Billard

Darum begeistern sich immer mehr Deutsche für Snooker

Die Billard-Disziplin Snooker hat auch in Deutschland eine treue Anhängerschaft. Eurosport überträgt derzeit die WM aus Sheffield.

Foto: Getty Images / Visual China Group/Getty Images

Essen/Sheffield.  Ein englisches Sprichwort besagt: Eine Snooker-Partie im Fernsehen ist feuriger als jedes prasselnde Kaminfeuer. Von der Richtigkeit dieser These können sich alle TV-Zuschauer derzeit auf Eurosport überzeugen. Der Spartensender mit Sitz in München überträgt aus Sheffield die Weltmeisterschaft in dieser anspruchsvollen Billard-Disziplin.

Allein in Deutschland schalten zum Saisonhöhepunkt Tag für Tag Hunderttausende Interessierte ein. Beim Finale am Montag könnte die Einschaltquote sogar an der Millionengrenze kratzen. Snooker ist eine Spielart des Billards, allerdings an einem größeren Tisch und mit anderen Regeln. Doch das Ziel ist dasselbe: mit einem Stab, dem Queue, die farbigen Bälle in eines der sechs Löcher zu befördern.

„Jeder Ball ist ein kleines Drama“

Die Snooker-Welt hat ihre eigenen Gesetze: An den Tischen ist es leise, Gespräche sind so selten wie Emotionsausbrüche. Mit Hemd, Fliege, Weste, schwarzen Socken und Schuhen sieht der Sportler eher aus wie ein Gentleman.

„Jeder Ball ist ein kleines Drama, fast jedes Spiel bietet einen grandiosen Spannungsbogen“, sagt Rolf Kalb. Der „Mister Snooker“ im Hause Eurosport kommentiert seine 16. WM, die seit 1977 im legendären Crucible Theatre ausgetragen wird. Mit sonorer Stimme begleitet er das Geschehen auf dem 3,60 Meter langen und 1,78 Meter breiten Tisch, auf dem die Stars der Snooker-Szene ihre Queues oft in Zauberstäbe verwandeln. Kalb gelingt es, Neulinge vorm Bildschirm dozierend, aber nie belehrend mitzunehmen, gleichzeitig aber auch das Stammpublikum nicht zu langweilen.

Snooker hat bei Eurosport einen festen Platz

Die besten Einschaltquoten verzeichnet der Sender, wenn Ronnie O’Sullivan die Bälle – nur der Laie sagt Kugeln – einlocht. Der Engländer (41) ist fünffacher Weltmeister, trägt den Spitznamen „The Rocket“ und ist einer der besten Snooker-Spieler aller Zeiten. Allerdings ist er auch für plötzliche Leistungseinbrüche bekannt. „O’Sullivan ist ein Genie, das ständig auf der Kante tanzt“, sagt Kalb. Am Mittwoch stürzte Rakete O’Sullivan nach dem Aus im Viertelfinale vom WM-Himmel. Top-Favorit auf den Titel ist der amtierende Weltmeister Mark Selby. Er schaffte am Mittwoch den Einzug ins Halbfinale.

Seit 2003 überträgt Eurosport das Billard-Spektakel. „Es hat eine treue Anhängerschaft gefunden und hat sich zu einem festen Bestandteil unseres Programms entwickelt“, sagt Sender-Chef Peter Hutton. Bei dieser WM werden an 17 Wettkampftagen 135 Stunden Live-Berichterstattung übertragen.

Interesse trotz fehlender deutscher Stars

„Weltweit haben sich die WM 2016 im Fernsehen über 250 Millionen angeschaut – rund 42 Millionen in Europa und 200 Millionen allein in China“, so Kalb, der manchmal das Mikrofon auch mit Snooker-Bundestrainer Thomas Hein teilt.

Das Interesse an dieser Randsportart sei hierzulande auch ohne einen deutschen Sportler an der Spitze ständig gestiegen. „Der Boris Becker des Snookers wird noch gesucht“, sagt Kalb. Trotzdem wächst der Interessentenkreis. „Weil wir hier nicht nur Moment-Fans haben“, so Kalb, „sondern viele Menschen, in denen wir eine echte Leidenschaft für Snooker entfacht haben“.

Eurosport, 14 Uhr und 20 Uhr

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.