„Maischberger“-Talk

Prinz Frédéric von Anhalt feiert Trump und beleidigt Trittin

Wie gefährlich ist Donald Trump? Bei Maischberger gab sich Prinz Frédéric von Anhalt als wackerer Verfechter des neuen US-Präsidenten.

Prinz Frédéric von Anhalt kennt Donald Trump persönlich und glaubt an eine erfolgreiche Amtszeit des kommenden US-Präsidenten.

Prinz Frédéric von Anhalt kennt Donald Trump persönlich und glaubt an eine erfolgreiche Amtszeit des kommenden US-Präsidenten.

Foto: imago stock&people / imago/Future Image

Berlin.  Für einen kurzen Moment sah es nach der US-Wahl so aus, als ob es doch einen vernünftigen, einen staatsmännischen Donald Trump geben könnte. Er werde die gespaltene Nation versöhnen und die Wunden heilen, kündigte der gewählte Präsident damals an. Die Milde des Siegers hielt nicht lange an: Nur wenige Tage später verfiel Trump in seinen gewohnten, Twitter-kompatiblen Pöbelmodus.

Seitdem fragt sich die Welt, was für ein Mann da am Freitag das mächtigste Amt auf Erden übernehmen wird. Ist Trump so gefährlich, wie all seine Äußerungen und sein Handeln immer stärker vermuten lassen? Oder ist am Ende doch alles nur Schall und Rauch? Diese Fragen stellte am Mittwochabend auch Sanda Maischberger.

Ein Prinz außer Rand und Band

Den stärksten Eindruck hinterließ dabei ein Gast, der eigentlich nur kurz zugeschaltet wurde: Mit der roten „Make America Great Again“-Fankappe ausgestattet, ereiferte sich Frédéric Prinz von Anhalt für den künftigen US-Präsidenten. „Wir wollen keine Politiker mehr, davon hatten wir genug“, schrie der Prinz daumenreckend aus dem Studio in den USA. Deshalb habe Hillary Clinton gegen seinen Favoriten Trump keine Chance gehabt.

Doch ist Trump wirklich besser als „die Politiker“? Frederics sicher gut gemeinte Beschreibung des US-Präsidenten machte deutlich, dass selbst seine Fans davon nicht ausgehen. „Trump will Macht, er braucht kein Geld und keine Lobbyisten“, rühmte der Prinz den gewählten Präsidenten. Letztlich gehe es doch auch in der Politik nur darum, Deals zu machen. „Politik ist reines Geschäft: Sich selbst erstmal was in die Tasche zu tun.“

„Es wird sich viel verändern“

Guter Geschäftsmann gleich guter Politiker, diese These vertritt auch Trump selbst. Und das sagt viel über sein Politikverständnis: Wer Regieren nicht als das Abschließen von Deals versteht, hat dieser Sichtweise zufolge nichts erreicht. „Sie sind ja auch ganz unten und nicht oben, Sie verarschen sich doch selbst“, schleuderte Frédéric folgerichtig einem überraschend locker bleibenden Grünen-Abgeordneten Jürgen Trittin entgegen.

Auch wenn Frédérics Auftritt spätestens zu diesem Zeitpunkt überdrehte: Politisches Gespür muss man dem Prinzen zugestehen, denn immerhin hatte er Trump früh unterstützt – und seinen Sieg vorausgesagt. „Ich kenne ihn ja schon sehr lange, er war oft bei uns im Haus“, rühmte sich der gerne abrupt aus dem Off lachende Frederic. Trump werde vom ersten Tag an regieren. „Es wird sich viel verändern“, frohlockte der Prinz.

Hitlers gesammelte Reden im Regal

Diesen Schwung „American tough talk“ musste die Runde erstmal verdauen. Danach konnte es mit der typisch deutschen Polit-Talkshow weitergehen, die sich in wenig schmeichelhaften Beschreibungen des gewählten US-Präsidenten erging.

„Trump redet wie er twittert“, sagte etwa die ARD-Journalistin Tina Hassel. „Das ist nicht geisteskrank, sondern bewusstes Kalkül“, befand Jürgen Trittin. „Er liest keine Bücher, er guckt nur Fernsehen. Und er hat nur Hitlers gesammelte Reden in seinem Regal“, berichtete der in München lebende US-Schauspieler Ron Williams.

Ist Trump erpressbar?

Nach dem aberwitzigen Prinzen und der Analyse der Trump’schen Psyche widmete sich die Runde schließlich Sachthemen. Beim Thema Russland etwa hatte Tina Hassel die prägnanteste Analyse parat: „Alleine der Schatten der Erpressbarkeit reicht schon aus“, ordnete die Journalistin Berichte ein, wonach russische Geheimdienste kompromittierendes Material über Trumps Privatleben gesammelt haben soll. Das könne dazu führen, dass sich Trump doch noch stark gegen Putin abgrenzen müsse.

In puncto EU und Handelspolitik argumentierten Jürgen Trittin und der FDP-Europapolitiker Alexander Graf Lambsdorff, dass man sich nicht klein machen dürfe. „Wir können selbstbewusst sein: Auf den europäischen Binnenmarkt wollen auch viele Unternehmen“, sagte Trittin.

Aufwärmprogramm für die Vereidigung am Freitag

Nach einem surrealen Start wurde der Talk so am Ende durchaus fundiert. Zwar krankte auch diese Ausgabe der Trump-Analyse daran, dass man noch immer nicht weiß, wie genau der Präsident Donald Trump agieren wird. Als Aufwärmprogramm für den Amtsantritt am Freitag reichte es aber allemal.

Zur Ausgabe von „Maischberger“ in der ARD-Mediathek

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