Gläser hoch! Stößchen! Am Dienstagabend nahmen sich die Hauptdarsteller von „Sing meinen Song“ viel Zeit, um sich selbst gegenseitig hochleben zu lassen. Das Finale der dritten Staffel stand an, das Ende von acht durchaus kreativen und offenbar angenehmen Wochen für Gastgeber Xavier Naidoo, Samy Deluxe, Nena, Seven, Annett Louisan, The BossHoss und Wolfgang Niedecken.
„Das war eine unfassbare Zeit“, sagte Naidoo. „Dass wir alle hier so was Cooles zusammen erleben dürfen, da muss man neidisch drauf sein“, meinte Samy Deluxe. Versöhnliche, lobende Töne über und über. Zurecht. Die musikalische Bandbreite dieser Staffel, die vom Kölschrock-Onkel Niedecken über die zarte, leise Annett Louisan und den lauteren wortgewaltigen Samy Deluxe bis hin zu den kräftigen Soul-Stimmen von Naidoo und Seven führte, hatte richtig viel zu bieten. „Wir inspirieren uns alle sehr“, sagte Nena. Man mag es ihr glauben.
Naidoos Abschied ist kein Thema
Aber war da nicht auch was nicht ganz so Erfreuliches? Xavier Naidoo hatte schließlich gerade erst seinen Abschied von der Sendung angekündigt. Die vierte Staffel, die 2017 anlaufen wird, bekommt einen neuen Gastgeber. Nur für das Weihnachtsspecial will der 44-Jährige noch mal zurückkehren. Thema war sein Abschied am Dienstagabend allerdings nicht. Vielleicht auch, weil Naidoo ja auch schon in der Vorwoche die Moderation an Samy Deluxe abgetreten hatte. Wenig sentimental merkte Naidoo an: „Ich glaube, ich hab’ die Zukunft des deutschen Talkshow-Fernsehens hier gesehen.“ Thema durch.

Beim ein oder anderen Gläschen Sekt wurde sich also gegenseitig gefeiert. Die Laune wurde immer besser beim Rückblick auf die Highlights der Staffel. Eine Funk-Version von Nenas „99 Luftballons“? Ging klar – dank Seven, dem Schweizer, der sich im Übrigen auch als einziger in dieser Staffel traute, einen Song von BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken auf Kölsch zu singen. Niedecken hatte Naidoos „Was wir alleine nicht schaffen“ in Kölsch-Rock eingehüllt. Und selbst dass Samy Deluxe in seiner Version vom BossHoss-Song „Shake and Shout“ rotzfrech fragte „Ist Scooter euer Ghostwriter?“, wurde von Alec Völkel und Sascha Vollmer jetzt als „Liebeserklärung“ eingestuft. Stößchen!
Niedecken sorgt für die Höhepunkte
Aber es ging auch noch mal an die Arbeit. Diesmal wurde ausnahmsweise nicht getauscht beim Tauschkonzert, sondern – wie passend für diesen Abend – gemeinsame Sache gemacht, mit Duetten. Richtig stark: Samy Deluxe half Nena, „Berufsjugendlich“ noch ein bisschen kräftiger zu präsentieren, als es ohnehin schon ist – und gab dann einen starken Kontrapunkt im Team mit Annett Louisan und ihrem „Stell dir vor, dass oben unten ist“. Vielleicht sollte er mal einen Song zum Singen und nicht zum Rappen schreiben! Und vielleicht sollten Naidoo und Seven öfter Duette singen. So wie sie es bei Sevens „Go Slow“ gemacht haben.

Die Höhepunkte gehörten allerdings (wieder einmal) Wolfgang Niedecken. Erst stimmte die Kölschrock-Legende in Naidoos Soul-Version des BAP-Songs „Songs sinn Dräume“ ein, und dann in Nenas ähnliche gefühlvolle Adaption von „Do kanns zaubre“. Für den Zuschauer richtig gut anzuhören, für Naidoo und Nena ein merklich großer Spaß, für Niedecken allerdings nicht ganz unproblematisch: „Am liebsten würde ich diese Songs jetzt alle auf meiner Tour spielen.“ Auf sein Fazit färbte dieses „Problem“ allerdings nicht ab. „Was bleibt, ist die Extraration Selbstvertrauen“, resümierte Niedecken. „Das hat gutgetan.“ Und wieder klirrten die Gläser.
Die passende Einleitung für den starken Schlusspunkt der Staffel: Erstmals präsentierten alle Künstler einer Staffel einen gemeinsamen Song. Weltpremiere für „Kommst du mit nach Afrika?“, ein eingängiger Pop-Rock-Song. So ein Lied sei schon immer der Wunsch von Xavier Naidoo gewesen, sagte Wolfgang Niedecken. Nun ging er in Erfüllung. Als eins von vielen Abschiedsgeschenken, die der scheidende Gastgeber für die Fans der Show an diesem Abend mitgebracht hatte.


