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Das ist der neue Tagesschau-Moderator Constantin Schreiber

Constantin Schreiber moderiert künftig die Mutter aller News-Sendungen: die Tagesschau. Seine Leidenschaft ist die arabische Welt.

Constantin Schreiber spricht fließend Arabisch.

Constantin Schreiber spricht fließend Arabisch.

Foto: imago stock&people / imago/Sven Simon

Berlin.  In Ägypten und anderen Teilen der arabischen Welt ist er schon seit Jahren ein Star. Das deutsche Fernsehpublikum lernt ihn jetzt kennen: Constantin Schreiber ist neuer Moderator der Tagesschau.

Der 37-Jährige wird am 21. Januar erstmals im Hamburger TV-Studio stehen und am Nachmittag die Nachrichten der ARD präsentieren. Noch geht er die Aufgabe entspannt an, wie er glaubhaft versichert. Nachrichten zu präsentieren, sei ihm schließlich vertraut. Und doch weiß Schreiber, für welch wertvolle Marke er künftig vor der Kamera stehen soll: „Es gibt im Fernsehen nur noch wenige Kronjuwelen. Für die Unterhaltung ist es der ,Tatort‘, für die Nachrichten ist die Tagesschau die stärkste Marke“, sagt er.

Für ihn ist es der nächste Höhepunkt einer Fernsehkarriere, die ihren Lauf im Ausland nahm: Jahrelang moderierte der Berliner Journalist beim ägyptischen Fernsehsender ONTV die Wissenschaftssendung „Sci-Tech“ – in fließendem Arabisch. Das Format zog durchschnittlich vier Millionen Zuschauer pro Sendung an, schnell wurde Schreiber in Ägypten und in den Nachbarländern eine Berühmtheit.

Schreiber lebte einige Monate in Damaskus

Schon als Schüler zog es Schreiber in den Nahen Osten. Er lebte einige Monate bei einer mit seinen Eltern befreundeten christlichen syrischen Familie in Damaskus, arbeitete später als Reporter für eine Zeitung im Libanon und als TV-Journalist in Dubai. Von Mauretanien bis Somalia bereiste er fast alle arabischen Länder. Zurück in Deutschland moderierte Schreiber ab 2012 die Nachrichten bei n-tv, wurde später auch Hauptstadtkorrespondent bei RTL.

Es sind vor allem seine Zugänge zur arabischen Welt – über die Sprache, seine Kontakte, sein Wissen –, die Schreiber inzwischen zu einem der gefragtesten Experten für die Flüchtlingskrise gemacht haben.

Und er traut sich was. Auf dem Höhepunkt der Fluchtbewegung nach Deutschland ging Schreiber auf n-tv mit „Marhaba“ (übersetzt „Hallo“) auf Sendung, einem deutsch-arabischen Format für Flüchtlinge. Zuerst als fünfminütige Videoclips gestartet, in denen er mal das Grundgesetz, mal deutsche Haustiere oder den Karneval thematisierte, schaffte das Format im November 2016 den Sprung ins Fernsehen. Als erste zweisprachig deutsch-arabische Talkshow.

Dafür erhielt er den Grimme-Preis. Er habe, so die Jury, ohne moralischen Überlegenheitssound, aber auch ohne gefühlsduselige Sozialromantik unsere Werte, Gesetze und Regeln des Miteinanders erklärt.

Journalist steht für modernisierte Tagesschau

Nun also der nächste Schritt, auf den er gut vorbereitet wird. Mit seinem Alter steht er für den nahenden Generationenwechsel bei Deutschlands ältester Nachrichtensendung. Und er will möglichst viel von seiner Expertise in die Redaktion einbringen. „Ich will bei der Tagesschau so journalistisch wie möglich arbeiten“, berichtet er. „Themen wie Migration oder Integration waren lange Nischenthemen. Spätestens seit dem vergangenen Jahr hat sich das verändert“, sagt Schreiber.

Der Erfolg seiner Sendung „Marhaba“ habe gezeigt, welch Potential soziale Medien auch für klassische Nachrichtenmarken haben. Der Tagesschau gelinge der Sprung in die digitale Welt schon jetzt, findet Schreiber. „Sie ist etwa bei Facebook und Instagram sehr präsent“, lobt er seinen neuen Arbeitgeber.

Auch im Nachtmagazin der ARD wird Schreiber künftig zu sehen sein. Auf das Format freut er sich – trotz der gewöhnungsbedürftigen Arbeitszeit nach Mitternacht. Besonders, „weil die Sendung ein 30-Minuten-Magazin mit selbst geschriebenen Moderationen ist“.

Doch die größte Herausforderung wird künftig sein, Beruf und Privatleben erfolgreich zu verbinden. Schreiber will zwischen Hamburg und Berlin pendeln. Seine Frau und die zweijährige Tochter bleiben zunächst in der Hauptstadt. Und dann? Schreiber ist optimistisch: „Wir können uns gut vorstellen, alle zusammen irgendwann nach Hamburg zu ziehen.“

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