“Shopping Queen“

Guido Maria Kretschmer findet „Mode ist nicht alles“

Guido Maria Kretschmer gilt als Star der Berliner Fashion Week. Im Interview spricht er über den Erfolg seiner Show „Shopping Queen“.

Von Jonas Erlenkämper
Desginer Guido Maria Kretschmer spricht im Interview über seine Sendung „Shopping Queen“.

Desginer Guido Maria Kretschmer spricht im Interview über seine Sendung „Shopping Queen“.

Foto: VOX/Andreas Friese

Essen.  Fernsehen kann so günstig sein. Die Kandidatinnen des Vox-Formats „Shopping Queen“ gehen einfach nur für 500 Euro unter Zeitdruck Klamotten einkaufen, werden von einem Kamerateam begleitet und machen hinterher ein bisschen Modenschau. Wäre alles relativ langweilig und würde Vox bestimmt nicht seit vier Jahren gute Quoten verschaffen, wenn da nicht dieser Mann wäre, der die ganze Einkauferei kommentiert: Guido Maria Kretschmer, Modedesigner aus dem Münsterland, ein witziges Lästermaul, leicht pummelig, Typ „bester Frauenfreund“.

Wenn ihm ein Kleid nicht gefällt, sagt der 51-Jährige Sätze wie „Dieser Spitzenkittel ist ein textiles Verhütungsmittel“. Am Sonntag starten neue Folgen der Promi-Variante. Mit dabei: Sängerin Anna Maria Kaufmann, Model Giulia Siegel, Schauspieler Hakim-Michael Meziani und Rapperin Lady Bitch Ray.

Weil Sie immer so nett wirken, gelten Sie als Frauenversteher. Haben Sie einen Tipp – wie sollte sich eine Frau kleiden, was geht gar nicht?

Guido Maria Kretschmer: Eine pauschale Antwort gibt es leider nicht. So schön es auch wäre. Es ist eine persönliche Frage des Stils. Bei der „Shopping Queen“ überraschen mich immer wieder einige Kandidatinnen auf Anhieb positiv, dafür ist bei anderen die Enttäuschung groß. Ich als Designer verstehe mich generell als Partner und manchmal auch als „textile Instanz“, um einen Look beurteilen zu können. Insofern freue ich mich sehr darüber, dass ich als Frauenversteher gelte, der den Kandidatinnen auch mal die Wahrheit sagen darf, ohne dass man es mir übel nimmt.

Welche Promidamen haben Sie stiltechnisch besonders beeindruckt?

Kretschmer: Da möchte ich gar nicht jemanden gezielt hervorheben – positiv wie negativ. Vermutlich sitzen auch sehr viele Traumfrauen auf deutschen Sofas, die nur ein bisschen Beratung bräuchten – Gleiches gilt für so manchen Hollywoodstar. Auch prominente Frauen sind Frauen mit Stärken und Schwächen. Es ist interessant zu sehen, dass auch ein prominenter zu dicker Hintern einfach nicht in eine 36 passt.

Ihre Sendung dreht sich um zwei Dinge: ums Einkaufen und darum, gut auszusehen. Das ist schon oberflächlich, oder?

Kretschmer: Ich denke, dass „Shopping Queen“ mehr ist als nur eine Styling-Show. Es geht nicht darum, mit 500 Euro durch die Gegend zu rennen und sich beliebig etwas auszusuchen: Da präsentieren sich Menschen mit ihrem Leben. Ich versuche in ganz vielen Momenten, manchmal auch mit Humor, darauf hinzuweisen, dass das Leben mehr ist. Zum Beispiel kann Bummeln manchmal genauso viel Spaß machen wie Shoppen. Das sind Dinge, die ich durch „Shopping Queen“ gelernt habe und die mein Leben beeinflusst haben.

Im Vergleich zu Designern wie Karl Lagerfeld oder Harald Glööckler kommen Sie dezent daher. Können Sie mit dem Auftreten Ihrer Branchenkollegen etwas anfangen?

Kretschmer: Ach, ich weiß nicht. Ich war schon mein ganzes Leben lang anders als viele Designer, da ich Lust auf Menschen habe. Ich bin aus dieser unnahbaren Designerliga jemand zum Anfassen. Ich versuche, dem Zuschauer zu zeigen, dass Mode nur ein Teil der ganzen Story eines Menschen ist und nicht alles. Wenn der Kopf oben rausguckt, solange ist Mode interessant.

K „Promi Shopping Queen“, Sonntag 14. August, Vox, 20.15 Uhr