TV-Kritik

„Phoenixsee“ – eine der besten Serien, die der WDR bietet

Die neue WDR-Serie „Phoenixsee“ handelt vom Wettstreit der Familien Neurath und Hansmann. Und die könnten unterschiedlicher nicht sein.

Der Phoenixsee in Dortmund bildet die Kulisse für die neue WDR-Familienserie.

Der Phoenixsee in Dortmund bildet die Kulisse für die neue WDR-Familienserie.

Foto: WDR/Frank Dicks

Köln.  Sie treffen sich beim Elternabend an der Schule ihrer Kinder, als der eine dem anderen den letzten Parkplatz wegnimmt. Es ist der Beginn einer wunderschönen Feindschaft und die Grundlage einer der besten Serien, die der WDR in der letzten Zeit produziert hat. Noch dazu spielt sie an einem Ort, an dem sich das Ruhrgebiet verändert hat, wie sonst an kaum einer anderen Stelle. Am Phoenixsee in Dortmund.

Dort leben sie, die Neuraths und die Hansmanns. Aber die räumliche Nähe ist auch schon das Einzige, was sie verbindet. Und selbst da gibt es noch Unterschiede. Denn die Hansmanns sind zugezogen. Aus Düsseldorf. Noble Villa direkt am See, schwerer Geländewagen vor der Tür – alles nur vom Feinsten. Und während Birger (Stephan Kampwirth), der Mann im Haus, als Steuerberater viel Geld verdient, langweilt sich Ehefrau Katharina (Nike Fuhrmann) zu Hause. Aber dann kommt heraus, dass in der Kanzlei, die Birger übernommen hat, nicht immer alles mit rechten Dingen zugegangen ist.

Ruhrgebiet-Klischees werden nicht bedient

Die hemdsärmeligen Neuraths dagegen wohnen „schon immer“ hier. Andere Seeseite, Mietshaus, erster Stock. Vater Mike (Felix Vörtler) arbeitet in einem von Schließung bedrohten Autowerk, seine Frau Sybille (Anna Stieblich) in der Bäckerei. Das würde reichen, hätte Mike nicht plötzlich das Fi­nanzamt am Hals, weil er gern mal unter der Hand für kleines Geld an den Autos von Bekannten schraubt.

Drehbuchautor Michael Gantenberg und Regisseurin Bettina Woernle haben es geschafft, die meisten Ruhrgebiet-Klischees elegant zu umschiffen. Klar, es gibt bekannte Bilder und Typen, aber kaum jemand spricht wie Tegtmeier, keiner reißt dumme Witzchen. „Phoenixsee“ ist nahe an der Realität, ohne dabei je langweilig zu werden. Das liegt nicht nur am guten Drehbuch, sondern auch an einem Ensemble, das bis in die Nebenrollen hinein passend, weil authentisch besetzt ist.

Am Ende haben beide Familien die gleichen Probleme

Die Serie ist keine Komödie, eher eine durchaus witzige, viel öfter aber ernste, manchmal auch tragische Geschichte zweier Familien, die mehr gemeinsam haben, als sie denken. Denn am Ende kämpfen sie beide ums finanzielle Überleben – wenn auch auf unterschiedlichem Niveau. Die Konstellationen, mit denen Gantenberg im Mikrokosmos Phoenixsee spielt, stehen oft stellvertretend für die Situation im ganzen Land. Es geht um die „kleinen Leute“, die um ihre Existenz bangen.

Wenn man Gantenberg und seinem Drehbuch etwas vorwerfen will, dann kann es nur die Masse an Themen sein, die in gerade einmal sechs Folgen gepresst wird. Keine Hauptperson, die nicht recht schnell ein kleines oder großes Problem vor sich herträgt. Und manche dieser Geschichten in der Geschichte hätte man sich ausführlicher gewünscht. Das kann allerdings noch werden. Denn Staffel zwei ist bereits in Planung.

Fazit: Gute Geschichte, wunderbar und mit viel Ruhrgebiet-Charme gespielt. Endlich mal wieder ein Licht im dunklen deutschen Seriendschungel.

WDR, 28. November, 20.15 Uhr

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