Interview

ARD-Hörfunkchef Alexander Bleick zum 15. Mal bei Olympia

Olympia ist der Höhepunkt eines Sportlerlebens. Doch auch für Reporter ist es etwas Besonders. Alexander Bleick ist zum 15. Mal dabei.

Von Stefan Reckziegel
Fiebert den Liveübertragungen in Rio entgegen: ARD-Hörfunkchef Alexander Bleick.

Fiebert den Liveübertragungen in Rio entgegen: ARD-Hörfunkchef Alexander Bleick.

Foto: WDR/Herby Sachs

Rio/Hamburg.  Olympia ist seine Welt: ARD-Hörfunkchef Alexander Bleick ist nach 2008 in Peking und 2012 in London in Rio zum dritten Mal Teamchef des ARD-Hörfunks bei Sommerspielen. Alexander Bleick sprach im Interview über die Arbeit vor Ort.

Der Titel „Mr. Olympia“ dürfte Ihnen sicher sein.

Alexander Bleick: Das klingt mir viel zu monumental – auch wenn es sogar schon meine 15. Olympischen Spiele sind. Mir fällt hier im ARD-Radio- und Fernsehteam wirklich niemand ein, der öfter bei Olympischen Spielen war.

Erinnern Sie noch an Ihre ersten Spiele als Berichterstatter?

Bleick: Natürlich! Das war 1988 in Seoul, und ich war sooo glücklich, dass ich damals mit gerade mal Mitte 20 schon als Reporter dabei sein durfte. Ich habe im Radio Schwimmen, Handball und Volleyball übertragen und im Fernsehen spontan auch Kunst- und Turmspringen, weil Jörg Wontorra ganz plötzlich als Moderator gebraucht wurde. Wenn ich mich heute daran zurückerinnere, bekomme ich immer noch vor Freude eine Gänsehaut. Das waren zwei der spannendsten und schönsten Wochen meines Lebens. Auch, weil ich als Jüngster im Team für meine Reportage über Michael Groß’ Olympiasieg über 200 Meter Schmetterling gleich einen Preis gewonnen habe.

Was sind die Hauptunterscheide von damals zu Rio 2016?

Bleick: Damals drehte sich fast alles um die Livereportagen. Wir haben im Radio fast alle Wettkämpfe übertragen, vom ersten Vorlauf bis zum Finale. Allerdings nur auf der Mittelwelle, das klang technisch wirklich nicht besonders gut. All das, was unser Radioangebot heute ausmacht, also Storys über die Sportler, über Reaktionen in den sozialen Netzwerken, Hintergrundberichterstattung über Doping, Sportpolitik oder Sicherheit, das spielte damals nur eine untergeordnete Rolle.

Wegen der Zeitverschiebung fallen viele Entscheidungen erst in der Nacht oder in den frühen Morgenstunden deutscher Zeit.

Bleick: Der große Vorteil liegt darin, dass wir in der meistgehörten Radiozeit am Morgen in unseren Programmen mit ganz viel Olympia punkten können. Wenn der Wettkampftag in Rio um Mitternacht zu Ende geht, ist es in Deutschland fünf Uhr früh, und der Tag beginnt. Wer dann aufsteht, will wissen, was in der Nacht los war. Und das erzählen wir den Menschen im Radio, da erreichen wir jeden Morgen rund 20 Millionen Menschen.

Gegenüber 2012 ist die Anzahl der olympischen Sportarten noch mal um zwei auf 28 gewachsen, Golf und 7er-Rugby sind jetzt auch dabei. Kann man solche Disziplinen oder auch Synchronschwimmen überhaupt live im Hörfunk übertragen?

Bleick: Man kann, aber das ist für die Reporter eine echte Herausforderung. Wir werden uns in unserem Liveangebot allerdings auf die Sportarten konzentrieren, in denen deutsche Sportler antreten. Und das ist im Rugby oder Synchronschwimmen nicht der Fall.

Die Liveübertragungen sind doch für einen Hörfunkmann das Salz in der Suppe, oder?

Bleick: Bei Olympia kribbelt es bei mir am meisten beim Schwimmen. Diese Sportart ist mir in mehr als 30 Jahren als Reporter ans Herz gewachsen.