TV-Show

Joko und Klaas zwischen Eiswürfel-Bad und Kochshow

Joko und Klaas suchen nach dem Erfolgsrezept für „Die beste Show der Welt“. Ganz einfach: Klaas kocht, Joko taucht, Gäste stänkern.

„My Idiot Friend“ – eines der Formate, bei denen sich Joko und Klaas am Samstagabend versuchten.

„My Idiot Friend“ – eines der Formate, bei denen sich Joko und Klaas am Samstagabend versuchten.

Foto: Guido Engels / BM

Berlin.  Wer beste Fernsehunterhaltung liefern möchte, braucht genau drei Zutaten: zwei Männer in Badehose, ein zehn Meter langes Planschbecken sowie eine gehörige Menge Eiswürfel, die in eben diesem schwimmen. So gesehen am Samstagabend auf ProSieben in der zweiten Ausgabe von „Die beste Show der Welt“ von und mit Klaas Heufer-Umlauf (32) und Joko Winterscheidt (37).

Auch dieses Mal sollte es, wie schon bei der Premiere im April, darum gehen, das spannendste Showformat für die Zukunft zu finden. Jeweils vier Vorschläge durften Joko und Klaas ausarbeiten, und wer das Duo aus Erfolgsformaten von „MTV Home“ bis zu „Halli Galli“ kennt, weiß: Die sind sich für nichts zu schade.

Klaas fürchtet sich vor Kälte

So kam es, dass am Ende der Vier-Stunden-Show kurz vor Mitternacht nicht nur Klaas, sondern auch Joko durchs Planschbecken mit Minustemperatur tauchen musste. Dabei hatte er sich das Spiel „Der Dümmste friert“ doch für seinen Freund und Kontrahenten ausgedacht, weil Klaas „große Angst vor Kälte“ hat. Grund genug für Joko, ihn mit genau dieser Furcht zu konfrontieren. Denn was wäre ein Format der beiden Spaßvögel ohne eine Extra-Portion Schadenfreude? Freundlichkeit ist was für den „Fernsehgarten“.

Die Lust am Leid des anderes war entsprechend auch bei dieser Ausgabe der „besten Show der Welt“ das Leitmotiv. Klaas machte in seinem ersten Show-Konzept auf „Versteckte Kamera“ und ließ Joko in „absurden Situationen“ allein. So musste der 37-Jährige an einer viel befahrenen Berliner Kreuzung klarkommen, als Klaas das Auto samt Schlüssel, aber ohne jeden Kommentar verlässt.

Torschuss mit verbundenen Augen

Jokos Freunde – Fotograf Paul Ripke, Schauspieler Fahri Yardim und Ex-Fußballer Patrick Owomoyela – sollen beurteilen, wie er sich im drohenden Verkehrschaos verhält. Wird er wütend, bleibt er cool? Für die Show-Idee „My Idiot Friend“ gibt es von den Studiogästen 86 Prozent Quote – einen Prozentpunkt mehr als für Jokos „Rückwärtsfußball-WM“. Bei der müssen Spieler wie Joey Kelly einen Fußball mit verbundenen Augen und einer Kamera auf dem Kopf ins Tor schießen. Sieht aber nur maximal eine Halbzeit lustig aus.

Genau darum aber geht es im „Kreißsaal der deutschen Unterhaltungsbranche“: eine Show zu finden, die endlich mal wieder als „Lagerfeuer-Moment für die ganze Familie“ gelten kann. Das ist zumindest der Wunsch der beiden Vorzeige-Witzfiguren des Münchner Fernsehsenders. Groß in der Ideenkiste gekramt haben sie offensichtlich nicht, ein Blick in das frühe Nachmittagsprogramm der Öffentlich-Rechtlichen tat es auch. Jedwede Kochshow – egal ob mit Lafer oder Lichter, Hauptsache lecker – lässt grüßen.

Hühnerbrust und Zucchini müssen in die Pfanne

In seinen zweiten Konzept „Das Auge isst mit“ möchte Klaas einem Kölner Ehepaar ein Candle-Light-Dinner zubereiten. Das Problem: So wie schon Joko beim Zocken kann auch Klaas nichts sehen. Vielmehr leitet ihn Sternekoch Frank Rosin mit Anweisungen vom Herd zum Kühlschrank und wieder zurück, „ich bin quasi nur Franks Werkzeug“. Viel mehr als ein großes Allerlei wird das Gericht erwartungsgemäß nicht: Klaas schafft es immerhin, die Hühnerbrust und fünf Scheiben Zucchini in die Pfanne zu bugsieren. Joko findet: „Das ist die geilste Kochshow, die ich je gesehen habe.“ Standing Ovations, das schmeckt auch dem Publikum, das Heufer-Umlauf den Abend mit einer Quote von 91 Prozent versüßt.

Aber soll das jetzt schon die „beste Show der Welt“ gewesen sein? Ein Format, das auch „Küchenschlacht“ (Hello again, ZDF!) heißen könnte, eine Sendung, in der mehr gematscht als gebraten wird? In der der blinde Koch mit Lebensmitteln und der ihn führende Experte mit Kraftausdrücken um sich schmeißt? Den Zuschauern machte es offensichtlich mehr Freude, als den vier Kandidaten beim Eifern um ein Auto oder Prominenten beim Blamieren im „Shitstorm-Roulette XXL“ zuzusehen, was durchaus verständlich ist. Zumal insbesondere das VIP-Spiel mit Palina Rojinski, Mark Forster und Sami Slimani (Youtuber mit „einer Trillion Followern“) mehr als einstudiert wirkte.

Ein bisschen Charme und viel Schadenfreude

Ganz anders beim vorletzten Format „Hart aber unfair“, für das Klaas am „Charakterschwein-Counter“ Kandidaten für die „gemeinste Quizshow aller Zeiten“ suchte. Fünf Gäste aus dem Publikum durften Fragen beispielsweise nach dem Dümmsten der Runde beantworten. Das war aufgrund der augenscheinlichen Sympathie der Teilnehmer untereinander weniger dramatisch als angekündigt – was für die Menschheit allgemein zunächst ein gutes Zeichen ist.

Doch das böse Ende sollte kommen: Im Finale durften sich die Kandidaten Julia und Marvin darauf einigen, dass sie beide mit 2000 Euro nach Hause gehen, wenn sie jeweils die „Sicherheit“ wählen. Julia verließ sich auf Marvin, der dann doch auf „Risiko“ setzte – und mit 8000 Euro nach Hause ging. Na sowas. Buhrufe im Studio.

Vielleicht sollte er als Praktikant bei Joko und Klaas anfangen, dieser Marvin. Hat er doch alles, was es braucht, um im deutschen Fernsehen erfolgreich zu sein: ein wenig Witz, ein bisschen Charme, jede Menge Schadenfreude – sowie vor allem den Mut, etwas Unvorhergesehenes zu tun. Und bei einem Format wie „Die beste Show der Welt“ geht es doch letztendlich um nicht mehr, als ins kalte Wasser zu springen.