Fernsehfilm

„Eine gute Mutter“ zeigt Frauen im Ausnahmezustand

„Eine gute Mutter“ mit Petra Schmidt-Schaller und Mina Tander ist ein psychologisches Drama. Es erzählt von Ansprüchen und vom Scheitern.

Mona (Petra Schmidt-Schaller) und Greta (Mina Tander).

Mona (Petra Schmidt-Schaller) und Greta (Mina Tander).

Foto: NDR/Marion von der Mehden

Berlin.  Eine gute Mutter möchte Mona Doermer (Petra Schmidt-Schaller) ihren Kindern Danny und Marlen sein, doch irgendwie bekommt sie das Leben mit ihnen einfach nicht in den Griff. Sie hat keine Arbeit, leidet offensichtlich an einer Persönlichkeitsstörung, ist sexuellen Begegnungen nicht abgeneigt und befindet sich derzeit in Richtung Ostsee auf der Flucht vor dem Jugendamt.

Sie nimmt ein Hotelzimmer just in jenem Badeort, in dem sie aufgewachsen ist und wo die Polizistin Greta Burmeester (Mina Tander) ihren Dienst tut. Die will eigentlich weg aus dem Kleinstadtmief, hat inzwischen auch die Berufung nach Berlin schriftlich vorliegen. Doch da ist nicht nur der ahnungslose langjährige Freund, sondern plötzlich auch noch eine Schwangerschaft, mit der sie sich auseinandersetzen muss.

Claudia Gardes Film „Eine gute Mutter“ erzählt von zwei Frauen, ihren wachsenden Problemen und ihrem schließlich schicksalhaften Zusammentreffen. Denn plötzlich ist die kleine Marlen spurlos aus dem Hotel verschwunden, und Greta muss um Verstärkung bitten, weil man nach dem Auffinden eines Schuhs von einer Gewalttat ausgehen muss.

Alle Zutaten eines klassischen Thrillers

Die Regisseurin arbeitet dabei mit verstörenden Andeutungen, die den Zuschauer nicht wenig verunsichern werden. Ganz zu Anfang etwa hinterlässt Mona dem Jugendamt ein Video, in dem sie ankündigt, sich und die Kinder umbringen zu wollen. Später sieht man sie tatsächlich, wie sie im Hotelzimmer etwas in den Kakao der Kinder schüttet, der nur deshalb nicht getrunken wird, weil die sechsjährige Marlen nicht mehr aufzufinden ist.

Drehbuchautor Christian Jeltsch mixt nun plötzlich alle Zutaten eines klassischen Thrillers und Krimis und bringt damit Spannung in diese Geschichte zweier so unterschiedlicher Frauen. Verdächtige Männer gibt es einige. Der brutal wirkende Schausteller beispielsweise, den Mona zuvor mitten beim Sex hat stehen lassen und der das kleine Mädchen im Vorbeifahren erspäht hat. Oder der schmierige Hotelbesitzer (Axel Milberg, mal völlig anders), der ganz im Stil von Norman ­Bates in „Psycho“ seine weiblichen Gäste gern durch die Klimaanlage beobachtet. Schließlich nimmt Greta sich auch die völlig konfuse Mona vor, die bisher durch reichlich Hysterie und Unwahrheiten aufgefallen ist.

Düsteres Meer, das Hotel wirkt wie ausgestorben

Die Stimmung des Films speist sich aus der herbstlichen Jahreszeit. Das Seebad ist wie ausgestorben, das Hotel so leer wie in Stephen Kings „Shining“. Das bewegte Meer dient „als Metapher für die inneren Zustände und Sehnsüchte der Frauen“, wie Regisseurin Garde mitteilt. Ihre Darstellerinnen scheinen das aufgesogen zu haben. Pe­tra Schmidt-Schaller liefert als labile Mutter die sicher aufregendste Leistung ihrer vielseitigen Karriere ab. Mina Tander wiederum vermag hier nicht ganz so intensiv aufzutrumpfen wie zuletzt in „Der Sohn“.

Es mag ein wenig aufgesetzt wirken, wenn bei all dem Stoff auch noch die Mütter der Hauptfiguren aufgefahren werden, um den Beweis zu erbringen, dass immer etwas haften bleibt von der Erziehung. Dennoch bleibt der Film ein packend erzählter Mix aus Thriller, Krimi und Drama. Und in Nebenrollen überraschen so unterschiedliche Schauspielerinnen wie Judy Winter und Jenny Elvers.

• „Eine gute Mutter“, Mittwoch, 1. November, 20.15 Uhr, Das Erste

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