ZDF-Krimi

Der 25. Fall von „Kommissarin Lucas“ ist keine Sternstunde

Silberjubiläum bei „Kommissarin Lucas“, leider wenig feierlich. In der Folge „Familiengeheimnis“ will die Regie hinters Licht führen.

Lucas (Ulrike Kriener) hört, was Andy (Peter Wolf) aufgenommen hat. Hirngespinste oder doch eine neue Spur?

Lucas (Ulrike Kriener) hört, was Andy (Peter Wolf) aufgenommen hat. Hirngespinste oder doch eine neue Spur?

Foto: Barbara Bauriedl / ZDF und Barbara Bauriedl

Essen.  Wie das so ist mit Silberjubiläen. Es soll etwas Besonderes werden. Man hübscht sich auf, will seine beste Seite zeigen. Vor allem demonstrieren, dass alles so frisch ist wie damals. Ulrike Krieners „Kommissarin Lucas“ wäre das durchaus zu wünschen gewesen. „Familiengeheimnis“ aber, Fall 25 der einsamen Wölfin, die das Schicksal einst vom Rhein an die Donau verschlug, ist eine Gabe der allzu üppigen Art. Ein Präsentkorb, der einen erschlägt.

Es ertappt sich selbst der geneigte Zuschauer bereits nach 48 Minuten dabei, das Gefühl von gesehenen 88 zu haben. Das hat viel mit einem Drehbuch zu tun, das uns um jeden Preis hinters Licht führen will, das seine Wendungen wieder und wieder wendet und den Schein mehr als einmal nötigt, das Publikum zu trügen.

Durchgeknallter Journalist

Im Grunde ist der Einstieg klassisch: Durchgeknallter Investigativ-Journalist geht Polizistin auf die Nerven. Er habe die ultimative Enthüllungsgeschichte über alte Waffenlager („Gladio“) und böse neue Glatzen, nein, zur Nato könne er damit natürlich nicht gehen, auch nicht zur Bundeswehr, denn die seien ja alle ... Aber wie Polizisten so sind: Als dieser Spinner namens Andy Wolf Ellen Lucas warnt: „Wenn es da nicht zu spät ist ...“, da antwortet die Dame von der Mordkommission: „Das ist es meistens, das ist das Blöde an meinem Job.“

Immerhin der trockene Dialogwitz, der die Lucas-Bücher oft ausgezeichnet hat, blitzt im Buch von Thomas Schwebel und Daniel Schwarz noch halbwegs zuverlässig auf.

Konspirative Ermittlungen

Kurz nach der Abfuhr durch die Kommissarin brennt Wolfs Dachwohnung. Aus ihrem Fenster stürzt ein brennender Mann aufs Regensburger Kopfsteinpflaster. Doch Wolf, den man für das Opfer hält, lebt, der Tote vom Dach ist der Co-Autor, mit dem er Krach hatte. Wolf, dessen pathologischen Verfolgungswahn Schauspieler Peter Wolf irrlichternd auszukosten versteht, taucht unter. Er versucht, mit Lucas ein konspiratives Ermittlungsgespann zu werden.

„Familiengeheimnis“ wartet mit einer Spur Spekulationshistorie auf. Hinter „Gladio“ verbergen sich Waffenlager und eine im Kalten Krieg angenommene Geheimarmee der Nato gegen den Kommunismus, inszenierte Terrorakte inklusive. 2017 aber bedient sich der verwöhnte und eben drum in Neonazi-Kreise gespülte Student Johann des „Gladio“-Arsenals. Der Paukenschlag soll eine Bombe in der Minoritenkirche sein – zufällig macht seine Freundin dort Führungen.

Rechter und linker Terror

Zufällig haben die Eltern des Mädchens ein italienisches Restaurant, in dessen Kellern Wolf seine Geheimnisse hortet – zufällig. So viel Konstrukt, so viel schicksalsschwangeres Getändel um die lancierte Verwechslungsgefahr von rechtem und linkem Terror, dazu ein in Ralf Huettners Regie bis auf Wolf nur solide agierendes Ensemble: Nein, ein großer Samstags-Krimi ist es nicht.

Am Ende verbringt Lucas den Abend bei ihrem kauzigen Vermieter. Er hat den Beaujolais, sie das Knabberzeug: Zum Silbernen wünschen wir ihnen was Gutes im Fernsehen.

Fazit: Altgediente Heldin, nicht in bester Verfassung.

Samstag, 6. Mai, 20.15 Uhr, ZDF

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