Günther Jauch

Wenn Besserwisser mal nicht alles besser wissen

Im „Klugscheißer-Spezial“ von „Wer wird Millionär?“ versuchen sich vermeintliche Neunmalkluge an der Million. Wie gut schlagen sie sich?

Der größte Besserwisser ist am Ende immer noch der Moderator selbst, Günther Jauch.

Der größte Besserwisser ist am Ende immer noch der Moderator selbst, Günther Jauch.

Foto: Foto: RTL / Stefan Gregorowius

Berlin.  Achtung, Achtung, lieber Leserinnen und Leser, wer auch immer sich von Ihnen berufen fühlt, den Wikipedia-Eintrag von Günther Jauch zu verwalten, möge bitte noch heute seiner Aufgabe nach stetiger Aktualisierung nachkommen.

Denn es gibt wieder etwas Neues aus dem Leben des ansonsten streng privaten Moderatoren zu berichten: Als Kind hatte er gleich drei Hamster, und alle drei Tierchen hießen Pixi. Um genau zu sein: Pixi I, Pixi II und Pixi III. Aber wer zu den klügsten Köpfen Deutschlands zählt, muss ja auch nicht noch zu den kreativsten gehören, stimmt’s?

Jauch überraschte Kandidaten im Publikum

Eben. Und davon abgesehen standen am Freitagabend natürlich nicht Günther Jauch und seine Nager im Mittelpunkt, sondern die Kandidaten. Die waren dieses Mal von besonders besserwisserischer Natur, versuchte RTL seine Zuschauer doch mit einem „Klugscheißer-Special“ vor den Fernseher zu locken. Zwar nicht die erste Sonderausgabe in diesem Jahr (im Gegenteil, die gefühlt 37.), aber wenn nicht „Wer wird Millionär?“ die Hochburg für Möchtegern-Alleswisser ist, wer dann?

Also durften gleich acht Kandidaten ihr Glück versuchen, alle natürlich völlig von ihrer Teilnahme überrascht, weil genervte Freunde oder Familienmitglieder sie ohne ihr Wissen bei der Show angemeldet hatten. So konnte Jauch mit seinem Schadenfreude-Grinsen, wie nur Günther Jauch schadenfroh grinsen kann, durch das Publikum wandern und einen überraschten Teilnehmer nach dem anderen bitten, seine Intelligenz abseits der heimischen Sitzgelegenheit unter Beweis zu stellen.

Erstes Problem: Die 2000-Euro-Frage

Das erste Opfer: Ferdinand Tengelmann. Den 25 Jahre alten Kölner hatte seine Freundin bei „Wer wird Millionär?“ angemeldet, und sie wünschte sich, dass er von den Antworten „richtig fertig gemacht wird“. Der angehende Unternehmensberater, der derzeit in Paris studiert, hatte sogleich sichtlich Mühe, sein Wasserglas nicht gen Studioboden zu schicken. Zunächst lief es für Tengelmann, die blonde Tolle saß, das gestreifte Hemd auch, die Antworten sowieso (ist ja ein Klugscheißer am Werk).

Dann aber kam die 2000-Euro-Frage – und der Moment, da sich Tengelmanns Wangen um ein Vielfaches erröteten. Denn das Publikum half ihm bei der Frage, was die italienische Küstenwache seit diesem Sommer an öffentlichen Stranden unter Geldstrafe stellt – und tippte zu 100 Prozent auf das Reservieren von Liegen. Aber Tengelmann war auch erst ein Mal in Italien, und das war als Kind, so.

Wer ist Markus Söder?

Markus Söder sollte der Unternehmensberater in spe dann aber aus der Gegenwart kennen – was nur leider nicht der Fall war. „Sie kennen Markus Söder nicht? Das wird ihn treffen!“, scherzte Jauch. Trotzdem tippte Tengelmann letztendlich, wenn auch erst nach Einsatz des 50:50-Jokers, auf die richtige Antwort: Der Politiker ist Bayerns Finanz- und Heimatminister. „Das wollte ich eh nehmen!“, ruft Tengelmann. „Höhöhö, ja sicher“, entgegnet Jauch. Punkt für den ehemaligen Hamster-Besitzer.

Bei der Chemie-Frage muss aber auch der Moderator passen. Was alle chemischen Elemente nach Plutonium mit der Ordnungszahl 94 im Periodensystem gemeinsam haben – sie werden künstlich erzeugt –, kann zu Tengelmanns Glück ein Gast im Publikum richtig beantworten. Bei der 64.000-Euro-Frage um den Film mit einem tödlichen Motorradunfall des Titelhelden zu Beginn ist für den Kölner Feierabend.

Zum Start einen Beruhigungsschnaps

Für Jauch aber geht der Spaß erst richtig los. Denn mit Florian Niehaus aus Steinfeld bei Fechta spielt Besserwisser Nummer zwei um die Million. Der 24-Jährige fordert erst Mal einen „Beruhigungsschnaps“, kommt aber auch ohne alkoholische Unterstützung mit Fragen zu Prince, Baby-Mais und einem britischen Skispringer gut voran.

Bei der 8000-Euro-Frage setzt Niehaus, der die erste Klasse übersprungen hat, weil er schon im Kindergarten lesen und schreiben konnte, auf den Telefonjoker. Der kann ihm richtig beantworten, dass seit dem 19. Juni in Deutschland keinem geschäftsfähigen Erwachsenen verweigert werden darf, ein Konto zu eröffnen. Auch schön Antwortmöglichkeit D: eine Bank zu überfallen.

Vor Schreck wieder aufgelegt

Auch wenn er nicht wirklich neunmalklug rüberkommt, kann Niehaus wenigstens mit seiner Zockernatur unterhalten. Wer kann älter als 40 Jahre werden? Die Stechmücke, die Blindschleiche, die Krake oder die Spitzmaus? Alles auf eine Krake gesetzt – und verloren. Die falsche Antwort (Blindschleiche ist korrekt) beschert dem Bachelor-Absolventen aber noch 16.000 Euro.

Mit doppelt so viel Geld geht der die Männerrunde komplettierende René Essel nach Hause. Der Gärtnermeister im VW-Bus-T-Shirt hatte sich schon mehrfach bei „Wer wird Millionär?“ beworben, aber einmal bei Anruf der Redaktion vor Schreck den Hörer aufgelegt. Nun aber kann er beweisen, welche Ladung geballten Wissens in ihm steckt.

Jauch und Justin Bieber im Bierzelt

Erst bei der Frage für 8000 Euro, für welche Fälle der Gesetzgeber ausdrücklich die „Ministererlaubnis“ vorgesehen hat, wackelt Essel. War es die Unternehmensfusion, die AKW-Stilllegungen, die vorzeitigen Haftentlassungen oder doch die Auslandsspionage? Der Telefonjoker hat die Lösung parat, A, die Unternehmensfusion.

Von der Politik zum Bunten, aber besser wird’s nicht: Denn die Sommerliebe von Justin Bieber, Lionel-Richie-Tochter Sofia, sagt dem Kandidaten nichts. Umso besser, bleibt Zeit für die „Bunte“- und „Gala“-Leser aus dem Publikum (Zitat Essel), ihm zu helfen. Jauch nutzt die Gelegenheit für eine Anekdote. In diesem Jahr war er zum ersten Mal seit 25 Jahren beim Oktoberfest. Und sitzt dort gleich im selben Zelt wie Justin Bieber – ohne den US-Sänger wahrzunehmen. „Ob er mich gesehen hat, weiß ich nicht“, klagte Jauch mit ironischem Unterton.

Am Ende doch ein Rückzieher

Essel mit seinem kinnlangen Haar – „Justin Bieber war Frisuren-technisch mal genauso unterwegs wie Sie!“, kommentiert Jauch – ist’s egal. Ihn interessiert vielmehr für 64.000 Euro, wie der Wellensittich an seinen Namen gekommen ist. Aufgrund der Tonhöhe des Zwitscherns, seiner Vorliebe für Meeresküsten, der Form des Schnabels oder der Zeichnung auf dem Gefieder? Essel hat eine Vermutung, Antwort C, hört aber auf – und macht damit laut Jauch alles richtig. Denn „es zeichnet den wahren Klugscheißer aus, wenn er im letzten Moment zurückzuckt!“

Wenn das Zitat nicht noch was für seinen Wikipedia-Artikel ist.