Quizarena

Neue Jauch-Show: 500 Fragen sind mindestens 450 zu viel

Mit „500 – Die Quizarena“ will RTL die Sommerpause von „Wer wird Millionär“ überbrücken. Doch oft wirkt die Sendung zu ambitioniert.

"500 - Die Quiz-Arena" mit Günther Jauch ist für die Spieler ein rasantes Spiel am Limit: Ohne Antwortvorgaben, ohne Joker, ohne die üblichen Sicherheitsstufen und nur fünf Sekunden Zeit für jede Antwort.

"500 - Die Quiz-Arena" mit Günther Jauch ist für die Spieler ein rasantes Spiel am Limit: Ohne Antwortvorgaben, ohne Joker, ohne die üblichen Sicherheitsstufen und nur fünf Sekunden Zeit für jede Antwort.

Berlin.  Brigitte Karger, 46 Jahre alt und Backkartoffel-Verkäuferin aus Dortmund, wirkt wie eine kluge Frau. Wäre da nicht dieses Tattoo auf ihrem linken Oberarm, ein grüner Kobold (Oder Teufel? Sie weiß es selbst nicht genau). „Mein Ex-Freund wollte die Farbe Grün ausprobieren!“, sagt Karger, als müsse sie sich entschuldigen. Dabei scheint die leicht misslungene Körperverzierung eine der wenigen Unachtsamkeiten der 46-Jährigen zu sein. Denn was das „restliche Leben“ angeht, hat Karger eine ganze Menge Ahnung – wie sie in der neuen RTL-Rateshow „500 – Die Quizarena“ beweist.

In eben dieser Sendung soll ein Kandidat insgesamt 500 Fragen beantworten – verteilt auf zehn Runden mit jeweils 50 Fragen. Die Herausforderung: Es gibt keinerlei Antwortmöglichkeiten und ebenso wenig Joker, und für jede Antwort bleiben gerade fünf Sekunden Zeit. Für die richtige Lösung gibt es 1000 Euro, wer drei Mal falsch rät, also ein rotes X bekommt, fliegt raus. Das freut den Herausforderer, der den gescheiterten Kandidaten auf dem Quiz-Stuhl in diesem Fall beerbt.

Jauch wacht über 500.000 Euro

Dafür winken am Ende des utopisch anmutenden Rate-Marathons 500.000 Euro, die RTL mit einem Bonus von zwei Millionen Euro versüßt. Die Gewinnsummen überwacht der Quizmaster Günther Jauch. Denn – wie könnte es bei einem Quiz auf RTL anders sein – der 59-Jährige ist einmal mehr von der Partie. „Wer wird Millionär?“ (WWM) ist ja auch gerade in Sommerpause.

Nun also „500“. Zur besten Sendezeit am Montagabend und zur Premiere strategisch zwischen die Viertel- und Halbfinals der Fußball-EM platziert, sollte die Show das laut Jauch „vielleicht härteste Quiz aller Zeiten“ sein. Für den ersten Kandidaten war es das. Akis Konstantinidis, 36 Jahre alter Justizvollzugsobersekretär, mögen seine fünf Berufsausbildungen im Leben helfen, auf dem Quiz-Stuhl aber war nach bescheiden kurzer Zeit Schluss. Auf die Frage, welcher Bär als einziger Fleisch frisst, kannte er die Antwort ebenso wenig wie auf die nach einem Film mit Milla Jovovich. Dabei sind die Fragen in Kategorien wie „An der Bar“, „Zoobesuch“ und „Horror“, aber auch in klassischen Rubriken wie „Geografie“ weitaus leichter als bei „WWM“. Konstantinidis scheitert an Frage, wie der Vater der Kinderbuch-Figur Wickie heißt. „Halvar“ statt „Ole“ – mit null Euro geht es nach Hause. Weniger schön.

In den USA läuft „500“ bereits seit zwei Jahren, und mehr als 169.000 Dollar gewann dort noch kein Kandidat. Brigitte Karger, die bereits erwähnte Backkartoffel-Verkäuferin, schaffte immerhin 30.000 Euro – flog dann aber ebenfalls ohne jeden Cent in der Tasche raus. Obwohl sie es zwischendurch immer wieder schaffte, zwei oder drei ihrer Xe durch richtige Antworten zu eliminieren. Schade, war Karger mit Sommerkleid und Zähneknirschen doch die sympathischste Kandidatin, und dass, obwohl sie vorher erklärt hatte, etwas „kompliziert“ zu sein. Merkte Günther Jauch nichts von. Er bescheinigte ihr lieber ein „weit gefächertes Wissen“.

Ein Besserwisser sichert sich 43.000 Euro

Ganz anders sah das zunächst bei Kandidat Michael Marji aus. Das Problem: Der 30-jährige Mainzer ist Endlos-Student („Die Semester zähle ich nicht mehr!“), und dass ausgerechnet im Fach Lehramt. Lehrer zählen bekanntermaßen zu Jauchs weniger beliebten Kandidaten. Trotz der Tatsache, dass der berufliche Spätzunder bereits 7500 Euro bei einem Quiz gewonnen hatte (Jauch: „Bei welchem armen Sender war das denn?“), musste sich Marji anhören, dass er ja „kein Wunderkerl“ und überhaupt „übermotiviert“ sei. Steckte er weg, wenn leider auch mit einer Prise zu viel Wichtigtuerei („Die Goldbären von Haribo hießen zuerst Tanzbären!“ Warum, konnte er dann aber auch nicht sagen).

Dabei wäre seine überhebliche Art gar nicht nötig gewesen: Der von Jauch als „Schlaubi Schlumpf“ bezeichnete 30-Jährige schaffte es immerhin, 50 Fragen zu lösen und damit 43.000 Euro zu erspielen. Theoretisch hätte Marji, der hobbymäßig über alles und jeden und berühmte Katzen Liste führt, 50.000 Euro bekommen, gibt es doch für jede richtige Antwort 1000 Euro. Doch, und das ist eine der vielen, schnell unüberschaubaren Regeln bei „500“: Gibt der Kandidat die richtige Antwort erst beim zweiten oder dritten Versuch innerhalb der fünf Sekunden, gibt es zwar kein Geld, aber er ist eine Runde weiter. Puh.

In der wartet dann ein Duell mit dem Herausforderer oder auch die „Listenfrage“, in der Kandidaten in 15 Sekunden mehrere richtige Antworten zum Beispiel zu den vergangenen US-Präsidenten geben sollen. Oder auch zu den Titeln der 18 Romane, die Stephen King in den 70er und 80er Jahren unter seinem Namen veröffentlichte. Nicht ganz einfach, aber durchaus machbar.

Spezial-Runden verwirren eher

Ach so, und dann wäre da noch die „Tempo-Runde“, in der der Kandidat zehn Fragen in schneller Abfolge hintereinander beantworten muss, und zwar aus unterschiedlichen Themengebieten. Ob den Machern der Show klar war, dass die vielen, vielen Fragen ermüdend sind, oder warum musste alle drei Minuten ein „Frage-Spezial“ die Sendung wieder in Schwung bringen? Die Werbung kam dann leider auch seltener als von RTL gewohnt.

Für ein wenig Feuer konnte auch Kandidatin Victoria Heineck nicht sorgen, die nach dem Ausscheiden von „Kartoffel-Brigitte“ als neue Herausforderin des Lehrers in spe in die Sendung kam. Die 27 Jahre alte Master-Studentin der Chemie wirkte recht schüchtern und obendrein noch ratlos. Da konnte die Anwesenheit ihres Freundes, den sie standesgemäß in einer privaten Quiz-Runde kennenlernte, auch nicht helfen. Egal. Nach gefühlt zwei Minuten war eh Schluss.

Auftritt Alexander Purrucker: Der 47 Jahre alte Journalist, Moderator und – ganz wichtig – „Mensch“ im pinken Polo-Shirt küsste erstmal den Studioboden, um die „Quiz-Götter“ zu wecken. Die hatten aber wohl Besseres zu tun, glaubte Purrucker doch, Nofretete sei wieder in Kairo. Die Büste der ägyptischen Königin befindet sich aber noch immer in Berlin. Wenigstens hatte „Schlaubi Schlumpf“ Marji einen ebenbürtigen Herausforderer zu Fragen nach dem Ende der Präsidentschaft von Barack Obama oder der auch als ‚Mainhattan’ bezeichneten Stadt gefunden.

Die wichtigste Frage des Abends aber wurde nicht gestellt: Braucht dieses Land wirklich die gefühlt 173. Quiz-Show? Bislang sind fünf Folgen von „500“ geplant, und nach ersten Einschätzungen dürften das noch nicht alle gewesen sein. Bevor RTL und Jauch ein Quiz absetzen, lässt sich Brigitte Krager einen zweiten Kobold stechen.