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„Fremde Freunde“ bei Vox strotzt vor Gefühlsduselei

In der neuen Vox-Show „Fremde Freunde“ reden Promis über ihr (Gefühls-)Leben. Es war hoch emotional – trotz Guido Maria Kretschmer.

Von Anja Francesca Richter
Guido Maria Kretschmar (2. v. l.) moderiert die neue Vox-Show „Fremde Freunde“. In der ersten Folge waren Handballtrainer Stefan Kretzschmar (l.), Schauspieler Heinz Hoenig und Model Eveline Hall zu Gast.

Guido Maria Kretschmar (2. v. l.) moderiert die neue Vox-Show „Fremde Freunde“. In der ersten Folge waren Handballtrainer Stefan Kretzschmar (l.), Schauspieler Heinz Hoenig und Model Eveline Hall zu Gast.

Foto: Morris Mac Matzen / VOX

Berlin.  Manchmal genügt für die große Karriere ein einfacher Kick. Und dabei ist nicht der Tritt in den Hintern gemeint, etwas für die Lebensträume zu tun. Mit etwas Glück reicht ein Beinschwung, und schon sind Sie für das wichtigste Showtheater der Welt, das Lido, engagiert.

Kaum zu glauben? Und doch wahr! Bestes – wenn auch einziges Beispiel weit und breit: Eveline Hall. Ihre kuriose Lebensgeschichte hat die 71-Jährige am Montagabend ihren drei neuen besten Freunden verraten: Heinz Hoenig, Stefan Kretzschmar und Guido Maria Kretschmer. Der Rahmen? Das neue Vox-Format „Fremde Freunde“.

Vox setzt auf Wunderwaffe Guido Maria Kretschmer

Bei der Show führt ein Moderator – und wer käme bei Vox anderes in Frage als Wunderwaffe Guido Maria Kretschmer – in einem hübschen Fachwerkhaus drei Prominente zusammen. Diese begegnen sich zum ersten Mal, tauschen im Idealfall aber innerhalb von 24 Stunden schwerwiegende Erkenntnisse zu ihrer Existenz aus. Ob das klappen kann?

Es kann – und wie! Hall und ihre Mitstreiter, Schauspieler Hoenig und Ex-Handballer Kretzschmar, zerfließen im Laufe der Show förmlich vor Gefühl. Schon kurz nach Ankunft an der ehemaligen Mühle, einem Parade-Motiv für das Magazin „Landlust“, liegt Liebe in der Luft: Heinz Hoenig, 65, bereitet freiwillig und voller Freude für alle ein Abendessen zu, es gibt Lamm mit Knoblauchsalz. Und dabei weiß er noch gar nicht, auf wen er trifft! Egal.

Gäste philosophieren über die großen Themen des Lebens

Der Willkommensgruß glückt, die Runde ist begeistert, auch wenn das Tierchen etwas knochig ist. Gut, dass Guido am idyllischen Privatsee mit Schaukelstühlen noch eine Runde Kuchen ausgegeben hat.

Und weil Essen bekanntermaßen Leib und Seele zusammenhält, kommt die illustre Runde schon weniger später auf die großen Themen des Lebens zu sprechen. Zwischen antiken „Mensch ärgere dich nicht“-Spielen, alten Schulbänken und allerhand anderem Krimskrams (Hat sich Vox bei RTL 2 und dessen „Trödeltrupp“ bedient?), philosophiert Kretzschmar auf einem Dachboden über seine Kindheit.

Stefan Kretzschmar erzählt von seiner Kindheit

„Mein Vater hat mich immer gehalten“, sagt der 43-Jährige, der 218 Mal für die Handballnationalmannschaft auf dem Feld gestanden hat. Sein Papa sei der wichtigste Mensch für ihn, auch wenn Zärtlichkeiten in der sportbegeisterten Familie nicht im Vordergrund gestanden hätten. Seine Mutter, die zu DDR-Zeiten „beste Handballerin der Welt“, habe ihn eher mit ihrer unter der Frotteehose hervorquellenden Muskelmasse erschreckt. Lob gab es von ihr erst mit 34, mitfühlende Blicke seiner Bekannten schon nach fünf Minuten.

Aber auch mit Heinz Hoenig, in Jeanshemd und mit schwarzer Weste, hat es das Leben nicht immer gut gemeint. Als Kind ist der Akteur (weit über 100 Filme) von seinen Babysitter-Nachbarn sogar festgehalten worden, was Guido Maria Kretschmer zu folgender tiefenpsychologischer Frage verleitet: „Mochtest du es, als Kind eingesperrt zu sein?“ Ähm, welches Kind könnte sich etwas Schöneres vorstellen, Herr Kretschmer?

Fahrradtour mit Lagerfeuer

Der Moderator braucht wohl erst mal etwas „frische Luft in die Fresse“ (Zitat Hoenig), und so fahren die vier Freunde Fahrrad. Beim anschließenden Lagerfeuer sprechen sie über die „erste Liebe“, die Stefan Kretzschmar mit 15 Jahren gleich in die Horizontale geführt hat: „Ich habe 51 Liegestütze gemacht, weil ich dachte, so würde es gehen.“

Seine Flamme Claudia hat ihn dann eines Besseren belehrt. Eveline Hall hat sich dagegen Zeit gelassen und ihre Unschuld erst mit 26 an ihren Ehemann verloren. Aber sie war ja auch ein „Balletthäschen“. Das erklärt natürlich einiges, Guido Maria Kretschmer.

Überraschung für Heinz Hoenig

Bei Vanillecreme steigen die vier immer weiter in die (Kalender-)Weisheiten des Lebens vor. Zum Beispiel, dass Hoenig „seinem Horizont“ (und einer rothaarigen Braut in schwarzem Leder) Richtung Berlin gefolgt ist, wo er die Schauspielschule besucht und so viel lernt wie nirgends sonst.

Hoenig hat das letzte Wort noch nicht gesprochen, da schaltet Kretschmer per Video-Botschaft seine alte Schauspielerlehrerin zu. „Sag mal, was ist denn hier los?“ Hoenig ist fassungslos: „Ich habe Pipi in den Augen.“ Trotzdem behält er den Durchblick und hat für Stefan Kretzschmar gleich noch einen kostenlosen Karriere-Tipp parat: „Schmeiß deine scheiß Personalien doch einmal über den Haufen! Einfach tief durchatmen und dann findest du deine Kraft!“

Guido Maria Kretschmer stellt wenig tiefgreifende Fragen

Eveline Hall hat das schon hinter sich. Denn wenn sie als Topmodel Ü-65 etwas erreicht hat, dann „habe ich Menschen die Türe geöffnet, die Angst vor dem Alter haben“.

Angst haben wir im weiteren Verlauf der vor gegenseitiger Zuneigung triefenden Folge nur noch vor den Fragen Guido Maria Kretschmers. Er will von Stefan Kretzschmar wissen, wie er sich nach drei gewonnen Silbermedaillen bei Olympischen Spielen fühlt. „Denkt man wirklich: Ahh, ich muss gewinnen, es muss Gold sein?“ Nee, Herr Kretschmer. Gold? Ganz und gar überbewertet! Hoenig ist über das Gespräch eingeschlafen. Wer kann es ihm verübeln?

Heinz Hoenigs Herz schlägt für Gabi aus dem Allgäu

Erst vor dem Lagerfeuer, zu später Stunde, wird der „Boot“-Schauspieler wieder aktiv – und erzählt von seiner toten Frau. Sie habe „zu ihm gesprochen“, ihm mitgeteilt, dass er den Alltag wieder genießen solle. Und sie habe Recht, sagt Hoenig. Denn „man muss lachen können, das ist das, was uns weiterbringt!“

Deswegen schlägt Heinz’ Herz jetzt für Gabi aus dem Allgäu – und seine drei neuen besten Freunde. „Schön, dass man mit solche Sachen mit euch bereden kann!“, ist sein Fazit des 24-Stunden-Wohlfühltrips, der mit frisch gebackenem Brot und Dinkel-Brei keinen schöneren Abschluss finden könnte.

TV-Format lässt Freundschaften entstehen

Fassen wir zusammen: Da haben sich wahrlich vier gefunden – Heinz Hoenig träumt sogar schon von einer WG. Manchmal genügt für die große Freundschaft ein einfaches TV-Format.