TV-Kritik

RTL-Quizarena: Spannend wie ein Abend vor der Waschmaschine

Die zweite Folge von Günther Jauchs RTL-Show „500 – Die Quizarena“ war eine Herausforderung. Allerdings nicht für die Kandidaten.

Die erste Folge von Günther Jauchs neuer RTL-Spielshow „500 - Die Quiz-Arena“ hatte wenigstens den Reiz des Neuen. Die zweite Folge am Montagabend wirkte dagegen nur noch wie ein Abklappern der Fragen.

Die erste Folge von Günther Jauchs neuer RTL-Spielshow „500 - Die Quiz-Arena“ hatte wenigstens den Reiz des Neuen. Die zweite Folge am Montagabend wirkte dagegen nur noch wie ein Abklappern der Fragen.

Foto: RTL / Frank W. Hempel / BM

Berlin.  Falls Sie, liebe Leserinnen und Leser, am gestrigen Abend nicht „500 – Die Quizarena“ auf RTL geguckt haben, sind Sie zu beglückwünschen. Denn was auch immer Sie getan haben – ob Sie Buchrücken nach Farben sortiert, Ihrer Wäsche beim Waschen zugeguckt oder den Pelz Ihrer Katze auf Hochglanz gebürstet haben – es war in jedem Fall sinnvoller. Warum? Weil auch die zweite Ausgabe der Spielshow mit Günther „Gnadenlos“ Jauch (Studiostimme) so ermüdend war wie die Aussicht für einen Kandidaten, 500 Fragen beantworten zu müssen.

Für alle, die die Premiere vergangene Woche verpasst haben, in zwei Sätzen Sinn und Zweck des Spielspaßes: Ein Kandidat rätselt in insgesamt zehn Gewinnstufen um 500.000 Euro – zwei Millionen Euro gibt es als Bonus von RTL obendrauf. Fünf Sekunden hat er Zeit, die richtige Antwort auf Fragen aus Kategorien wie „Fußball“, „Kinderlieder“ oder „Altes Ägypten“ zu geben, und das ohne Antwortmöglichkeiten und Joker. Wer drei Fragen falsch beantwortet, also drei Mal ein rotes X kassiert, fliegt raus. Eine richtige Antwort aber löscht das X wieder. Um es kurz zu machen: Die Regeln allein sind viel „grausamer“ als bei „Wer wird Millionär?“ Sagt Jauch.

Der zweiten Folge fehlte der Reiz des Neuen

Dass „500 – Die Quizarena“ auch insgesamt grausamer ist – ist das zu grausam zu sagen? Denn während die erste Ausgabe der Show noch den Reiz des Neuen hatte, wirkte die zweite Sendung nur noch wie ein Jauchsches Abklappern der Fragen. Wo war die Spannung geblieben, die bei der Premiere wenigstens noch durch einen schnellen Kandidaten- und wenig durchschaubaren Spezialfragen-Wechsel („Liste“/ „Tempo“/„Duell“) vorhanden war?

In Sachen Entertainment konnte dann leider auch Kandidat Michael Marji nicht helfen. Der angehende Lehrer und ausgebildete Besserwisser erspielte in der ersten Sendung bereits 40.000 Euro. Grund genug, sich erstmal „eine Woche auszuruhen, um für die nächsten Fragen einen ruhigen Kopf“ zu bekommen. Hat geklappt, wusste er doch, in welcher Fachrichtung der Pneumologe tätig ist (Lungenarzt) oder auf welcher Staatsflagge eine Zeder prangt (Libanon). Sonst aber kam der 30-Jährige selten ins Schwitzen. Die Frage nach dem Sonnengott mit zwei Buchstaben (Ra/Re) „kommt doch in jedem dusseligen Kreuzworträtsel vor!“, rief Jauch entsetzt. Und da stand ihm der Frage-Höhepunkt erst noch bevor: „Welcher Wochentag endet nicht auf ‚G‘?“

Jauch, der Gnadenlose

Da konnte einem Herausforderer Alexander Purrucker fast leidtun. Der Berliner Journalist und Radiomoderator im quietschgrünen Poloshirt kam bei Marjis Antworten-Marathon kaum zu Wort. Und dann zündete noch nicht einmal sein Witz über das Mineralwasser, das er sich zur Stärkung gönnte: „Ja, das ist ein 47er.“ Jauch, der Gnadenlose, ließ das mal so stehen.

Ein Glück, dass mit Purruckers (Witz-)Aus Saskia Popp als neue Gegnerin auf der Mattscheibe erschien. Die Journalistin ist gesichtsblind, leidet an der Krankheit, sich das Antlitz ihres Gegenübers nur schwer merken zu können. So etwas ist schlimm und sicher niemanden zu wünschen. Und doch: Der Sendung hat ihr Leiden gutgetan. Wie das ist, gesichtsblind zu sein, wollte Jauch wissen, und so erzählte die End-Zwanzigerin etwa von Mitschülern, die sie plötzlich nicht mehr kannte. Spannender als die ersten 90 Minuten! Doch leider viel zu schnell vorbei.

Welches Wort folgt auf Vollpension? Der Vollpfosten!

Denn schon war Marji wieder am Zug, um das Publikum wissen zu lassen, dass er sich für Königshäuser interessiert, sein Studium bald wieder aufnehmen will und seiner Leidenschaft, Listen zu allem und jedem zu führen, nach „500“ eine Pause gönnen möchte… zzZZZzz… Wenigstens gab es dann noch die ein oder andere kuriose Frage, etwa welches Wort auf „Vollpension“ im Duden folgt. Der Vollpfosten!

Als dieser stellte sich Michael Marji beim besten Willen nicht heraus. Im Gegenteil. 118.000 Euro hat er sicher, und die Rätsel-Reise ist noch nicht vorbei. Schon kommenden Montag, 20.15 Uhr, geht es weiter. Oder haben Sie etwa etwas Besseres vor?