Fußballshow

Wie Arnd Zeigler seine Kult-Show und das Kacktor erfand

| Lesedauer: 8 Minuten
Dominik Loth
Arnd Zeigler und seine WDR-Sendung „Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs“ feiern das zehnjährige Bestehen der Show.

Arnd Zeigler und seine WDR-Sendung „Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs“ feiern das zehnjährige Bestehen der Show.

Foto: WDR/Ben Knabe

„Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs“ feiert Jubiläum. Wir haben mit Arnd Zeigler über die Show und die Liebe zum Fußball gesprochen.

Essen.  Mit einem richtigen Moderator wäre diese Sendung nicht möglich, hat einmal Christian Wagner, Erfinder von „Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs“ gesagt. Er könne nicht so viel Leidenschaft in die Sendung bringen wie Arnd Zeigler. Seit zehn Jahren analysiert der Moderator und Stadionsprecher von Werder Bremen am Schreibtisch seiner Wohnung den Fußball-Zirkus. Am Sonntag strahlt der WDR um 22.15 Uhr eine Sonderausgabe mit den Highlights aus 323 Folgen aus. Im Interview spricht der 52-Jährige über die Anfänge, Kultfiguren und Kacktore.

Herr Zeigler, WDR-Redakteur Christian Wagner hatte in einer Bar in Belize die Idee zur Sendung. Wie kam es dazu, dass letztendlich in Ihrer Wohnung gedreht wurde?

Arnd Zeigler: In der WDR-Redaktion gab es damals eine Diskussion, wie es mit der altehrwürdigen Sendung „Sport im Westen“ weiter gehen soll. Die Sendung hatte keine so guten Einschaltquoten, wenn ich mich richtig erinnere. Da hat Christian, der mich beruflich von meinen Radiosendungen kannte, Sportchef Steffen Simon seine Idee verkauft. Steffen ist nach Bremen gefahren und wir haben in einem Café gesessen. Ich habe ihm gesagt, dass ich mich einerseits geehrt fühle, andererseits hatte ich gerade einen Deal mit meinem Sohn gemacht. Er spielt bei Werder Bremen in der Jugend, war damals noch klein und ich habe ihm hoch und heilig versprochen: „Ich bin bei Deinen Spielen dabei, immer!“ Deshalb war dem WDR gegenüber klar: Ich könnte nicht jedes Wochenende nach Köln fahren. Steffen Simon fand das sehr sympathisch, und wir kamen überein, dass wir die Sendung in meiner Wohnung drehen.

Sie haben wirklich in der Wohnung an der Wielandstraße gelebt?

Zeigler: Ja, unter der Woche haben wir die Technik im Wohnzimmer mit einem orangenen Tuch zugedeckt, ein riesiger Würfel war das, der das ganze Wohnzimmer blockierte. Das hatte mir der WDR eigentlich etwas anders versprochen (lacht). Die Familie hat sonntags immer versucht, sich irgendwo anders rumzudrücken, damit sie nicht über die Beine der Redakteure stolperte.

Später sind Sie dann umgezogen. Warum?

Zeigler: Ich wurde aus der Wohnung rausgeschmissen, eine klassische Eigenbedarfskündigung. Das war damals scheiße, weil ich mich fragte, ob der WDR das mitmacht. Glücklicherweise haben wir 200 Meter weiter ein komplettes Haus gefunden. Da habe ich heute ein eigenes Arbeitszimmer für die Sendung.

Ihre Sendung lebt auch davon, dass Sie alte Szenen zeigen. Man hat oft den Eindruck, dass damals noch echte Typen auf den Plätzen standen. Kann man in zwanzig Jahren Szenen von heute vorführen?

Zeigler: Es hat sich schon viel verändert. Damals waren die Spieler noch nicht medial geschult, teilweise auch schüchtern und zurückhaltend. Aber es gibt auch heute noch Phänomene, die großen Unterhaltungswert haben: Jürgen Klopp zum Beispiel, oder RB Leipzig, an denen man sich kritisch reiben kann; wahnsinnige Ablösesummen oder den nicht funktionierenden Eurosport-Player, den man neuerdings braucht, um die Freitagsspiele der Bundesliga schauen zu können. Ich vermisse nur manchmal die Unschuld, die verloren gegangen ist. Heute hat man das Gefühl, es ist alles glatter, reiner geworden.

George Best war alles andere als glatt. Von ihm haben Sie ein Poster. Wer ist heute eine Kultfigur?

Zeigler: Ich bedauere es, dass ich für George Best zu spät geboren wurde. Ich mag den englischen Fußball, Eric Cantona verehre ich sehr. Oder Matt Le Tissier, der hat bei Southampton gespielt. Er war ein bisschen zu dick, hat etwas zu häufig bei McDonalds gegessen, wie er selbst einmal zugab, und hat trotzdem unfassbare Tore geschossen.

In einer Folge waren Sie mit HSV-Legende Charly Dörfel in der Bremer Kneipe Heartbreak-Hotel.

Zeigler: Dörfel ist einer der schrulligsten Menschen, die je in der Bundesliga gespielt haben. Er besitzt offenbar ein großes Haus, das er bis unters Dach mit tausenden, seltenen Schallplatten vollgestopft hat. In der Kneipe sind wir jeden Sonntag nach Feierabend. Das ist seit zehn Jahren ein liebgewonnenes Ritual. Die Redakteure aus Köln haben sich anfangs gewundert, dass da noch bis ein Uhr Halligalli war. Da waren wir mit Ata Lameck oder Ansgar Brinkmann einen Absacker trinken, da wird jede Woche geflippert, um die Sendung würdig abzuschließen. Herrlich!

Was ist eigentlich daraus geworden, dass Uli Hoeneß in Ihre Sendung wollte?

Zeigler: Ich kannte einen Journalisten vom Münchner Merkur, Günter Klein, der ein Interview mit Hoeneß hatte und ihn für mich fragte. Hoeneß versprach, dass er mal vorbeikommen wolle. Viele Leute haben danach gesagt, dass es fix ist, wenn der so etwas sagt. Da waren wir ziemlich aufgeregt. Leider ist es danach nie dazu gekommen. Aber ich hätte ihn gerne in meiner Sendung. Hoeneß ist ein sehr spannender Mensch, er saß im Gefängnis, er hat den FC Bayern zu dem gemacht, was er heute ist. Er ist für mich bei allen Schwächen vor allem ein leidenschaftlicher Überzeugungstäter. Er liebt, was er macht.

Bei wem hat es auch nicht geklappt?

Zeigler: Wir haben es oft vergeblich bei Manfred Burgsmüller versucht. Und bei Peter Neururer. Das Problem dabei ist nachvollziehbar: Wer kommt am späten Sonntagabend noch zu einer Sendung nach Bremen, wenn er am kommenden Morgen irgendwo anders in Deutschland möglicherweise früh raus muss?

Wie erklären Sie sich den Erfolg von Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs?

Zeigler: Ich finde es wichtig, dass man zuerst mal die Emotionalität und Sympathie im Fußball sieht. Meine Maxime ist: Man sollte Fußball nicht zu ernst nehmen, er ist immer noch Freizeitvergnügen, aber man wird ihm auch nicht gerecht, wenn man ihn aus großer Distanz sieht. Fußball ist für viele Menschen ein ganz, ganz großer Lebensinhalt. Für die ist es gar nicht witzig, wenn ihr Verein absteigt.

Gab es in zehn Jahren auch mal einen Moment, wo Ihnen Fußball zum Hals heraushing?

Zeigler: Fußball macht keinem Menschen jeden Tag Spaß. Ich bin Fan von Werder Bremen. Mir macht es manchmal auch keinen Spaß, eine lustige Sendung zu moderieren, wenn zuvor meine Mannschaft verloren hat.

Trotzdem schaffen Sie es, ihre Zuschauer zum Lachen zu bringen. Sie selbst lachen selten. Worüber können Sie herzhaft lachen?

Zeigler: George Harrison hat mal gesagt: „Nun ja, es schadet meinen Lippen.“ Aber das ist Unsinn. Ich lache viel und gerne, nur nicht so oft vor der Kamera. Ich mag britischen Humor, Monty Python, Loriot. Wahrscheinlich kann ich am meisten über meine kleine Tochter lachen. Aber es ist auch so, dass ich sehr oft über die Fan-Videos lache, die wir zugespielt bekommen.

Das Kacktor des Monats ist ein Dauerbrenner.

Zeigler: Wir haben uns damals gefragt, was gibt es über das Tor des Monats hinaus? Ist es nicht eigentlich auch schön, schlechten Fußball zu sehen? Ein Redakteur meinte: Kacktor, kann man das so nennen? Ich sagte: ,Das muss so heißen.’

Haben Sie auch mal ein Kacktor geschossen?

Zeigler: Ich habe mal beim ETSV Kirchweyhe gespielt, in der B- und C-Jugend und dann nochmal kurz bei den Herren. Ich war ein Wadenbeißer. Ich habe in meiner gesamten Karriere kein Tor geschossen. Ich war der Dennis Diekmeier der Bremer Amateur-Fußballszene. Nur mit weniger Tattoos.