Vor zehn Jahren kam das erste Smartphone auf den Markt. Seither hat sich auch die Nutzung von sozialen Netzwerken und Onlinespielen rasant verändert. Forscher warnen immer häufiger vor den Risiken übermäßiger Nutzung: „Das Thema (Sucht) hat durch die ständige Verfügbarkeit durch Smartphones an Bedeutung gewonnen“, sagte Gundolf Berg, Vorsitzender des Berufsverbands für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (BKJPP), vor einem Kongress von Fachärzten in Kassel.

Die meisten betroffenen Jugendlichen kämen zunächst nicht wegen einer Internetsucht in die Praxen. „Diese Thematik ergibt sich dann aber im Gespräch“, erklärte er. Die Häufigkeit einer pathologischen Internetnutzung, also einer Sucht, werde auf etwa fünf Prozent geschätzt.

„In der Zeit, in der ich mich mit Online-Spielen beschäftige, versäume ich es, andere altersadäquate Dinge zu lernen“, sagte Berg. „Häufig kommen weitere Schwierigkeiten wie soziale Phobien und Aufmerksamkeitsstörungen hinzu.“

5437666641001_videostill_1547747339122.jpg
Das iPhone wird zehn Jahre alt

weitere Videos

    Wie viele Jugendliche tatsächlich gefährdet sind, ist kaum feststellbar. Die Betroffenen mieden Suchtberatungsstellen, erklärte Wolfgang Schmidt-Rosengarten, Geschäftsführer der Hessischen Landesstelle für Suchtfragen. Nur wenige wollten sich „in eine Einrichtung begeben, in der es um Sucht geht“. Bei auf exzessiven Medienkonsum spezialisierten Angeboten gebe es aber eine enorme Nachfrage.

    Wie bei anderen Suchtmitteln ist auch bei der Abhängigkeit von Netzwerken oder Spielen das Alter ein entscheidender Faktor: „Je früher man anfängt, desto kritischer ist es“, sagte Berg. Seine Aussagen sprechen vor allem dafür, dass Eltern feste Regeln für die Onlinezeit ihrer Kinder einführen. (dpa)