Talk-Duell

Wie Minister Maas AfD-Vize Gauland bei Illner auskonterte

Maybrit Illner lud erstmals zum TV-Duell: AfD-Vize Gauland gegen Justizminister Maas. Der Schlagabtausch hatte ein klaren Punktsieger.

Treffen öfter aufeinander, hier ebenfalls mit Maybrit Illner: AfD-Vize Alexander Gauland (links) und Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) (Archivfoto).

Treffen öfter aufeinander, hier ebenfalls mit Maybrit Illner: AfD-Vize Alexander Gauland (links) und Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) (Archivfoto).

Foto: imago stock&people / imago/Metodi Popow

Berlin.  Justizminister Heiko Maas ist der Lieblingsfeind der AfD. Kein anderer Politiker wird von den Rechtspopulisten so frontal und so scharf bis hinein ins Persönliche angegangen wie der SPD-Mann, der die AfD-Verbündete Pegida einmal als „Schande für Deutschland“ bezeichnet hatte . Was liegt da näher, als Maas mit einem AfD-Spitzenpolitiker zu konfrontieren, um die Sache zu klären?

ZDF-Talkmasterin Maybrit Illner wagt den Versuch – und holt am Donnerstagabend neben Maas AfD-Parteivizechef Alexander Gauland als Widerpart an den Stehtisch im Studio. Die große Talk-Runde bietet nur das Rahmenprogramm für den knapp halbstündigen Schlagabtausch Mann gegen Mann. Also dann: Ring frei!

Grenzen des Sagbaren verschieben und anschließend zurückrudern

„Ringrichterin“ Illner fragt Gauland, was er von dem Begriff „völkisch“ hält, den seine Parteichefin Frauke Petry ja rehabilitieren will. Dies sei “mehr als ein NS-Begriff“, so der AfD-Mann, und auch „nicht von den Nazis eingeführt“. Der Begriff „Volk“ sei ja schließlich auch positiv besetzt.

Maas holt gleich zum Konter aus: „Das ist das System der AfD.“ Man werfe „einzelne Begriffe, die belastet sind“, in die Debatte – „und anschließend war es dann nicht so gemeint“.

Gaulands Reaktion kommt auch prompt: „Sehen Sie, das ist der Grund warum wir so kritisch mit Herrn Maas umgehen. Hier wird uns sofort vorgeworfen, dass wir nationalsozialistisches Erbe bedienen würden.“ Das sei aber ganz falsch.

„Christliche Werte gegenüber Leuten wie Sie“ verteidigen

Gauland und Maas liefern sich ein teilweise hitziges Wortgefecht. Der AfD-Politiker versucht es mit Rundumschlägen. Er wirft der Bundeskanzlerin in der Flüchtlingspolitik „diktatorisches Verhalten“ vor, vergleicht die Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, mit dem Sturm der „Barbarenstämme“ auf den römischen Limes. Und: „Flüchtlinge können eine Bedrohung sein.“

Kontrahent Maas lässt sich nicht aus der Ruhe bringen, landet gezielte Treffer: „Die AfD setzt auf Ausgrenzung und Ressentiments.“ Die Rechtspopulisten machten Stimmung gegen Flüchtlinge und wollten aus der Zuwanderung „politisches Kapital schlagen“. Nicht die Zuwanderer bedrohten das christliche Abendland, sondern: „Christliche Werte müssen gegenüber Leuten wie Sie verteidigt werden.“

Gauland zeigt Wirkung – und versucht nun, mit dem Thema Religion zu punkten. „Der Islam“, so seine kühne These, „ist keine Religion, sondern eine politische Ideologie.“ Sicher, es gebe „einzelne Moslems, die ihre Religion ausüben“, so Gauland. Insgesamt aber sei der Islam „eine Bedrohung“ für Deutschland und seine Kultur.

Maas überzeugt als besserer Rhetoriker

Sollte dies ein Befreiungsschlag werden, so hat Gauland sich nun selbst in die Bredouille gebracht – und die Deckung fallen gelassen. Maas holt aus: „Eine völlig Missachtung des Grundgesetzes“, das schließlich die Religionsfreiheit in Deutschland garantiere. Gaulands schlappe Replik, 1949 habe man schließlich „nicht an den Islam gedacht“, geht ins Leere. Der Rest ist Geplänkel bis zu Illners Schlussgong.

Das Fazit: Maas, klar der bessere Rhetoriker, nutzte auch die argumentativen Schwächen seines Gegenübers. Gauland dagegen brachte sich mit abstrusen Attacken, etwa gegen den Islam, selbst in Bedrängnis und rettete sich so gerade über die Runden. Der Minister stieg als klarer Punktsieger aus dem Ring.

Neues Talkformat von Illner gelungen

Als Siegerin darf sich aber auch Maybrit Illner fühlen. Das neue Format mit dem halbstündigen Duell war zumindest bei seiner Premiere nicht nur spannender als die oft langatmige große Runde. Die personelle Zuspitzung gestattet auch weniger Raum für rhetorische Ausweichmanöver und deckt Schwächen schonungslos auf. Wegducken, siehe Gauland, geht da nicht so einfach. Deshalb: Ring frei – fürs nächste Duell!