Musikshow

Emotionaler Naidoo-Abschied beim „Sing meinen Song“-Spezial

Vox verabschiedet Xavier Naidoo von „Sing meinen Song“ mit einem Weihnachtskonzert der Extraklasse. Die Gäste machen Pathos zu Party.

Boten den Vox-Zuschauern ein Weihnachtskonzert der Extraklasse: Seven, Nena, Samy Deluxe, Xavier Naidoo, Wolfgang Niedecken, Annett Louisan sowie Alec Völkel und Sascha Vollmer von The BossHoss.

Boten den Vox-Zuschauern ein Weihnachtskonzert der Extraklasse: Seven, Nena, Samy Deluxe, Xavier Naidoo, Wolfgang Niedecken, Annett Louisan sowie Alec Völkel und Sascha Vollmer von The BossHoss.

Foto: Markus Hertrich / VOX

Berlin.  Das wohl bestangezogene Jesusbaby der Welt besitzt Wolfgang Niedecken. Die Krippenfigur des BAP-Sängers trägt nämlich einen Leoparden-Tanga. Entdeckt auf einem Markt in Costa Rica, hat der Kölner dem fünf Zentimeter großen Puppenkind den Schlüpfer selber aufgemalt. Ob der Vatikan mit der etwas anderen Art von Windel einverstanden ist, hat der 65-Jährige nicht verraten. Aber vielleicht haben die Geistlichen in Rom auch das Weihnachtskonzert von „Sing meinen Song“ am Dienstagabend verpasst? Es wäre ihnen nicht zu wünschen.

Denn die finale Folge mit Xavier Naidoo hat tatsächlich eine ganze Menge weihnachtlichen Flairs versprüht. Wie bereits in den ersten zwei Ausgaben der Spezial-Show kurz vor den Festtagen, feierten der Mannheimer und seine sieben Gäste auch in diesem Jahr wieder in einer schmucken Hütte in Tirol. Mit von der Gesangspartie: Nena, Annett Louisan, Samy Deluxe, Seven, The BossHoss und der bereits erwähnte Wolfgang Niedecken.

„Last Christmas“ steht nicht auf dem Wunschzettel

Während es im Original-Format „Sing meinen Song“ üblich ist, dass die Künstler die Lieder ihrer – vermeintlichen – Konkurrenten darbieten, dürfen sich am Dienstag alle einen Weihnachtstitel wünschen. Die gute Nachricht vorweg: „Last Christmas“ ist keiner davon! Stattdessen wählen die BossHoss-Buddies Sascha Vollmer und Alec Völkel „Jingle Bells“ für Annett Louisan aus.

Die Lametta-Liebhaberin vergisst auf halber Strecke zwar den Text, verleiht dem Klassiker dank ihrer glockenklaren Stimme aber einen ganz neuen Reiz. Nur ihr Zick-Zack-Scheitel sieht daneben ganz schön alt aus. Wenigstens besitzt die 39-Jährige jetzt einen hübsch-hässlichen 1.-FC-Köln-Schal, der von der verunglückten Friseur ein wenig ablenkt. Dazu hat ihr Wolfgang Niedecken einen passenden Toaster sowie Tattoo-Ärmel geschenkt. Als Präsent beim Schrottwichteln.

Von Chewbacca-Masken und singenden Plastikfischen

Und während Geschenke wie Chewbucca-Masken, Playboy-Hosenträger und singende Plastikfische tatsächlich den allerwenigsten gefallen dürften, sollte für die Auftritte der Sänger das Gegenteil gelten.

Ob Samy Deluxe mit Boxer Braids – Frisuren-Reinfall Nummer zwei – „Sitting on the Dock of the Bay“ interpretiert, Seven eine wunderschöne Variante von „The First Noel“ zum Allerbesten gibt („Halleluyeah!“, ruft Völkel) oder Xavier Naidoo „Ihr Kinderlein kommet“ singt, wie es nur ein Xavier Naidoo kann, dann macht das Zuschauen großen Spaß.

Nena bringt ihre Kinder mit

Die Überraschung des Abends: Nena. Erst rappt die 56-Jährige mit Samy Deluxe zum „Weihnachtsgrinch“, dann bringt sie neben Tochter Larissa und Sohn Sakias die deutsche Version von Bob Dylans „Blowin’ in the Wind“ auf die Bühne – und wie!

Dass der Text so aktuell erscheint, macht den bewegenden Auftritt nur noch eindrucksvoller („Wie viele Kinder gehen abends zur Ruh/ und schlafen vor Hunger nicht ein/ Wie großes Unheil muss noch gesehen/ damit sich die Menschheit besinnt?“).

Große Emotionen beim feucht-fröhlichen Fest

Gleiches gilt für Niedeckens Darbietung von John Lennons „Happy Xmas (War Is Over)“. Während Nena und Louisan Tischkerzen schwenken, hat er „den ganzen Song über Aleppo im Kopf gehabt“. Er war wohl nicht der Einzige.

Überhaupt geht es bei dieser Folge von „Sing meinen Song“ hochemotional zu – und zuweilen sogar feucht-fröhlich. Bei Schnaps und Stollen plaudern die Kollegen über ihre Kindheit, bemalen Weihnachtskugeln mit Kreide für den guten Zweck und tanzen, wann immer sich die Gelegenheit ergibt – beispielsweise bei BossHoss’ Rock-Variante von „Merry Christmas, Baby“. Alec Völkel ist begeistert: „So haben wir den Pathos der Weihnachtssendung in eine Party umgewandelt.“

The BossHoss übernimmt Chefposten

Die soll es nämlich auch sein, eine große Abschiedsfeier. Ist es doch das letzte Mal für Xavier Naidoo, der den „Sing meinen Song“-Chefposten an The BossHoss weitergibt. Klar, dass er das Finale noch für die Erstaufführung seines aktuellen Titels „Ein neues Jahr“ nutzt, ein Lied, das die Erfahrungen bei dem Format zusammenfasst („Wie ist es möglich/ Jedes Jahr dürfen wir mehr erfahren/ Über uns selbst und unsere Liebsten“). Ist sicher nicht sein bestes Stück, macht aber nichts.

Dem Erfolg der Show tut das keinen Abbruch, und „Wehmut ist sowieso dabei“. Und bevor bei Naidoo die Tränen kullern, gibt es vom Gespann Vollmer/Völkel sieben Proteas, ganz besonders hübsche Blumen. Wieso Naidoo nicht die CD zur Show bekommt? Vielleicht gibt’s die vom Weihnachtsmann. Es wäre ihm zu wünschen.