Casting-Show

Was aus den „The Voice“-Gewinnern der letzten Staffeln wurde

Jamie-Lee Kriewitz gewann 2015 „The Voice“. Doch welche Sänger konnten in den anderen Jahren überzeugen – und was machen sie heute?

Von Janna Eiserbeck
Andreas Bourani (l.), Michi Beck (2.v.l.), Yvonne Catterfeld (M.), Smudo (2.v.r.) und Samu Haber suchen 2016 „The Voice of Germany“.

Andreas Bourani (l.), Michi Beck (2.v.l.), Yvonne Catterfeld (M.), Smudo (2.v.r.) und Samu Haber suchen 2016 „The Voice of Germany“.

Foto: Richard Hübner / SAT.1/ProSieben

Berlin.  An diesem Donnerstag startet die sechste Staffel von „The Voice of Germany“. Dieses Jahr müssen die Kandidaten um die Gunst der Coaches Yvonne Catterfeld, Samu Haber, Andreas Bourani sowie Michi Beck und Smudo buhlen.

Das haben die „The Voice“-Sieger der vergangenen Staffeln schon erfolgreich hinter sich gebracht. Doch wie ging es für die Gewinner eigentlich im Anschluss weiter? Und vor allem: Sind sie auch heute noch im Geschäft?

Ivy Quainoo

Sie gewann die erste Staffel von „The Voice“: Ivy Quainoo, die Berlinerin mit ghanaischen Wurzeln. Kurz nach ihrem Sieg in der Show im Jahr 2012 kam ihr Debütalbum „Ivy“ heraus, das immerhin Platz fünf in den deutschen Charts erreichte. Auftritte in TV- und Radio-Shows folgten, genau wie eine eigene Tour. Aber schon das zweite Album „Wildfire“ konnte nicht mehr an den Erfolg des Vorgängers anknüpfen. Über Platz 40 in den Charts ging es nicht hinaus.

Im Januar 2014 ging sie noch einmal auf Tour, danach wurde es ruhiger um Ivy Quainoo – zumindest musikalisch. Quainoo nutzte die Zeit, um sich sozial zu engagieren. 2015 reiste sie als Botschafterin für die Organisation „Gemeinsam für Afrika“ nach Äthiopien und Kenia, um den Aufbau von Schulen zu unterstützen. Außerdem modelte sie auf der Berlin Fashion Week.

Außerdem ist die Sängerin seit 2014 vermehrt in den USA unterwegs. Mittlerweile hat sie offenbar New York zu ihrem vorübergehenden Wohnort erklärt. Dort besucht sie die „American Academy of Dramatic Arts“ und nimmt Schauspielunterricht, wie sie auf Facebook verkündete. Das Aus für ihre Gesangskarriere bedeutet das aber nicht. Sie arbeite auch an einem Album, schreibt sie.

Nick Howard

Die zweite Staffel von „The Voice“ – ebenfalls im Jahr 2012 – konnte Nick Howard für sich entscheiden. Der Musiker, der schon vor der Casting-Show zwei Alben veröffentlichte und mit Musikgrößen wie „Sunrise Avenue“ und Jack Johnson auf Tour ging, konnte mit seinem ersten Album „My Voice Story“ nicht an Ivy Quainoos Erfolg anknüpfen. Über Platz 34 in den deutschen Albumcharts ging es nicht hinaus. Der Nachfolger „Stay Who You Are“ war nur wenig erfolgreicher. Für die Plattenfirma offenbar ernüchternd. Das fünfte Album veröffentlichte Howard daraufhin 2014 in Eigenregie.

Danach wurde es ruhig um den Musiker. Er widmete sich vermehrt seinem Privatleben. 2015 kam seine Tochter zur Welt, im selben Jahr starb seine Mutter und kurz darauf auch sein Vater. An neue Songs war für den 34-Jährigen während dieser Zeit nicht zu denken, wie er in einem Post auf Facebook mitteilte. Er sah seine Karriere als Künstler bereits am Ende, schrieb er.

Erst Anfang 2016 fand er wieder Kraft, neue Lieder zu schreiben. Die Geschehnisse des vergangenen Jahres lieferten ihm dafür Futter, erklärte er. In den neuen Texten wird nicht nur der Abschied von seinen Eltern thematisiert. Auch mit den großen Labels, die nur an schnellem Geld interessiert seien, rechnet er ab. Selbst zu „The Voice“ schlägt er kritische Töne an – vor allem hinsichtlich des Siegeralbums. „Stay Who You Are“ sei innerhalb von nur zwei Wochen produziert worden. Das sei der Fluch, den der Gewinn einer Casting-Sendung mit sich brächte, schrieb er weiter auf Facebook.

Kurz vor dem Start der neuen „The Voice“-Staffel erschien nun, am 14. Oktober, Howards neue Platte „All Or Nothing“. Aufgenommen wurde das Album in New York – der Stadt, in der seine Karriere begann, in der er seine Frau traf und in der auch seine Tochter zur Welt kam. Eine Tour durch Europa und die USA ist ebenfalls geplant.

Andreas Kümmert

Die dritte Staffel entschied Andreas Kümmert 2013 für sich. Sein danach veröffentlichtes Album „Here I Am“ kletterte bis auf den dritten Rang der Albumcharts – die höchste Platzierung eines „The Voice of Germany“-Siegers überhaupt. Der Musiker, der optisch eben nicht dem gängigen Schönheitsbild eines Popstars entspricht, begeistert die Massen. Die logische Konsequenz: 2015 trat er beim Vorentscheid zum „Eurovision Song Contest“ (ESC) an – und gewann.

Doch die Aussicht auf eine Reise zum ESC nach Österreich überforderte Kümmert. Noch während der Live-Sendung gab er sein Ticket an die Zweitplatzierte Ann Sophie weiter und löste damit einen Shitstorm aus. Der Musiker zog sich anschließend aus der Öffentlichkeit zurück. Später berichtete er, er habe an leichten Depressionen und einer Angststörung gelitten, wegen der er auch in therapeutischer Behandlung sei.

In diesem Jahr wagte Kümmert ein Comeback. Sein neues Album erschien am 23. September – und eine Tour ist ebenfalls angesetzt. Außerdem ist er ein gerngesehener Gast in TV- und Radio-Shows, war im „ZDF Morgenmagazin“ oder der „NDR Talk Show“ zu Gast. Der ESC-Eklat und dass er eben nicht eine Marionette des Musikbusiness’ ist, hat Andreas Kümmert interessant gemacht – und erfolgreich.

Charley Ann Schmutzler

2014 setzte sich Charley Ann Schmutzler gegen ihre Konkurrenten bei „The Voice“ durch. Nach ihrem ersten Album ging es im Mai 2015 auf kleine Deutschland-Tour. Eine weitere Tournee im Herbst desselben Jahres wurde allerdings abgesagt. Begründung: Schmutzler stünde für Dreharbeiten vor der Kamera. Die 23-Jährige ist nämlich auch Schauspielerin – genau wie ihre Mutter Claudia Schmutzler. Zuletzt war die Siegerin der vierten Staffel im Film „Fucking Berlin“ zu sehen, der 2016 veröffentlicht wurde.

Auch wenn die Schauspielerei einen hohen Stellenwert in Schmutzlers Leben einnimmt, ist die Musik nicht vergessen. Im Frühsommer ging die Sängerin mit der Band Egolaut auf Club-Tour. Außerdem arbeitet sie an neuen Songs, wie sie ihre Fans auf Facebook kürzlich wissen ließ.

Jamie-Lee Kriewitz

Die amtierende „Voice of Germany“ ist Jamie-Lee Kriewitz. Sie ist gleichzeitig auch die jüngste Gewinnerin. Zum Zeitpunkt des Sieges war sie nicht einmal volljährig. Kriewitz ist Manga- und Anime-Fan und lebt das auch optisch auf der Bühne aus – sowohl während als auch nach „The Voice“.

Nur wenige Monate nach dem Finale vertrat Kriewitz Deutschland beim ESC in Stockholm. Im Gegensatz zu Andreas Kümmert scheute sie sich nicht vor der Aufgabe. Allerdings war ihre Teilnahme nicht von Erfolg gekrönt. Mit ihrem Song „Ghost“ landete sie mit nur elf Punkten auf dem letzten Platz.

Unterkriegen ließ sich die junge Künstlerin davon nicht, verlagerte jedoch ihren Fokus. Neben der Musik widmet sie sich aktuell der Schule. Ihr Ziel: das Abitur. Deshalb muss nun auch die Musikkarriere etwas zurückstecken. Ihre für Oktober geplante Tour wurde auf die Osterferien 2017 verschoben. Für eine andere Sache nimmt sie sich neben der Schule aber noch Zeit: Im August ist sie unter die YouTuber gegangen und hat einen eigenen Channel.