – So gefährlich ist das Virus wirklich

Im „Tatort“ aus Dortmund brach in der JVA die Tollwut aus – mit verheerenden Folgen. Das muss man über das gefährliche Virus wissen.

In der Dortmunder JVA ist die Tollwut ausgebrochen. Martina Bönisch (Anna Schudt, 1.v.l.), Nora Dalay (Aylin Tezel, 2.v.l.) und Peter Faber (Jörg Hartmann, r.) ermitteln.

In der Dortmunder JVA ist die Tollwut ausgebrochen. Martina Bönisch (Anna Schudt, 1.v.l.), Nora Dalay (Aylin Tezel, 2.v.l.) und Peter Faber (Jörg Hartmann, r.) ermitteln.

Foto: Thomas Kost / WDR

Berlin.  "Es ist die Angst vor dem Virus. Dem nicht Greifbaren" – Die Worte von Serienmörder Markus Graf (Florian Bartholomäi) hallen im Kopf von Kommissar Peter Faber (grandios: Jörg Hartmann) nach, als in der JVA Dortmund Panik ausbricht. Denn der Inhaftierte Michael Strecker sowie der Gefängnisarzt Jonas Zander (Thomas Arnold) haben sich mit Tollwut infiziert.

Das Gefängnis als Ort der Enge, ja der Hoffnungslosigkeit, ist im Fall "Tatort: Tollwut" der perfekte Schauplatz, um zu zeigen, wie sich mit der Ausbreitung des Virus' auch Todesangst und ein Gefühl der Beklemmung entwickeln können.

Doch wie gefährlich ist das Tollwut-Virus in der Realität? Und wurde im "Tatort" wirklich alles korrekt dargestellt? Wir beantworten die wichtigsten Fragen:

• Wie viele Tollwut-Tote gibt es?

Nach Schätzungen der WHO sterben weltweit jährlich 55.000 Menschen an Tollwut. Insbesondere in Ländern wie Asien und Afrika muss man aber mit einer hohen Dunkelziffer rechnen.

• Wie kann man sich infizieren?

Klassische Tollwut-Überträger sind hierzulande wild lebende Tiere wie Füchse, Dachse oder Rehe. Auch Weidetiere, Hunde und Katzen können das Virus laut Robert Koch Institut (RKI) übertragen.

Menschen infizieren sich hauptsächlich durch Speichelkontakt, zum Beispiel durch Biss- oder Kratzverletzungen oder wenn Speichel des Tieres durch ungewaschene Hände an die eigene Schleimhaut gelangt.

Wann die Tollwut dann ausbricht, kann man nicht genau voraussagen. Die Inkubationszeit beträgt meistens 20 bis 70 Tage. Tollwut kann aber auch erst nach einem Jahr ausbrechen.

• Kann Tollwut von Mensch zu Mensch übertragen werden?

Ja, das ist möglich. Laut RKI gibt es vereinzelt Infektionen durch Organtransplantationen. "So auch in Deutschland im Jahr 2005, damals erkrankten drei Organempfänger durch die Organe einer infizierten Spenderin", erklärte eine RKI-Sprecherin unserer Redaktion.

Andere Formen der Mensch-zu-Mensch-Übertragung seien bisher allerdings nicht beschrieben. "Theoretisch ist auch eine Übertragung durch Bisse von Mensch zu Mensch denkbar", so die Sprecherin.

• Kann man Tollwut beim Küssen übertragen?

Im "Tatort" haben Kommissarin Martina Bönisch und der infizierte Arzt Jonas Zander eine Affäre. Eine potenzielle Gefahr für die Ermittlerin? "Eine Übertragung durch Küssen ist nicht auszuschließen", so die RKI-Sprecherin.

So sei es denkbar, dass die Viren im Speichel des Erkrankten zur Infektion der Kontaktperson führten, wenn diese Hautverletzungen aufweise, die dann mit dem infizierten Speichel in Kontakt kämen. Solch ein Fall sei aber noch nie beschrieben worden – und erscheine unwahrscheinlich.

• Woran merkt man, dass man Tollwut hat?

Das Virus wandert entlang der Nervenbahnen ins Rückenmark und schließlich ins Gehirn. Hier vermehrt es sich und breitet sich weiter im Organismus aus. Beim Menschen lässt sich die Tollwut in drei Stadien einteilen:

1. Prodromalstadium:

"Die Symptome sind erstmal wie bei einer starken Grippe", erklärt der Tollwut-infizierte Arzt Zander im "Tatort". Wer Tollwut hat, leidet zuerst unter Fieber, Kopfschmerzen, Übelkeit oder Gliederschmerzen.

2. Akute neurologische Phase:

In einer nächsten Phase folgen starke Krämpfe, Angst- und Panikzustände, Sprachunfähigkeit oder Halluzinationen. Häufig müssen die Patienten wegen ihrer unkontrollierbaren Wutanfällen aus Selbstschutz ans Bett fixiert werden. Die Beschwerden dauern etwa zwei bis sieben Tage und werden bei vollem Bewusstsein durchlitten.

3. Koma: Am Ende fällt der Erkrankte ins Koma. Schließlich treten Herz- und Atemstillstand ein. Zwischen den ersten Symptomen und dem Tod liegen bei unbehandelten Patienten maximal sieben Tage.

• Warum haben einige Tollwut-Patienten Angst vor Wasser?

Zu Beginn des "Tatorts" wischt ein Knasti mit einem nassen Feudel durch die Gefängnisgänge. Immer wieder taucht er ihn laut platschend in den gefüllten Wassereimer. Der infizierte Michael Strecker bricht dabei in Panik aus – denn er leidet an Hydrophobie, das heißt, er ist extrem wasserscheu.

Für einige Erkrankte ist wegen der starken Krämpfe in der Schlundmuskulatur das Schlucken sehr schmerzhaft. Dadurch entwickeln sie eine große Angst vorm Trinken und auch vor Wasser. Bei dessen Anblick werden sie unruhig und verkrampfen. Häufig fließt Speichel aus dem Mund, weil die Betroffenen aus Angst vor den Schmerzen nicht mehr schlucken. Es bildet sich Schaum vor dem Mund.

• Warum ist die Inkubationszeit bei Jonas Zander länger als bei Michael Strecker?

Die ersten klinisch sichtbaren Anzeichen von Tollwut treten auf, wenn die Viren das Gehirn erreicht haben. Die Inkubationszeit ist also umso kürzer, je näher die Eintrittsstelle des Virus am Gehirn liegt.

Jonas Zander wurde an der Hüfte verletzt, Michael Strecker am Hals. Die Eintrittsstelle des Virus lag bei Strecker also näher am Gehirn – somit starb er im Krimi schneller.

• Kann man Tollwut behandeln?

"Ich wurde ermordet. Akzeptier' das!", schleudert Zander Martina Bönisch ins Gesicht – und leider hat er Recht. Sind erst einmal Symptome einer manifesten Tollwut vorhanden, gibt es keine wirksame Therapie. Ärzte können den Tod nur hinauszögern. Die einzige Behandlungsmöglichkeit ist die sofortige Impfung direkt nach dem Tierbiss.

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.